Kaufverhalten:
The Art of Shopping oder Wie Ebay versucht, das Unterbewusstsein zu stimulieren

In einer temporären Kunstgalerie misst Ebay die Gehirnströme der Besucher und stellt eine Produktliste zusammen, die deren geheime Wünsche zeigen soll. Willkommen in der Zukunft des Online-Shoppings!

Text: W&V Redaktion

Hund und Kreise: Das EEG-Band misst Gehirnströme und Ebay konstruiert daraus eine Wunschliste.
Hund und Kreise: Das EEG-Band misst Gehirnströme und Ebay konstruiert daraus eine Wunschliste.

Woran denken wir, wenn wir einkaufen? An die Einkaufsliste natürlich, werden Sie jetzt wahrscheinlich leicht verärgert denken. Was soll die Frage? Aber was, wenn wir uns ziellos durch eine Shopping Mall treiben lassen, auf der Suche nach nichts, in der Hoffnung auf die Überraschung, an die wir nie gedacht haben? Laut Ebay lassen wir uns jetzt entweder von den Entscheidungen anderer beeinflussen und folgen damit den gerade aktuellen gesellschaftlichen Trends – oder wir treffen ganz persönliche Entscheidungen, basierend auf unserer Ein- und Umgebung.

shop-y-cats vs. inspirierte Käufer

Das Online-Kaufhaus bevorzugt ganz klar letzteren Typus, den inspirierten Käufer nennt es ihn. Seine Antipoden sind in der Terminologie von Ebay die "shop-y-cats", angelehnt an das Wort "copycats", also diejenigen, die vor allem das kaufen, was andere vor ihnen bereits massenhaft erstanden haben. 

Um herauszufinden, wie Käufer denken, die sich von dem vorhandenen Produktangebot inspirieren lassen, anstatt einfach nach schon Bekanntem zu suchen, hat Ebay eine temporäre Galerie in London eröffnet. Entwickelt in Zusammenarbeit mit der Internet-Galerie Saatchi Art und der Elektronikfirma Myndplay, konfrontierte The Art of Shopping die Besucher mit Werken junger Künstler, während ein EEG-Band deren Gehirnströme aufzeichnete. Nach dem Eintritt in die Galerie wurde den Testpersonen Headsets aufgesetzt, wonach sie erst einmal ein paar Spielsituationen auf einem Computer durchgingen, um dann in zwei Räume voller Kunstwerke geführt zu werden. Die Aufgabe: ihre zehn Lieblingswerke auswählen und sich dann mindestens 20 Sekunden lang davor stellen.

Wunschliste aus dem Unterbewusstsein 

Am Ende erhielten die Besucher eine persönliche Auswertung ihrer Reaktionen: welche Werke die stärksten Reaktionen bei ihnen hervorgerufen haben – und welche Produkte diesen zugeordnet wurden. Zu sehen bekamen sie diesen in einem digitalen Einkaufskorb. Der Algorithmus, der eine Verbindung zwischen dem Gefühlsleben von Verbrauchern und Kunstwerken herstellt, wurde von Verhaltenspsychologen entwickelt. Er stellt das Unterbewusstsein als kaufentscheidend heraus und soll bald auch in Deutschland zum Einsatz kommen.

eBay Demonstrates the Art of Colorful Shopping from eBay Newsroom on Vimeo.

Ziel ist es, die "shop-y-cats", zu denen laut Ebay fast jeder zweite Brite gehört, zu einem individuelleren Einkaufsverhalten zu verführen. The Art of Shopping war der erste Schritt dazu: Indem den Besuchern eine Produktliste gezeigt wurde, die letztlich durch die Ansicht der Kunstwerke erzeugt wurde, sollten sie ihre wahren Bedürfnisse kennen lernen.

Rob Hattrell, Vice President Ebay Großbritannien, sagte: "Ebay ermutigt Verbraucher das Langweilige und Beige zurückzuweisen und wie jeder andere einzukaufen. Stattdessen möchten wir, dass Verbraucher mutiger werden und ihrer Individualität Ausdruck verleihen."


Autor:

W&V Redaktion
W&V Redaktion

Nicht alle W&V-Artikel erscheinen unter dem Namen eines einzelnen Autors. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Artikel mit „W&V-Redaktion“ gekennzeichnet sind. Zum Beispiel, wenn mehrere Autoren daran mitgearbeitet haben oder wenn es sich um einen rein nachrichtlichen Text ohne zusätzliche Informationen handelt. Wie auch immer: Die redaktionellen Standards von W&V gelten für jeden einzelnen Artikel.


Alle Specials