Cannes-Design-Jurorin Kirsten Dietz: "Ein weißer Fleck auf der Landkarte"
Kirsten Dietz betritt unbekanntes Terrain. Die Geschäftsführerin der Stuttgarter Agentur Strichpunkt wird in diesem Juni das erste Mal in ihrem Leben beruflich nach Cannes reisen - und zwar gleich als Jurorin.
Kirsten Dietz betritt unbekanntes Terrain. Die Geschäftsführerin der Stuttgarter Agentur Strichpunkt wird in diesem Juni das erste Mal in ihrem Leben beruflich nach Cannes reisen. Bisher kennt sie den Badeort an der Côte d'Azur nur vom Sonnenbaden, das Festival hat sie noch nie besucht. Dementsprechend skeptisch ist die Design-Jurorin. "Kreative, die sich selbst zu wichtig nehmen" fürchtet sie genauso wie Arbeiten, die Werbeagenturen eingereicht haben, "um das Punktekonto im Gesamtranking aufzubessern". Ihr Anspruch lautet daher, "gute und innovative Arbeiten zu finden, die einen wirklichen Designanspruch offenbaren und nicht nur ein Nebenprodukt einer Werbekampagne sind".
Dietz ist Designerin durch und durch und hat schon deshalb noch nicht so oft einen Grund gehabt, zum Werbefestival nach Cannes zu reisen. Erst seit 2008 gibt es die Kategorie Design, in diesem Jahr werden die Trophäen also erst das vierte Mal vergeben. Auch deshalb kann Dietz noch nicht auf einen gewonnenen Löwen verweisen. "Design in Cannes ist für Designer bislang eher ein weißer Fleck auf der Landkarte", sagt sie und schätzt, dass höchstens fünf Prozent der Top-Designbüros Arbeiten im Rennen haben. Einen guten Ruf beim Thema Design spricht Dietz den Deutschen allerdings nicht ab und hofft, dass auch in diesem Jahr wieder viele Löwen nach Deutschland gehen. Gleichzeitig ist sie begeistert von der Frische der asiatischen Designer.
Die Mitbegründerin der Stuttgarter Agentur Strichpunkt ist Autorin mehrerer Bücher und saß schon in vielen internationalen und nationalen Jurys. Gemeinsam mit Jochen Rädeker, dem aktuellen Vorstandssprecher des ADC, hat sie Strichpunkt 1995 gegründet. 2007 wurde die Agentur als ADC Design Agency of the Year ausgezeichnet.