Kurz gesagt: Facebook muss kommunizieren lernen. Wie wäre es, wenn Facebook endlich auf kritische Fragen von Journalisten antworten würde? Oder wenn man bei Verstößen gegen den Jugendschutz, Stalking und Mobbing auf der Plattform einen Ansprechpartner aus Fleisch und Blut hätte, der feinfühlig mit Opfern umgehen könnte?

Wir müssen aber gar nicht die zugegeben seltenen Einzelfälle beleuchten. Jedes mittelständische Unternehmen, jeder kleinere Organisation, die die Möglichkeiten von Facebook nutzen möchte und sich professionelle Unterstützung nicht leisten kann, steht vor einem Buch mit sieben Siegeln. Was machen, wenn der ehemalige Mitarbeiter die Facebook-Seite gekapert hat? Mit wem sprechen, wenn man eine Frage zur Facebook-Werbung hat?

Auch Facebook braucht den Menschen als Botschafter. Der Mensch, der telefoniert, besucht und berät. Facebook braucht Transparenz für die Öffentlichkeit. Und wo sind glaubwürdige, nachvollziehbare Informationen zu den Werbeformaten, zu den Targeting-Möglichkeiten und zu den Kosten für Werbetreibende? Wo bleiben die Menschen, die Facebook finanzieren?

Andere Unternehmen organisieren effizient ihren Kundenservice, ihr Marketing und ihre Öffentlichkeitsarbeit über Facebook. Und Facebook: schweigt. Das Social Network Facebook verliert mit diesem asozialen Gehabe zunehmend Vertrauen. Zum Glück verliert Facebook aber auch Geld damit, wenn Menschen eben keine Werbung schalten. Oder wenn sie Facebook enttäuscht verlassen und kein Klickvieh für Werbung mehr sein wollen.

Darin steckt Hoffnung: Mark Zuckerberg und sein Unternehmen wissen auf jeden Fall, dass Geld verdienen eine wichtige Sache ist. Sie sehen auch, dass Facebook nicht mehr bei allen cool ist und neue Wettbewerber in den Startlöchern stehen. Auch wenn Kommunikation und Kundenservice erstmal Geld kosten: Richtig eingesetzt kann das Social Network damit noch mehr Geld verdienen.



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Autor: W&V Redaktion

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