Thomas Knüwer meldete sich am 2. Juli 2007 bei Facebook an, als er noch für das "Handelsblatt" arbeitete. Da gehörte zum "Pflichtprogramm, Web-Dienste auszutesten", so der heutige Berater. Zunächst schaute er sich allerdings mit einem pseudonymisierten Account auf Facebook um, erst im Sommer 2007 loggte er sich mit seinem richtigen Namen ein. Hat er Facebook damals noch anders genutzt als heute? 

"In den ersten zwei bis drei Jahren war Facebook noch ein Treffpunkt der Digital-Affinen. Heute dagegen ist es für mich vor allem ein Ort, um Kontakt zu den gerade weniger Digitalen zu halten: Schulfreunden, Studienkollegen und anderen, die nicht so netzverrückt sind. Letztere treffe ich vor allem auf zwei Wegen auf Facebook: einerseits über den Messenger, andererseits in den Gruppen. Der Newsstream ist für mich aber vor allem interessant, um zu erfahren, was bei den analogeren Bekannten los ist. 

Was viele nicht mehr erinnern: Es gab bei Facebook lange keinen Messenger und auch erst 2010 waren die Direktnachrichten sauber nutzbar. Ab diesem Punkt wandelte sich Facebook zu einer zweigeteilten Plattform: Status Updates wurden zur breiten Information, der Messenger zur 1:1-Kommunikation. Seit der Gründung von kpunktnull hat der Messenger noch an Bedeutung gewonnen: Viele Kunden, sogar in Großkonzernen, melden sich über den Facebook Messenger in dienstlichen Angelegenheiten bei mir."

Spiegel-Online-Chefin Katharina Borchert kannte 2007 Facebook zwar schon seit etwa anderthalb Jahre "vom Über-die-Schulter-Gucken bei amerikanischen Freunden". Mitglied wurde sie aber erst am 6. August 2007, als sich auch immer mehr Leute aus ihrem Umfeld bei Facebook anmeldeten."Ich teile heute viel mehr Medieninhalte als damals, weil das so viel komfortabler geworden ist. Und ich kommuniziere viel mehr in geschlossenen Gruppen, die ich als wirklich wertvoll empfinde. Aber die Art meiner Postings, die Mischung aus Persönlichem und Beruflichem, ist gleich geblieben.Was sich geändert hat: Man bricht heute eher mal mit dem Klarnamenzwang, es werden mehr Medieninhalte geteilt, Markenpräsenzen sind nicht mehr wegzudenken, Erregungswellen schlagen schneller und höher aus als früher. Facebook ist in vielerlei Hinsicht von einer privaten Kommunikationsplattform zu einem professionellen Instrument geworden."

Mirko Kaminski ist seit dem 26. März 2009 dabei, also seit fast fünf Jahren. Der Gründer und CEO von Achtung nutzte das Netzwerk damals, um über den Relaunch der Agentur-Website zu informieren. Wie er überhaupt auf Facebook aufmerksam wurde? "Bastian Scherbeck – heute Geschäftsführer der Agentur We are social – hatte bei uns als Praktikant begonnen und erhielt dann irgendwann den Auftrag, mal dieses ominöse Social Media bei uns aufzubauen", erinnert sich Kaminski an die Pionierzeit. "Er lag mir lange mit Twitter und Facebook in den Ohren. Irgendwann bin ich da dann rein. Schlicht, um endlich von Basti in Ruhe gelassen zu werden. Und dann hat es mich gepackt". Anfangs habe er mit "allerhand Euphorie viel gepostet". Heute macht er "weniger und denke lieber einmal mehr nach". Facebook ist für Kaminski aber nur ein Element von vielen. Der Achtung-Chef hat im Social Web mittlerweile echte Rampensau-Qualitäten entwickelt und nutzt auch Pinterest, Youtube, Instagram, Google+ und Twitter. Sein Video-Blog "Auf ein Wort vorm Regal" ist legendär. Eines hat sich für Kaminski in den vergangenen fünf Jahren aber nicht geändert: "Ich zeige niemals mein Zuhause oder meine Familie".

Amir Kassaei, weltweiter Kreativchef von DDB, "weiß es nicht genau", wie lange er schon auf Facebook ist und schätzt "fünf oder sechs Jahre". Seine Profilseite weist den 1. Juni 2012 als Beitrittsdatum aus. "Mein Nutzungsverhalten wird nicht repräsentativ sein, weil ich Facebook sporadisch und selektiert nutze", sagt er. Die Diskussionskultur und die Bedeutung von Likes hält Kassaei für "immer noch überschätzt". Das Potenzial von Facebook als "soziale Infrastruktur" sei aber "nicht mal im Ansatz ausgeschöpft". (fm/fz)



Franziska Mozart
Autor: Franziska Mozart

arbeitet als freie Journalistin für die W&V. Sie hat hier angefangen im Digital-Ressort, als es so etwas noch gab, weil Digital eigenständig gedacht wurde. Heute, wo irgendwie jedes Thema eine digitale Komponente hat, interessiert sie sich für neue Technologien und wie diese in ein Gesamtkonzept passen.