KI verändert genau das. Ein großer Teil von Recherche, Vergleich und Vorauswahl wird ausgelagert. Aus vielen kleinen Entscheidungen werden wenige kuratierte Vorschläge. Aus vielen Touchpoints wird im Extremfall in Zukunft nur noch einer. Für Marken bedeutet das: Die alte Logik, entlang einer langen Journey immer wieder sichtbar zu werden, verliert den Bezug zum realen Verhalten.

Die Consumer Journey ist nicht tot – aber sie wird kürzer, weniger linear und stärker von Empfehlungssystemen geprägt.

Marken müssen heute zwei Instanzen überzeugen

Für Marken entsteht damit eine neue Architektur der Wirkung. Sie müssen heute nicht mehr nur Menschen überzeugen, sondern auch Empfehlungssysteme.

Der Mensch bleibt natürlich die finale Entscheidungsinstanz. Auch in einer KI-vermittelten Journey kaufen Menschen keine Marke, der sie nicht vertrauen. Bekanntheit, emotionale Anschlussfähigkeit und mentale Verfügbarkeit bleiben also entscheidend – vielleicht sogar mehr denn je. Denn wenn eine KI drei Marken empfiehlt, hat die bekannte oder emotional bevorzugte Marke einen klaren Vorteil.

Gleichzeitig entscheidet sich immer häufiger schon vorher, welche Marken überhaupt in die engere Auswahl kommen. Genau hier gewinnen Systeme an Bedeutung. Marken müssen deshalb nicht nur erinnerbar, sondern auch maschinenlesbar, erklärbar und empfehlbar sein.

Was Marken in der neuen Architektur beachten müssen

In einer KI-geprägten Consumer Journey müssen Marken also in zwei Richtungen wirken: beim Menschen und im Empfehlungssystem. Dazu müssen sie vier Punkte im Blick haben.

1. Klares Markenprofil, Nutzen, Wert

Damit ein LLM eine Marke berücksichtigt, muss sie klar einzuordnen sein.
Marken brauchen ein präzises Profil: Wofür stehen wir? Welchen Nutzen bieten wir? Was macht uns relevant und unterscheidbar? Denn KI empfiehlt keine austauschbaren Marken. Wer nicht groß ist, muss wenigstens besonders ein.

2. Reichweite, Vertrauen, Emotion

Der Mensch trifft weiterhin die letzte Entscheidung. Deshalb müssen Marken durch Media  früh im Kopf verankert sein. Nach wie vor zählen hier Reichweite, Vertrauen und Emotionen. Gerade in verkürzten Journeys ist das entscheidend, weil später oft weniger oder gar keine weiteren Kontaktpunkte bleiben.

3.  Signale und Nachfrage

LLMs orientieren sich an dem digitalen Stellenwert einer Marke. Suchvolumen, Erwähnungen, Gespräche und Social Buzz sind die Signale, an denen Systeme Markenrelevanz mit ablesen. Media wird damit nicht nur zum Reichweitenhebel bei den Menschen, sondern auch zum Signalgeber für die Empfehlungssysteme.

4. Content

KI lernt nicht direkt aus Werbung, sondern aus Inhalten. Artikel, Websites, Bewertungen, Reviews, Produkttests, Creator- und Social Content bilden die Grundlage dafür, ob und wie eine Marke empfohlen wird. Wer digital nicht lesbar und belegbar ist, ist für die LLMs nicht sichtbar und relevant.

Nur Marken, die alle vier Einflussfaktoren im Blick haben, werden in der neuen Architektur der Consumer Journey erfolgreich sein.

Helen Lauff & Morten Malmbak, beide Havas Media.

Helen Lauff & Morten Malmbak, beide Havas Media.

Über die Autoren: 

Helen Lauff ist Director Business Intelligence bei Havas Media in Frankfurt am Main. Dort führt sie ein interdisziplinäres Team aus Markt- und Medienforscher:innen sowie Statistiker:innen und verantwortet die strategische Insightsberatung – von Grundlagenforschung für die Mediaplanung bis zu maßgeschneiderten Analysen rund um Märkte, Medien und Marken.

Morten Malmbak leitet seit 25 Jahren erfolgreich Neugeschäft, Strategie und Marketing der Havas Media in Deutschland. Die Agentur ist in der Zeit von Rang 15 zu einer Top 3 Agentur in Deutschland gewachsen. Mit der Erfahrung von über 1.000 Pitches zählt er zu den erfahrensten Pitch Leads in der deutschen Agenturlandschaft.


W&V Redaktion
Autor: W&V Redaktion

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