Energiewirtschaft:
So greift Tesla den deutschen Strommarkt an

Ab sofort bietet Tesla in Deutschland nicht nur stylische Elektroautos, sondern auch den passenden Öko-Strom dazu an. Künstliche Intelligenz soll dabei helfen, den hiesigen Strommarkt aufzumischen.

Text: Anja von Fraunberg

Tesla bietet deutschen Kund:innen ab sofort auch seinen eigenen Stromtarif an.
Tesla bietet deutschen Kund:innen ab sofort auch seinen eigenen Stromtarif an.

Die Idee liegt durchaus nahe: Warum nicht zu den Elektrofahrzeugen auch gleich den passenden Öko-Strom liefern? Mit diesem Geschäftsmodell will Tesla nun offenbar in Deutschland durchstarten. Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, bietet der US-amerikanische Elektroauto-Pionier seit heute in Kooperation mit dem britischen Strom-Startup Octopus Energy einen deutschlandweiten Stromtarif an.

Was Tesla-Chef Elon Musk dabei anders als die etablierten Energieversorger machen will: Er setzt auf Dezentralität und flexible Tarife und will vor allem den Weg für ein sauberes, digitalisiertes Energiesystem ebnen. "Wir werden den Regulierern zeigen, was jetzt schon möglich ist", zitiert der Spiegel Octopus-Chef Andrew Mack. "Damit sich am deutschen Strommarkt endlich etwas bewegt."

Wobei das dahinterstehende Konzept zunächst kaum revolutionär klingt: Tesla und Octopus reichen ihren Ökostrom zum Einkaufspreis an die Kund:innen weiter, plus der Grundgebühr des jeweiligen Netzbetreibers und einer monatlichen Pauschale von drei Euro. Anscheinend ist Tesla mit dem Verlauf der seit Ende März in Baden-Württemberg und seit Mitte Juli in Bayern durchgeführten Tests zufrieden, auch wenn die Stimmen in den Tesla-Foren dazu nicht immer positiv waren. Der Tarif ist vorerst den Besitzer:innen einer Solaranlage und einer so genannten Powerwall vorbehalten. Dabei handelt es sich um Teslas eigenen Batteriespeicher für zuhause, der zu Preisen ab 9600 Euro erhältlich ist.

Mit KI die Strompreise drücken

Noch ist Teslas Tarif im Vergleich zu anderen Anbietern recht teuer - doch Musk und sein Partner Octopus haben bereits Ideen, wie sie die Preise am deutschen Strommarkt künftig drücken können: Zum einen soll Teslas "Autobidder"-Software die Powerwalls der Kund:innen zu virtuellen Kraftwerken zusammenschließen. Die Kund:innen treten dafür die Hoheit über ihren heimischen Stromspeicher teils an Tesla ab. Wird am Regelenergiemarkt der Strom mal knapp, darf Tesla einen Teil des Stroms aus den Powerwalls ins öffentliche Netz speisen, wobei die Kund:innen an den Einnahmen beteiligt werden.

Zum anderen setzen die beiden Partner künftig auf flexible Strompreise, die stündlich aktualisiert werden. Möglich macht das Octopus' künstliche Intelligenz namnes "Kraken", eine Technologie-Plattform für intelligentes Energiemanagement: Diese überwacht in Echtzeit, wie viel Elektrizität im Markt gerade produziert und verbraucht wird und wie sich entsprechend die Preise entwickeln.

In anderen Ländern wie Australien und England ist Tesla bereits in den Strommarkt eingestiegen. Dort lehrt der E-Autobauer die klassischen Energieversorger mit aggressiv bepreisten Kombi-Angeboten aus Kauf- und Leasingverträgen für Elektroautos mit Powerwall, Solaranlagen und Stromverträgen das Fürchten.


Alle Specials