... und durch die enorme Masse an Inhalten?

Auch, aber das knappe Gut sind nicht mehr die Inhalte, sondern die Plattformen mit möglichst großen Vernetzungsmöglichkeiten - wie man mit der Übernahme von Instagram für eine Milliarde Dollar durch Facebook deutlich vor Augen geführt bekam. Dieser Schritt von reinen Inhaltsanbietern zu Vernetzungsplattformen ist für uns Medienleute offensichtlich sehr schwer zu gehen.

Welche Ängste offenbaren sich in dieser Debatte? Sind sie denn nicht teilweise auch gerechtfertigt?

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Und ich glaube, viele haben nicht nur Angst, dass ihr Geschäftsmodell sich ändern könnte und sie dadurch einen Nachteil erleiden. Ich glaube vielmehr, dass es die großen, politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen sind, die viele von uns am Horizont erkennen. Rückkoppelnde, selbsterregende und hochvernetzte Systeme, wie wir sie in den Social Media haben in ihrer Unberechenbarkeit durchaus etwas erhabenes. Ich denke, es ist richtig, bei Entscheidungen einen kühlen Kopf zu bewahren aber gleichzeitig flexibel genug zu bleiben, um auf die Veränderungen reagieren zu können.

In der Online-Werbung hätten die Medienunternehmen es nicht verstanden, lukrative Werbemittel zu entwickeln – so ein weiterer Vorwurf von Ihnen. Aber wäre es nicht auch die Aufgabe einer Mediaagentur, die Entwicklung hier voranzutreiben?

Mein Vorwurf richtet sich gegen die Einstellung vieler Häuser, einfach das klassische Verlagsmodell ins Internet zu kippen und sich dann zu wundern, dass die Rechnung nicht auf geht.

Sie haben sich in ihrem Blog sehr deutlich und verärgert über die Aktion geäußert, haben sie irgendwelche Reaktionen erhalten?

Die meisten Leute, mit denen ich gesprochen habe, denken - so scheint mir - tatsächlich eher so wie ich. Sehr viele sind erwartungsvoll, was die Veränderungen betrifft. Einige haben verständnislos reagiert und mir die Halbwahrheiten über die angebliche Abschaffung des Urheberrechts vorgehalten, wie sie im "Handelsblatt" verbreitet wurden. Ich allerdings bin überzeugt, dass es völlig egal ist, welche Meinung der eine oder andere in unsere Branche vertritt - die Entwicklung ist schon so weit, dass wir sie nicht mehr aufhalten werden - wir können also unsere Zukunft mitgestalten, oder zusehen, wie andere das für uns machen.



Franziska Mozart
Autor: Franziska Mozart

arbeitet als freie Journalistin für die W&V. Sie hat hier angefangen im Digital-Ressort, als es so etwas noch gab, weil Digital eigenständig gedacht wurde. Heute, wo irgendwie jedes Thema eine digitale Komponente hat, interessiert sie sich für neue Technologien und wie diese in ein Gesamtkonzept passen.