Kommentar:
Welche Imagekampagne Dresden jetzt bräuchte

Pegida ist für Dresden längst zur Geißel geworden. Die ausländerfeindlichen Proteste schaden dem Tourismus sowie dem Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. W&V-Online-Redakteur Markus Weber über Wege, wie das Image der Stadt wieder korrigiert werden kann.

Text: Markus Weber

Pegida ist für Dresden längst zur Geißel geworden. Die Massenproteste wirken sich bereits auf den Tourismus aus. Die örtlichen Unternehmen sind alarmiert und in Sorge um den Wirtschaftsstandort, an der Technischen Universität wandern auf Grund der Ereignisse die ersten ausländischen Forscher ab. Der Imageschaden, den die seit Monaten andauernden Pegida-Märsche für die sächsische Landeshauptstadt weltweit angerichtet haben, ist enorm.

Um noch größeren Schaden zu verhindern, muss die Stadt reagieren. Sie wird über kurz oder lang auch nicht um eine große Imagekampagne herumkommen, die das schiefe Bild wieder geraderückt. Denn rund um den Globus berichten die Medien über die ausländerfeindlichen Proteste. Die Schlagzeilen sind verheerend. Der "Guardian" etwa schrieb über die "Nadelstreifen-Nazis" in der Sachsen-Metropole. Und - ganz besonders schädlich für Dresden: Die meisten internationalen Beobachter sprechen von einem regionalen Phänomen.

Die Stadt muss reagieren. Und dabei möglichst das Richtige tun. Das Wichtigste ist bereits ohne ihr Zutun geschehen. Pegida hat sich in zwei Teile aufgespalten. Für die Stadt wird sich das noch als wahrer Segen erweisen. Denn: Viel zu viele Menschen haben offenbar viel zu lange nicht gemerkt oder nicht wahrhaben wollen, mit welch' finsteren Gestalten sie da jeden Montag Seite an Seite marschieren. Künftig protestieren Rechtsradikale und Rechtspopulisten wenigstens getrennt voneinander. Rechtspopulisten gibt es schließlich überall in Europa. Dresdens enormer Imageschaden rührt aber daher, dass durch die ausländerfeindlichen Massenmärsche (und das von lokalen Honoratioren immer wieder zur Schau gestellte Verständnis hierfür) der Eindruck entstand, nationalistisches Gedankengut wäre in der Stadt mehrheitsfähig.

Um diesem Eindruck entgegenzuwirken, müssen die Verantwortlichen der Stadt mit den Bürgern in einen intensiven Dialog treten. Die Stadt muss versuchen, den Leuten ihre Angst zu nehmen. Und eines klar machen: Ja, es gibt Regionen in der Welt mit einem äußerst geringen Ausländeranteil, wie zum Beispiel Albanien, Nordkorea oder viele Landstriche Sibiriens. Alle diese Regionen haben allerdings eins gemeinsam: Es gibt hier überall null Wohlstand und auch sonst ist das Leben dort eher unlustig. Als Einwohner und Teil einer Stadt - zumal einer so schönen Stadt wie Dresden - gibt es allen Grund, stolz zu sein auf die Anziehungskraft, die von der Stadt ausgeht. Mit einer solchen Argumentation werden Probleme nicht unter den Teppich gekehrt, aber möglicherweise im einen oder anderen Fall eine bislang sehr starre Haltung ein Stück weit verändert.

Sobald dies gelungen ist, wäre dann die Zeit für eine große Imageoffensive: Dresden als eine Stadt, die erfolgreich den Anfängen gewehrt hat und in der dann auch endlich wieder alle Menschen abends gern spazieren gehen. Über den Theaterplatz, über den Neumarkt oder an der schönen Elbe entlang - ganz gleich, an welchem Wochentag.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.


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