Insgesamt wird Zalando in dem Beitrag als Arbeitgeber dargestellt, bei dem ein großer Druck herrscht, der sich auch negativ auf die Gesundheit der Mitarbeiter auswirke. Um das zu unterstreichen, kommt ein anonymer Rettungssanitäter zu Wort, der über die häufigen Einsätze bei dem Zalando-Lager spricht. Auch ein Todesfall aus dem vergangenen Jahr wird zitiert. Ein Mitarbeiter soll auf der Toilette einen Herzinfarkt erlitten haben. Dabei kann bei dem Zuschauer durchaus der Eindruck entstehen, der Mitarbeiter sei in dem Logistikzentrum gestorben, wogegen sich Zalando in einer Mitteilung zu der Dokumentation zur Wehr setzt. "Tatsache ist, dass es bis zum heutigen Tag keinen einzigen Todesfall in unserem Logistikzentrum in Erfurt gab. Aufgrund des unerwarteten häuslichen Todesfalls eines unserer Mitarbeiter, haben wir selbstverständlich Anteil genommen, mit allen Kollegen eine Schweigeminute eingelegt und im Namen der Kollegen einen Kranz bei der Beerdigung niedergelegt", heißt es da. Das Unternehmen nehme die erhobenen Vorwürfe sehr ernst und werde alle Kritikpunkte gründlich und selbstkritisch prüfen. Einige Punkte will Zalando jedoch so nicht stehen lassen.

Schon in der Nacht, nachdem der Beitrag um 22.15 ausgestrahlt wurde, reagierte Zalando auf den drohenden Shitstorm und postete bei Facebook: "Puh, die Emotionen kochen ziemlich hoch, aber da müssen wir wohl durch. Unten schon einmal der Link zur Themenseite Logistik mit vielen Fakten. Ein ausführliches Statement folgt Morgen." Das ist inzwischen online mit Stellungnahmen zu den Kritikpunkten der Sendung. Darin distanziert sich Zalando unter anderem von dem Vorwurf, eine Überwachungskultur zu fördern. Der harsche Ton der Vorgesetzten sei "bedauerlich und spiegelt in keiner Weise die von uns gewollte und gelebte Unternehmenskultur wider." Diesen Einzelfällen wolle Zalando nachgehen.

In den sozialen Netzwerken entlädt sich dennoch wie gewohnt die Empörung der Nutzer. Bei Twitter hat es der Hashtag #Zalando inzwischen in die Trend-Themen geschafft und die Facebook-Seite des Händlers wird zugepflastert mit Beschimpfungen und Ankündigungen, dort nichts mehr zu bestellen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Arbeitsbedingungen bei Zalando angeprangert werden. Auch das "Handelsblatt" und der "Spiegel" haben sich mit dem Thema bereits beschäftigt.


Autor:

Franziska Mozart
Franziska Mozart

arbeitet als freie Journalistin für die W&V. Sie hat hier angefangen im Digital-Ressort, als es so etwas noch gab, weil Digital eigenständig gedacht wurde. Heute, wo irgendwie jedes Thema eine digitale Komponente hat, interessiert sie sich für neue Technologien und wie diese in ein Gesamtkonzept passen.