Dmexco 2021:
#SettingNewPriorities: Wie sieht es in der Praxis aus?

Die Dmexco hat sich in diesem Jahr für das Motto #SettingNewPriorities entschieden. Aber wie erlebt jede:r Einzelne das in seinem Umfeld? Kreativagenturen und Digitalexperten über wichtige Veränderungsprozesse.

Text: W&V Redaktion

Julia Peglow, Buchautorin und Bloggerin bei diary of the digital age
Julia Peglow, Buchautorin und Bloggerin bei diary of the digital age

2021 geht es einmal mehr darum, nach vorne zu schauen. Wir nehmen das Dmexco-Motto #SettingNewPriorities zum Anlass und fragen: Wo haben Sie im Jahr 2021 die Prioritäten in Ihrem Business gesetzt und in welchen digitalen Entwicklungen sehen Sie Wachstumspotentiale?

Entschleunigung ist das Thema nach diesem zweiten Lockdown-Jahr

Mir kommt manchmal vor, als wäre die Digitalisierung eine riesige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, um uns auf einer hirnlosen Mikroebene beschäftigt zu halten. Wir optimieren Schlaf, Partnersuche, Ernährung und unser Aktienportfolio, wir tracken Schritte, sind rund um die Uhr im Zoom Call, bearbeiten Kalender und E-Mail Inboxen, sammeln Follower, wir nutzen jede Sekunde des Tages effizient – aber unser Denken – das langsame, tiefe Denken – haben wir verlernt. Dabei brauchen wir es und alles, was daraus entspringt – Intelligenz, Kreativität, Weisheit und die Fähigkeit, eine originäre Idee zu entwickeln – angesichts der Probleme, die wir zu lösen haben, dringender als je zuvor. Wir müssen uns unser Denken zurückerobern. Insbesondere nach diesem zweiten Lockdown-Jahr ist Entschleunigung das Thema.

Julia Peglow, Buchautorin und Bloggerin bei diary of the digital age

Digitales und Physisches verbinden

Die beschleunigte Digitalisierung in der Corona-Pandemie hat unsere Arbeit, unser Einkaufsverhalten, unser gesamtes Leben tiefgreifend verändert. Gleichzeitig erkennen wir aber auch, wie wichtig "echte", physische Erlebnisse sind, das Treffen mit engen Bezugspersonen, der spontane Austausch mit Teammitgliedern, der Einkaufsbummel. Daher sollten wir künftig Physisches und Digitales noch besser verbinden.

Marco Seiler

Marco Seiler

Für Oddity heißt das: Wir helfen unserer Kundschaft, zukunftsweisende Omni-Channel-Strategien zu entwickeln. Wir verzahnen physische und digitale Einkaufserlebnisse und verbinden so die jeweiligen Stärken der beiden Welten: Emotionalität und Effizienz. Dafür bauen wir als Agentur unser Commerce-Dienstleistungsangebot deutlich aus. Wir optimieren aber auch intern die Arbeitsbedingungen. Wir ermöglichen vor allem jungen Mitarbeitenden das interdisziplinäre Miteinander mit physischer Nähe. Gleichzeitig wollen wir einen hohen Grad an Autonomie bieten, insbesondere für alle, die gerne von zu Hause oder als digitale Nomaden arbeiten. Brechen wir also auf in die neuen, hybriden Lebenswelten!

Marco Seiler, Managing Partner bei Oddity

Künstliche Intelligenz wird vollautomatisiert Entscheidungen treffen

Karl Sponholz

Karl Sponholz

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird enorm an Bedeutung gewinnen. Egal ob für die Aussteuerung von zielgruppenspezifischer Werbung auf Out-of-Home Displays oder aber zur Emotionserkennung im direkten Kundenkontakt - Künstliche Intelligenz wird vollautomatisiert Entscheidungen treffen oder aber zumindest entscheidungsunterstützend sowohl digitale als auch nicht digitale Kundenerlebnisse beeinflussen. Die rasant fortschreitende Verbesserung von Deep Learning Modellen im Bereich Gestenerkennung, Sentiment-Analyse oder auch Eye-Tracking werden immer natürlichere Interaktion mit Computern erlauben und in den nächsten Jahren Innovation im Offline Marketing prägen.

Karl Sponholz, Chief Product & Technology Officer der Avantgarde Gruppe

 

Weiter in Richtung Customer Experience

Florian Wassel

Florian Wassel

Wir sehen, dass Marken und Unternehmen heute mehr denn je damit konfrontiert sind, erstklassige Erlebnisse zu kreieren, die sich über mehrere Touchpoints verteilen und entlang des Funnels verlaufen. Gelingt dies, so entsteht digitales Geschäft. Das zwingt uns dazu, Marketing und Technologie integrierter zu denken und in die Umsetzung zu bringen. Das verlangt den Marketern ab, sich mit Datenmodellen und Logiken auseinanderzusetzen ohne ihre Kreativität aufzugeben. Gleichzeitig müssen IT- und Software Teams sich mit kreativen Lösungen auseinandersetzen und interdisziplinär arbeiten. Wir nennen das "Full-Funnel-Marketing". Erfolgreiche E-Commerce Player, digitale Vertriebschampions wie SaaS Unternehmen oder D2C Brands sind genau in diesem Bereich exzellent. Diese Möglichkeiten wollen wir dem Mittelstand eröffnen.

Florian Wassel, CEO bei TOWA

Vom Point of Sale zum Point of Experience

Mathias Ulrich

Mathias Ulrich

Die Pandemie hat uns in unserer langjährigen Mission, kommerzielle Markenräume in phygitale Erlebnisräume zu verwandeln einmal mehr bestätigt und die Notwendigkeit einer Transformation im Retail für alle sichtbar gemacht. Die langen Ladenschließungen haben neue Formen im E-Commerce hervorgebracht und es wurden Kategorien online gekauft, die vorher nicht in Frage kamen – eine Entwicklung, die sich nicht mehr umkehren wird. Wer stationären Retail heute noch als reinen Vertriebskanal betrachtet, macht sich in hohem Maße ersetzbar. Daraus leiten sich unsere beiden Prioritäten ab, mit denen wir uns intensiv beschäftigen: Die Digitalisierung im stationären Retail und der Wandel vom Point of Sale zum Point of Experience. Beides erfordert einen hohen konzeptionellen Anspruch, da es eben nicht darum geht ein oder zwei Screens im Store zu verbauen, eine Kaffeemaschine anzuschließen oder gelegentlich ein Event zu veranstalten. Die Kundschaft von heute erwartet komplett neue Erlebnisse und Journeys.

Mathias Ullrich, Managing Director bei Liganova

Live Shopping Streams via Influencer und Social Media erobern Europa

Philipp Hagl

Philipp Hagl

Teleshopping ist ein alter Hut, den Anbietenden stirbt die Nachfrage regelrecht weg und innovative Ansätze gibt es wenige. Der stationäre Handel muss sparen, daher findet sich auf der Fläche immer weniger qualifiziertes Verkaufspersonal bzw. eine fundierte Produktberatung im Laden. Instagram Live Shopping Streams, moderiert von reichweitenstarken Influencern zusammen mit Marke und dem Handel, bieten hier eine hervorragende Alternative. Etwas weniger gescripted wie im linearen Shopping TV präsentieren die Influencer die Produkte authentisch im Dialog. Die erreichbare Zielgruppe ist digital unterwegs, vertraut den Erfahrungen und Empfehlungen von Influencern und hat eigentlich auch gar keine Lust, auf einer klassischen Fläche einkaufen zu gehen. Hohe Skalierbarkeit und gute Messbarkeit machen dieses innovative Format für Marken sehr spannend.

Philipp Hagl, Gründer und Geschäftsführer bei InfluenceME

Marken, die mit First-Party-Daten verantwortungsvoll umgehen, sind die Gewinner

Laura Schwarz

Laura Schwarz

Apples App Tracking Transparency (IDFA) erschwert das Tracking von Daten maßgeblich. Nutzende werden nun gefragt, ob Cross-Tracking erlaubt ist. Und nur ein Bruchteil der iPhone-Nutzenden stimmt dem Tracking von Daten und Bewegungen zu – das sind schlechte Nachrichten für die Werbebranche. Für Apple hingegen ist der Datenschutz ein wichtiges Verkaufsargument. Zudem haben die datenschutzfreundlichen Schritte von Apple in den letzten Monaten auch die Haltung von Google in Bezug auf Datenfragen beeinflusst. Damit wird klarer denn je, dass Werbungtreibende sich das Recht verdienen müssen, Verbraucherdaten zu sammeln und zu nutzen, und dass dies zunehmend von dem Nutzen abhängt, der durch direkte Interaktionen über digitale Messaging-Kanäle geschaffen wird. Marken, die ihre First-Party-Daten wertschätzen und verantwortungsvoll damit umgehen, werden die Gewinner sein und dauerhafte und wertvolle Kundenbeziehungen aufbauen. Marken sollten hier Prioritäten setzen.

Laura Schwarz, Country Manager Central & Eastern Europe von Airship

E-Commerce hat nochmals deutlich zugelegt und wächst weiter

Timo Günthner

Timo Günthner

2021 hat uns als Unternehmen, das einen klaren Fokus auf die Entwicklung digitaler Produkte und Services legt, nur erneut in den von uns gesetzten Prioritäten bestätigt. Denn digitale Lösungen, die echten Mehrwert generieren, gewinnen bei Unternehmen durch die immer weiter fortschreitende Digitalisierung nach wie vor an Relevanz. Auch sehen wir, dass beschleunigt durch die Pandemie, der E-Commerce nochmals deutlich an Wachstum zugelegt hat und dies auch weiter tun wird: Shop-Lösungen sind wieder gefragter, und zugleich zugänglicher und einfacher zu etablieren. Innovative, serviceorientierte Onlineshops, die sich nahtlos in die digitale Landschaft eines Anbieters eingliedern, kommen dem Bedürfnis nach herausragenden Experiences auf Kunden- und Unternehmensseite entgegen.

Timo Günthner, Managing Director bei 21TORR

Cyber Security ist die Voraussetzung für Wachstum

Marco Peters

Marco Peters

Das Thema 2021 im Digitalbusiness heißt: Cyber Security! Hackerangriffe und Datenskandale haben mittlerweile ihren festen Platz im Newsstream. Sie sind ein Angriff auf die Lebensader des Unternehmens. Und trotzdem kommt es immer noch vor, dass Unternehmen erst reagieren, nachdem sie angegriffen wurden, Daten zerstört oder gestohlen wurden, die Polizei eingeschaltet wird und Forensiker beauftragt sind. Hier sollten Unternehmen agieren und vorbereitet sein! Wer bislang noch nicht gehandelt hat, muss es jetzt tun: Die digitale Entwicklung geht nicht mehr ohne Cyber Security und einer entsprechenden Bewertung bzw. Zertifizierung, z.B. CyberVadis. Auftraggeber, aber auch der Gesetzgeber und sogar Versicherer prüfen vermehrt. Cyber Security ist mittlerweile ein entscheidender Faktor für die Auftragsvergabe, also die Voraussetzung für Wachstum!

Marco Peters, Gründer und Geschäftsführer bei Nextwork

Der Mittelstand braucht moderne und flexible Systemlandschaften

Matthias Bierich

Matthias Bierich

Corona hat die Welt im Zeitraffer verändert. Das spürt auch der deutsche Mittestand. Wer jetzt noch nicht den Digitalisierungs-Booster angeworfen hat, wird das Nachsehen haben. Im Mittelpunkt muss dabei das ideale Kundenerlebnis stehen – und das über alle relevanten Kanäle und Devices hinweg. Kundenbedürfnisse müssen individuell, personalisiert und vor allem in Echtzeit bedient werden. Dafür braucht es eine moderne Systemlandschaft: Ohne PIM, DAM, MAM, CMS und CRM, B2B-Web-Shop, etc. kann man die veränderten Kundenerwartungen heute nicht mehr bedienen. Deshalb haben wir in 2021 den Fokus auf die Weiterentwicklung und den Ausbau unserer digitalen Toolbox gesetzt. Die wachsende Nachfrage im Bereich unseres B2B-Kundensegments bestätigt uns in dieser wichtigen strategischen Entscheidung. Hier sehen wir auch über das Jahr 2021 hinaus enormes Wachstums-Potential für unsere Branche.

Matthias Bierich, Geschäftsführer bei schalk&friends



W&V Redaktion
Autor: W&V Redaktion

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