Wie Spieleanbieter werben

Wie aktiv sind eigentlich Spieleschmieden als Werber? Gemius hat dazu mit seinem Tool Gemiusadreal eine Auswertung erstellt.

Text: W&V Leserautor

Spiele sind ein Wirtschaftsfaktor - wie werden sie beworben?
Spiele sind ein Wirtschaftsfaktor - wie werden sie beworben?

Der deutsche Spielemarkt steht nach Umsätzen auf Platz 2 in Europa. Nach Angaben des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) wurden 2016 etwa 2,9 Milliarden Euro (ca. 3,4 Mrd. US-Dollar) erwirtschaftet. In der ersten Hälfte dieses Jahres verzeichnete der BIU zudem einen Umsatzanstieg von 11 Prozent im Vergleich zu 2016. Zugleich ist Deutschland der fünftgrößte Spieleentwickler weltweit.

Die Branche erreicht über die Hälfte aller Internetnutzer im Land: 51 Prozent aller Internetnutzer (Bis zum Juli 2017 erhob Gemius Daten für Internetnutzer in Deutschland ab 18 Jahren, ab August werden Daten für User ab 14 Jahren erhoben) spielen Computerspiele – und 57 Prozent der Gamer sind bereit, dafür auch Geld zu bezahlen. Konsolenspiele stellen dabei den größten Anteil am Spielemarkt. Kein Wunder also, dass deutsche und internationale Spielehersteller sich einen epischen Kampf um die Aufmerksamkeit der hiesigen Gamer liefern.

 

Es lohnt sich daher, einen Blick auf die Werbestrategien der großen Gaming Brands zu werfen. Mit Hilfe der Daten und Marktforschung von Gemiusadreal lassen sich die Online-Werbekampagnen (Video, Display, Text) aller in Deutschland aktiven Spieleunternehmen analysieren:

 

Imperien, Stämme, wilde Krieger

 Als aktivster Player seit Mai stellt sich dabei die Plarium Group heraus. Ihre Anzeigen erreichten im Mai 26,6 Millionen Internetnutzer in Deutschland, im Juni fast 24 Millionen und im Juli 21,6 Millionen. Im Mittelpunkt der Kampagnen standen Display- und Textanzeigen für Online-Spiele wie "Vikings: War of Clans", "Throne: Kingdom at War" sowie "Stormfall: Age of War". Die Werbemittel wurden vor allem auf Webseiten wie chip.de, giga.de, yahoo.com oder bild.de ausgeliefert.

Auf den nächsten Plätzen folgen zwei deutsche Spieleschmieden – InnoGames und Goodgame Studios. Im Mai erreichte InnoGames, mit Online-Spielen wie "Tribal Wars", "The West" oder "Grepolis" im Arsenal, mit seinen Kampagnen 16,3 Millionen Internetnutzer in Deutschland. Im Fokus stand dabei das Spiel "Forge of Empires". Ein großer Teil der Kampagne lief bei Facebook, 47 Prozent aller Impressions wurden dort erzielt. Im Juni erreichte das Unternehmen mit Online-Anzeigen für "Forge of Empires" sowie "Elvenar" 12,9 Millionen User, über 41 Prozent der Impressions davon bei Facebook. Im Juli kam InnoGames sogar auf eine Reichweite von 15,1 Millionen Internetnutzern.

Goodgame Studios, Entwickler von im Mittelalter angesiedelten Online-Spielen wie "Empire" oder "Legends of Honor", erreichte im Mai 14,8 Millionen Internetnutzer in Deutschland, im Juni waren es 16 Millionen, im Juli 18,4 Millionen. Die Kampagnen von Goodgame bestehen dabei vor allem aus Display-Anzeigen, die bei Facebook, gmx.net, msn.com, t-online.de und anderen Webseiten laufen.

 

Kleiner Player, große Zahlen

Spannend sind jedoch auch die Aktivitäten eines kleineren deutschen Spieleunternehmens: Upjers, Entwickler von kostenlosen Browser-Games wie "My Free Zoo", "Kapi Hospital" oder "My Free Farm". Auch wenn sie bei der Zahl der erreichten Internetnutzer in Deutschland nicht ganz vorn mitspielen (Mai: 9,1 Millionen, Juni: 6,5 Millionen, Juli: 6,7 Millionen) – bei den Impressions gingen sie im Mai und Juli als Sieger durchs Ziel.

Zu beachten ist dabei jedoch, dass ein Großteil der Kampagnen auf eigenen Webseiten von Upjers ausgespielt wird, wie z.B. mylittlefarmies.de, myfreefarm.de oder myfreezoo.de. Die 709 Millionen Impressions, die Upjers damit im Mai erzielte, standen für fast 13 Prozent aller durch Online-Kampagnen der Spieleindustrie erzielten Impressions in dem Monat. Die Plarium Group kam dagegen auf 308 Millionen Impressions – ein Anteil von 5,6 Prozent. Im Juli sah es ähnlich aus: Upjers´ über 478 Millionen Impressions entsprachen 11,2 Prozent aller Impressions der Gaming-Branche, die Plarium Group erzielte 244,8 Millionen Impressions, ein Anteil von 5,7 Prozent.

 

Schlacht ohne Sieger

Die Online-Werbekampagnen der Spieleindustrie – eine Schlacht ohne Sieger, doch der Kampf um die Aufmerksamkeit der deutschen Gamer geht weiter. Die deutschen Entwickler müssen sich dabei nicht nur mit Unternehmen wie Ubisoft aus Frankreich, EA aus den USA oder der ukrainischen Wargaming Company auseinandersetzen. Auch viele neue Titel aus asiatischen Ländern drängen auf den Markt. Laut der Studie von Newzoo geben deutsche Spieler, die bereit sind für ihr Game-Erlebnis zu bezahlen, über 190 US-Dollar im Jahr aus. Für diese Trophäe zieht die Spieleindustrie immer wieder aufs Neue in die Online-Arena.


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