
Streamingtipps:
Neues Jahr, neue Vorsätze: Filmische Neujahrsmotivation
Egal ob mit dem Rauchen aufhören, sich gesünder ernähren oder öfter ins Fitnessstudio gehen – die Selbstoptimierung nach Kalender ist meist sinnlos. Einen nachhaltigeren Motivationskick geben diese Filme und Serien.

Foto: Shelfd
Wer sein Leben zu Jahresbeginn komplett umkrempeln möchte, hat meist keinen Erfolg: Laut einer Studie der Universität von Scranton scheitern ganze 92 Prozent bei der Umsetzung ihrer Neujahrsvorsätze. Ursache dafür sind vor allem das Fehlen wirklich überzeugender persönlicher Beweggründe. Die Filme und Serien der Streamingtipps der Woche geben zwar keine Ratschläge, wie man vom Rauchen los und seiner Wunschfigur näherkommt. Denn statt um Selbstoptimierung geht es unseren Protagonist*innen um Gerechtigkeit, Selbstverwirklichung und Gleichheit.
Ihnen dabei zuzusehen, ist allerdings motivierender als jede halbherzig formulierte New Year’s Resolution es je sein könnte. Mehr Streamingtipps finden Sie im Feed auf shelfd.com. Und wenn Sie keine Highlights mehr verpassen möchten, dann holen Sie sich die Neustarts von Netflix oder Prime Video direkt in Ihren Kalender. Happy Streaming!
1. The Handmaid‘s Tale – Der Report der Magd (Staffel 1 – 3)
Bei MagentaTV verfügbar
"Desfred" (Elisabeth Moss) hieß früher June. Und "Gilead" war mal die USA. Geht es nach dem neuen totalitären Regime, gibt es beide nicht mehr. Denn als Menschen durch Atomkatastrophen und Umweltzerstörung weltweit unfruchtbar werden, strukturieren christlich-fundamentalistische Führer Amerika zu einem Gottesstaat um, der jede Abweichung von seinen religiös-patriarchalen Normen drakonisch bestraft. Frauen stehen in der neuen Hierarchie ganz unten: Fruchtbare werden zu "Mägden" gemacht und regimetreuen Ehepaaren zugeteilt, um für sie Kinder zu gebären. Unfruchtbare "Marthas" müssen in ihren Haushalten dienen. Und selbst die privilegierteren "Ehefrauen" der Kommandanten sind in ihren Rollen der hörigen, gottesfürchtigen Partnerin gefangen. Ihnen allen ist es verboten, einen Beruf auszuüben, zu lesen oder sich frei zu bewegen.
Basierend auf Margret Atwoods gleichnamigem Roman, erzählt die mittlerweile drei Staffeln umfassende Serie nicht nur von Junes Überlebenskampf – in Rückblenden werden die Anfänge des Regimes, die Schrittweise Ausweitung des Sagbaren und Aushebelung der Demokratie nachgezeichnet. Dabei gibt es bei aller Grausamkeit jedoch stets einen leisen Hoffnungsschimmer und Widerstand beginnt sich zu formieren.
2. Selma
Bei Maxdome verfügbar
1965 in Selma, Alabama: Wie an vielen anderen Orten in den Südstaaten, werden afroamerikanische Bürger von der Wählerregistrierung abgehalten. Als nach einer Demonstration vor dem örtlichen Gerichtsgebäude ein schwarzer Demonstrant von der Polizei erschossen wird, kommt es zu den berühmten Selma-Montgomery-Märschen. Rückblickend bilden sie einen Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung, der zur Durchsetzung des Wahlrechts für Schwarze führte.
Im Film legt Regisseurin Ava DuVernay ("When they see us") das Hauptaugenmerk auf Martin Luther King (David Oyelowo) und seine inneren Kämpfe, die die große Verantwortung für die Sicherheit der Demonstranten einerseits, und den Erfolg der Bewegung andererseits, mit sich bringen. Stets gilt es zwischen medienwirksamer Fortsetzung des Protests und dem Risiko weiteren Blutvergießens durch Polizeigewalt abzuwägen. In zahlreichen unterschiedlichen Kontexten – unter anderem im Zwiegespräche mit Präsident Johnson (Tom Wilkinson), in der teils stark strapazierten Beziehung zu Ehefrau Coretta (Carmen Ejogo) und der Auseinandersetzung zum gänzlich anders agierenden Aktivisten Malcolm X (Nigel Thatch) – zeichnet das Drama ein facettenreiches Bild vom Friedensnobelpreisträger Martin Luther King.
3. Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit
Bei Netflix verfügbar
Mitte der 50er studiert Ruth Bader Ginsburg (Felicity Jones) als nur eine von neun Frauen an der Harvard Law School. Obwohl sie als weibliche Studentin im männerdominierten Umfeld oftmals auf Ablehnung stößt, sich nebenbei um ihre kleine Tochter Jane (später Cailee Spaeny) und zusätzlich um die Studienarbeiten ihres an Krebs erkrankten Mannes Marty (Armie Hammer) kümmern muss, wird sie zur Jahrgangsbesten. Nachdem sie trotz herausragendem Abschluss keine Kanzlei einstellen möchte, wird sie widerwillig Professorin und beschäftigt sich fortan mit Geschlechterdiskriminierung im Recht. Doch als sie später auf einen Fall stößt, in dem ein Mann auf Grundlage seines Geschlechts benachteiligt wird, sieht sie die Stunde gekommen, einen Richtungswechsel in der Rechtsprechung zu erwirken.
Mimi Leders Filmbiographie beleuchtet damit nicht nur, wie Ginsburg einen wichtigen Präzedenzfall im Kampf gegen gesetzliche Geschlechterdiskriminierung schaffte, sondern auch die Entwicklung der nüchternen Juristin zur gefeierten Ikone als Richterin am Supreme Court der USA.
4. Der Staat gegen Fritz Bauer
Bei Netflix verfügbar
Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Burghart Klaußner) erhält den Hinweis, dass sich Adolf Eichmann (Michael Schenk), zentraler Organisator der Schoah, in Buenos Aires aufhält. Da er täglich mit Anfeindungen durch Altnazis verschiedener Behörden zu kämpfen hat, erwägt Bauer den israelischen Geheimdienst Mossad einzuschalten, anstatt Eichmann durch BKA-Mann Gebhardt (Jörg Schüttauf) und Oberstaatsanwalt Kreidler (Sebastian Blomberg) aufspüren zu lassen. In seinem Vorhaben, Eichmann als wichtigen Akteur des Nationalsozialismus in Deutschland vor Gericht zu bringen und so endlich für öffentliche Aufklärung über die Verbrechen während des „Dritten Reichs“ zu sorgen , wird er vom jungen Staatsanwalt Angermann (Ronald Zehrfeld) unterstützt. Ihre Arbeit wird jedoch durch zahlreiche Intrigen torpediert.
Mit seinem Biopic setzt Regisseur Lars Kraume dem beinahe vergessenen Fritz Bauer, der durch seinen hartnäckigen Einsatz für die strafrechtliche Verfolgung nationalsozialistischer Verbrechen letztlich die Auschwitzprozesse ermöglichte, ein längst überfälliges filmisches Denkmal.
5. The Marvelous Mrs. Maisel (Staffel 1 – 3)
Bei Prime Video verfügbar
Miriam „Midge“ Maisel (Rachel Brosnahan) lebt das unbeschwerte Leben einer wohlhabenden 50er-Jahre-Hausfrau und Mutter. Für die kleine Portion Abenteuer sorgt der wöchentliche Auftritt ihres Ehemannes Joel (Michael Zegen), eigentlich Geschäftsmann in einem Plastikunternehmen, als Stand-Up-Comedian im verruchten Gaslight Cafe im Greenwich Village. Als er sie, frustriert über einen misslungenen Auftritt, für seine Sekretärin verlässt, bricht für Midge jedoch keine Welt zusammen. Zwar ist sie gezwungen, gemeinsam mit ihren Kindern zurück zu ihren Eltern Abe und Rose Weissman (Tony Shalhoub und Marin Hinkle), zu ziehen und einen Job als Kosmetikberaterin anzunehmen. Doch durch einen skandalträchtigen Auftritt im Gaslight, wird sie von der dort arbeitenden Susie (Alex Borstein) „entdeckt“, die sie als Komikerin groß rausbringen möchte. Mit viel Humor erzählt die Serie nicht nur von Midges Emanzipation gegen alle Widerstände, sondern greift immer wieder wichtige gesellschaftliche Themen der Zeit auf.
Autorin:
Arabella Wintermayr hat Politikwissenschaft studiert und arbeitet als freie Redakteurin beim Fernsehen. Ihre Leidenschaft gilt Filmen und Serien, die sich an die großen Fragen des Lebens und der Gesellschaft trauen.