Pharmabranche:
Social Media als Frühwarnsystem bei Depressionen

Jeder dritte Deutsche ist überzeugt: Soziale Netzwerke sind eine Chance zum Erkennen psychischer Erkrankungen.

Text: Julia Gundelach

Wer genau hinschaut, kann in Posts bei Facebook & Co. vielleicht eine Erkrankung erkennen.
Wer genau hinschaut, kann in Posts bei Facebook & Co. vielleicht eine Erkrankung erkennen.

Soziale Medien können ein Frühwarnsystem für psychische Krankheiten wie Depressionen sein. Wie eine neue Untersuchung des Branchenverbandes Bitkom zeigt, ist jeder dritte Bundesbürger (36 Prozent) davon überzeugt, Einträge bei Facebook & Co. könnten eine Chance zum Erkennen oder Vorhersagen depressiver Anzeichen sein. So könnte es Hinweise darauf geben, ob eine Person in nächster Zeit an einer psychischen Krankheit wie Depression erkrankt. Dabei geht es etwa um die Worte, die die Nutzer in ihren Posts verwenden, aber auch um Farben und Motive der Fotos. Forscher bilden aus diesen Daten Indizes, die erkennen können, ob sich bei einer Person eine psychologische Krise andeutet.

„Depressive Erkrankungen lassen sich gut behandeln – allerdings bleiben sie auch häufig unerkannt“, sagt Ariane Schenk, Bitkom-Referentin für Health & Pharma. „Die Auswertung von Social-Media-Posts kann, sofern ein Nutzer damit einverstanden ist, einen ersten Schritt darstellen, psychologische Krisen vorherzu-sagen oder zu erkennen.“ Diesen Nutzen sehen aber längst noch nicht alle Befragten: 59 Prozent schätzen ein solches Frühwarnsystem als Risiko bzw. eher als Risiko ein.

Potenzial sieht wiederum jeder dritte Befragte in Online-Programmen für Menschen mit psychischen Problemen oder Erkrankungen wie Burnout. Einige Krankenkassen bieten solche digitalen Programme an, mit denen reguläre Behandlungen beim Psychologen oder Psychotherapeuten ergänzt oder die Wartezeiten dafür überbrückt werden können. 34 Prozent sagen, sie würden solche Online-Programme nutzen.