Beobachter sagen: Der A14 und der A15 hätten einen so großen Vorsprung vor der Konkurrenz, dass Apple seine eigene Prozessoren nicht mehr untereinander vergleichen müsse, sondern sie lieber mit der etwa zwei Jahre zurückliegenden Konkurrenz vergleichen könne. Der Markt zeigt: Vieles ist beim Thema Chip nahezu ausgereizt. Die Leistungssteigerungen sind von Jahr zu Jahr nicht mehr soooo schwindelerregend groß. Das dürfte auch für den A16 in 2022 gelten.  

Andererseits: Apple könnte bei seinen Chips in diesem Jahr weitreichendere Pläne gehabt haben, wurde aber womöglich zurückgeworfen. Dafür spricht z.B., dass bei der Apple Watch 7 völlig überraschend der gleiche Chip wie bei der Apple Watch 6 zum Einsatz kommt. Und auffällig: Die Chip-Sparte von Apple steht unter Druck, da viele talentierte Chip-Designer das Unternehmen verlassen haben. Das könnte die Pläne für ein größeres Architektur-Upgrade verzögert haben. Unter anderem türmte Chipdesigners Gerard Williams und gründete mit zwei anderen Apple-Ex-Mitarbeitern das Chip-Unternehmen Nuvia. Inzwischen hat Konkurrent Qualcomm Nuvia für 1,4 Milliarden Dollar aufgekauft. Apple verklagte Williams. Der Vorwurf: Verrat von Geschäftsgeheimnissen.

Nicht das einzige Problem: Viele Chipdesigner von Apple zog es zuletzt zu dem Startup Rivos, dieses Unternehmen arbeitet an einem hochleistungsfähigen RISC-V-CPU-Design. Der Wettbewerb um die besten Chipdesigner ist also längst eröffnet. Und Apple muss seinen etwa zweijährigen Vorsprung jetzt mit aller Macht verteidigen, um den kommenden A16 auch weiterhin als "besten Smartphone-Chip der Welt" vermarkten zu können.

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Autor: Michael Gronau

ist Autor bei W&V. Der studierte Germanist interessiert sich besonders für die großen Tech-Firmen Apple, Google, Amazon, Samsung und Facebook. Er reist oft in die USA, nimmt regelmäßig an Keynotes und Events teil, beobachtet aber auch täglich die Berliner Start-up-Szene und ist unser Gadget- und App-Spezialist. Zur Entspannung hört er Musik von Steely Dan und schaut Fußballspiele seines Heimatvereins Wuppertaler SV.