Trusted-Shops-Studie :
Warum Apple bei Trusted Shops durchfallen würde

Die Online-Shops vieler großer Markenartikler würden mit Pauken und Trompeten durch die Trusted-Shops-Prüfung rauschen. Das zeigt eine Analyse des Gütesiegelanbieters im Auftrag von W&V.

Text: W&V Redaktion

Apple-Store in Hamburg: Offline verkauft das Unternehmen weniger glamourös.
Apple-Store in Hamburg: Offline verkauft das Unternehmen weniger glamourös.

Die Online-Shops vieler großer Markenartikler würden mit Pauken und Trompeten durch die Trusted-Shops-Prüfung rauschen. Das zeigt eine Analyse des Gütesiegelanbieters im Auftrag von W&V. In einer stichprobenartiken Aktion wurden die Shops von Adidas, Apple, Hugo Boss, Samsung und Volkswagen von den Prüfern genau in die Mangel genommen.

Mit weitem Abstand am schlechtesten schnitt der Online-Shop von Apple ab. Das fängt schon einmal damit an, dass es dem iPhone-Hersteller offenbar völlig egal ist, dass es laut deutschem Recht in jedem Shop ein Impressum oder eine Anbieterkennzeichnung geben muss, die auch entsprechend eindeutig gekennzeichnet ist.

Doch während Apple bei der Veröffentlichung eigener Daten ausgesprochen geizig ist, geht er mit den anvertrauten Kundendaten offenbar ausgesprochen großzügig um. In der Datenschutzerklärung heißt es: "Gelegentlich kann Apple bestimmte personenbezogene Daten an strategische Partner weitergeben, die mit Apple zusammenarbeiten, um Produkte und Dienste zur Verfügung zu stellen, oder die Apple beim Marketing gegenüber Kunden helfen."

Trusted Shops urteilt: Unzulässig! Wer außerhalb der Vertragsabwicklung Kundendaten weitergibt, muss sich dazu die ausdrückliche Einwilligung des Kunden unter Angabe von Empfänger und Zweck der Weitergabe einholen.

Schwerwiegende Fehler im Apple-Shop

Auch dass Apple gegebenenfalls die IP-Adresse des Kunden zusammen mit dessen Bestelldaten speichert, über das Webanalyse-Tools Omniture Analytics Daten erhebt oder Bonitätsprüfungen durchführt, ist ohne die ausdrückliche Einwilligung nicht ohne Weiteres gesetzeskonform. Die Umsetzung der Verbraucherrechtlinie mit gesetzlicher Musterwiderrufsbelehrung ist am Apple-Shop bislang ebenfalls ergebnislos vorbeigezogen.

Im aktuellen Widerrufsrecht fanden die Trusted-Shops-Prüfer schwerwiegende Fehler - angefangen von der Bezeichnung "Rückgaberecht"  bis hin zu unzulässigen Einschränkungen von Retouren. So nimmt Apple beispielsweise Produkte nur in Originalverpackung mit Originalquittung zurück. Dies stellt allerdings keine zwingende Voraussetzung zur wirksamen Ausübung des Widerrufsrechts dar. Auch dass die Apple Watch der Edition Kollektion nur zurückgegeben werden kann, wenn sie von einer Außenstelle von Apple geprüft und für unbeschädigt befunden wurde, ist rechtlich nicht zulässig.

Auf den Produktdetailseiten monierten die Trusted-Shops-Tester, dass Apple auf den vorgeschriebenen Hinweis "inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten" direkt bei jeder Preisangabe verzichtet. Auch konkrete Lieferfristen suchten die Tester vergeblich. Außerdem fehlt der Hinweis auf zusätzlich anfallende Versandkosten mit der Versandkostenaufstellung. Fazit: Von allen Kriterien, die Trusted Shops bei der Vergabe seines Gütesiegels berücksichtigt, hat Apple nur 20 Prozent erfüllt.

Samsung patzt beim "Kaufen"-Button

Zweitschlechtester Shop im Test wurde Samsung. Hier werden nur 40 Prozent der Kriterien für ein Trusted-Shops-Gütesiegel erfüllt. Auch bei dem Hersteller fanden die Tester Mängel in der Datenschutzerklärung, fehlende Hinweise auf Abmeldemöglichkeiten von E-Mail-Werbung, keine Informationen über den Einsatz von Webanalyse-Tools, Fehler im Widerrufsrecht sowie fehlende Hinweise auf Mehrwertsteuer, Versandkosten und korrekte Lieferfristen. Nettester Fehler im Test: Der Bestellbutton im Samsung-Webshop ist unzulässig bezeichnet. Statt "Jetzt bezahlen" müsste Samsung Formulierungen wie "Kostenpflichtig bestellen" oder "Kaufen" verwenden.

Der Online-Lifestyle-Shop von Volkswagen ist auf dem Weg zum Trusted-Shops-Gütesiegel schon eine Etappe weiter. Hier muss nur noch bei 40 Prozent der Kriterien nachgebessert werden. Den größten Handlungsbedarf sahen die Tester im Bereich Lieferung und Zahlung. Auch im VW-Shop fehlten beispielsweise Hinweise auf konkrete Lieferfristen oder Links mit Informationen zu Liefergebiet des Shops.

Am besten im Test schnitten Hugo Boss und Adidas ab. Beide erfüllen 80 Prozent der Testkriterien. Kleinere Mängel finden sich auch bei den beiden Versendern in den Punkten Datenschutz, Widerruf und Lieferung und Zahlung.


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W&V Redaktion
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