Für Investitionen in Neugeschäfte gibt Rabe jetzt ganz klare Vorgaben aus: „Sie sollten ein attraktives langfristiges Wachstumspotenzial aufweisen, global angelegt sein und von der Entwicklung der digitalen Medien profitieren. Beispiele sind hier unser erfolgreiches Musikrechte-Engagement und die neuen Aktivitäten im Bildungsbereich. Zugleich werden wir unsere Präsenz in Ländern wie Indien, China und Brasilien verstärken."

Wichtige Neuerung für den Konzern: Die Öffnung für Investoren. Bertelsmann plant daher einen Wechsel der Rechtsform von der Aktiengesellschaft in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Konkret soll aus der Bertelsmann AG eine „SE & Co. KGaA“ werden, „um die internationale Ausrichtung des Konzerns zu dokumentieren“, wie es heißt.

Durch die Änderung der Rechtsform will Rabe sich neue Geldquellen erschließen. Formal ist Bertelsmann bisher schon eine Aktiengesellschaft. In der Praxis aber übt die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH (BVG) die Stimmrechte der Bertelsmann Stiftung und der Familie Mohn als Aktionäre aus. Im Klartext hätte die Familie das letzte Wort, wenn Manager gegen ihren Willen handeln würden. Auch wenn der Konzernvorstand entscheidet: Wichtige Personalien gegen den Willen von Liz Mohn gelten als undenkbar. Das soll auch so bleiben. Gleichzeitig will Rabe aber auch in kurzer Zeit große Geldsummen am Kapitalmarkt aufnehmen können. Dieser Spagat ist möglich: Aus der Bertelsmann AG wird bis zum 30. Juni die Bertelsmann SE & Co. KGaA Es gibt dann eine klare Trennung zwischen Geschäftsführung und Vermögen. Sollten Aktionäre oder andere Kapitalgeber ins Boot geholt werden, wird für sie nur die Kommanditgesellschaft auf Aktien geöffnet. Sie werden somit an den Vermögenswerten beteiligt und verdienen am Firmenerfolg mit. Die Entscheidungen fallen aber in der Europäischen Gesellschaft SE, die vom Bertelsmann-Vorstand gesteuert wird. Der Einfluss der Familie werde somit "nicht verwässert", zitiert die Nachrichtenagentur „dpa“ Rabe. Der Vorstandsvorsitzende betont, er wisse die Familie hinter sich. "Alle Gesellschafter haben es unterstützt."

Wichtige Weichen für den Umbau im kommenden Jahrzehnt hat Rabe nach eigenen Angaben in den ersten Monaten seiner Amtszeit schon gestellt – darunter das neue Vorstandsressort für Unternehmensentwicklung und Neugeschäfte sowie die Berufung eines erweiterten Führungsgremiums mit Top-Managern aus den verschiedensten Konzernbereichen, das den Vorstand in allen Fragen der Konzernentwicklung berät. Er nennt auch den Einstieg in das schnell wachsende globale Education-Geschäft ein und den neuen Fokus von Arvato auf „wachstumsstarke Dienstleistungsgeschäfte“. Mit Anke Schäferkordt werde im April erstmals eine Frau in den Bertelsmann-Vorstand einziehen, heißt es weiter.

Zurück zum abgelaufenen Geschäftsjahr: 2011 hat Bertelsmann vor allem im werbegetriebenen Geschäft profitiert – hier steht die TV-Tochter RTL Group im Vordergrund -, in der Fernsehproduktion, vom stark wachsenden E-Book- Geschäft und im Dienstleistungsbereich. Alle Unternehmensbereiche hätten darüber hinaus Fortschritte beim Ausbau ihrer digitalen Aktivitäten erzielt. So generierte die RTL Group nach Bertelsmann-Angaben mit ihren On-Demand-Angeboten in ganz Europa rund 1,9 Milliarden Videoabrufe. Random House weitete sein E-Book-Angebot auf inzwischen fast 40.000 Titel in englischer, deutscher und spanischer Sprache aus. Zur Info: Cash-cow RTL Group steuert dem Operating EBIT der Mutter Bertelsmann 1,1 Milliarden Euro bei und liegt 2011 bei einer satten Umsatzrendite von 19,3 Prozent.


Petra Schwegler, Redakteurin
Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.