Gaming:
Warum ich noch immer Pokémon Go spiele

Vor gut einem Jahr startete Niantic die App Pokémon Go und setzte damit neue Maßstäbe. Der Hype ist zwar vorbei. Einigen ist das aber egal. Sie sind noch immer dabei - auch wenn die Jagd ziemlich mühsam wird.

Text: Manuela Pauker

Pokemón Go: Das war's dann, Pikachu.
Pokemón Go: Das war's dann, Pikachu.

Der 13. Juli 2016 ist ein historischer Tag: Damals wurde ich offiziell zum Gamer. "Mach doch was zu Pokémon Go", hieß es in der Redaktion. Na klar, diesem Mega-Hype musste man hinterhergehen. Und das Ganze in dem Zusammenhang natürlich auch mal selbst testen. Ganz objektiv natürlich, so als  absoluter Nicht-PC-Games-Fan. Absolut keine Suchtgefahr, ich doch nicht, haha!

Es kam, wie es kommen musste. Gleich das erste Taubsi entfachte das Jagdfieber, einige Kollegen entzündeten sich ebenfalls spontan. Um es kurz zu machen: aktuell Level 33, insgesamt 218 Pokémon im Pokedex eingetragen. Und Spieleanbieter Niantic rund 50 Euro dagelassen – hauptsächlich für unverzichtbare Items wie Glückseier und Brutmaschinen.

Vom Hype zur Nebenbei-Beschäftigung

Mittlerweile ist das Pokémon Go-Fieber in der Community deutlich abgekühlt. Das ist auch an den Marketing-Aktionen, die in der Anfangszeit überall aufpoppten, zu sehen: Es gibt so gut wie keine mehr. Der Hype ist vorbei, da beißt der Rattfratz keinen Faden ab. Eine Kollegin wirft noch hin und wieder ein Bällchen nach Wiesor, Hornliu & Co. Aber selten.  

Warum ich immer noch dabei bin? Vermutlich gerade, weil ich kein typischer Gamer bin. Wäre ich nicht zufällig damals in die Welt der Arenen, Trainer und Tränke gestolpert, hätte ich wohl nie irgendeine App dieser Art geladen. Das macht den Erfolg auch aus: Pokémon Go funktioniert besonders gut in der Zielgruppe der Eigentlich-Nicht-Gamer. Es ist wohl eins der ersten wirklich massentauglichen Spiele für alle Generationen. Die Großeltern unterstützen die Enkel beim Raid – wo gibt es das sonst noch?

Es gibt viel Verbesserungsbedarf

Leider macht es einem Niantic nicht leicht, auf Dauer dabei zu bleiben. Ärgernisse gibt es einige: In den höheren Stufen braucht es für den Aufstieg ins nächsthöhere Level eine lächerlich hohe Anzahl von Punkten. Um beispielsweise Level 34 zu erreichen, muss der Spieler eine Million Punkte sammeln. Das dauert, wenn ein gefangenes Tier normalerweise gerade mal 100 bis 150 Punkte bringt. Wer in einer Arena kämpft, hat als Neuling auch keine große Chance mehr – dort warten extrem fitte Pokémon von Langzeitspielern, die mit jedem Newcomer kurzen Prozess machen. Da müsste bald mal was passieren.

Trotzdem: Gelegentlich macht das Einfangen der bunten Tierchen noch Spaß, das Wandern an der frischen Luft ist ja auch gesund. Es ist auch ein wenig zur Gewohnheit geworden. Vielleicht gehe ich heute Abend mit meinem Kumpel Endivie noch eine Runde um den Block. Mal sehen, wer uns so begegnet.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde


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