Allein auf dem Urlaubsbewertungsportal HolidayCheck werden pro Jahr 1,3 Millionen Bewertungen abgegeben. "Zehn bis fünfzehn Prozent davon werden aussortiert. Aber nicht nur, weil sie gefälscht sind, sondern auch wegen fehlerhafter E-Mail-Adressen, rassistischer oder beleidigender Äußerungen", sagt Georg Ziegler, Director Brand, Content & Community bei HolidayCheck. Bei dieser Kontrolle arbeiten Mensch und Maschine zusammen: Ein Algorithmus prüft die Bewertungen. Identifiziert dieser einen Fake, wird dieser an geschulte Mitarbeiter weitergeleitet, die den Fall eingehend prüfen.

"Man weiß nicht, wieviel gefälscht ist"

Auch Portale wie Kununu und Jameda nutzen diese technischen Möglichkeiten, um Fälschern auf die Schliche zu kommen. Neben der Prüfung einer validen E-Mail-Adresse sowie einer SMS-Verifizierung wird eine semantische Analyse durchgeführt. Außerdem werden Cookies, IP-Adresse und Auffälligkeiten bei Mehrfach-Bewertungen gecheckt. Und der Algorithmus wird stetig schlauer: "Alles was erkannt wird, geht nochmal in die manuelle Kontrolle", sagt Sara Müller, Geschäftsführerin der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu. "Darauf basierend lernt der Algorithmus und bezieht beim nächsten Mal diese Entscheidung mit ein." Bei Kununu sitzen 15 Leute in der Qualitätskontrolle – und lesen jede Woche um die 10.000 Bewertungen.

Und wie wird mit identifizierten Fälschungen umgegangen? Florian Weiß, Geschäftsführer des Ärzte-Bewertungsportals Jameda, ist vor allem Transparenz gegenüber dem Verbraucher wichtig: "Bei uns wird ein Hinweis auf der Website veröffentlicht, wenn es Beweise dafür gibt, dass die Bewertung gefälscht ist." Auch rechtliche Schritte in Form von Abmahnungen und Unterlassungserklärungen seien möglich. Ein Tropfen auf den heißen Stein? Vielleicht. "Am Ende ist es eine Frage des Vertrauens", sagt Verbraucherschützerin Halm. "Letztendlich weiß man einfach nicht, wieviel gefälscht ist. Versuche von einzelnen ambitionierten Unternehmen werden jedoch nicht ausreichen, um das Problem zu lösen."


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Autor: Alessa Kästner

ist Absolventin der Burda Journalistenschule und volontierte beim Playboy. Die gebürtige Münchnerin schrieb für Magazine wie ELLE, Focus oder Freundin und schnupperte im Anschluss noch ein wenig Agenturluft bei Fischer Appelt. Ihre Kernthemen als W&V-Redakteurin: Digital Lifestyle, New Work und Social Media.