Karriere :
"Wir kommen nicht umhin, KI in den Arbeitsprozess zu integrieren"
"Die Welt der künstlichen Intelligenz entwickelt sich minütlich", sagt Corinna Kamphausen, CEO Eyes & Ears of Europe. Wie sie den Nachwuchs darauf vorbereitet - und was Deutschland von anderen Ländern lernen kann.
Frau Kamphausen, KI spielt im Bereich der Kreation von Werbemitteln eine immer größere Rolle. Wie bereiten Sie den Nachwuchs darauf vor, welche Skills muss man drauf haben?
Corinna Kamphausen: KI spielt für unsere Branchenmitglieder als Arbeitstool eine entscheidende Rolle. Wir kommen nicht umher, künstliche Intelligenzen in unseren Arbeitsprozess zu integrieren, und sie werden uns gute Dienste leisten können. Wichtig ist für uns als Verband, unsere Mitglieder und natürlich den Nachwuchs zu informieren, welche Tools es gibt und inwieweit sie unsere Arbeitsprozesse verändern werden. Wir bieten ihnen die Möglichkeit, auf dem Laufenden zu bleiben - sei es durch den KI-Schwerpunkt unserer letzten Conference und das Thema „KI in unseren Arbeitsumfeldern“ auf unserer nächsten Conference bei den Eyes & Ears oder unsere zahlreichen Academy-Angebote zum Thema. Einen unserer Dozenten, Michael Zschiesche, sagt gerne: „Shit in, shit out“. Das bedeutet: Das richtige Briefing, die richtigen Prompts und das zugrundeliegende Datenmaterial sind entscheidend. Und einen Tipp können wir dem Nachwuchs mitgeben: Bleibt am Ball, denn die Welt der künstlichen Intelligenz entwickelt sich minütlich und unaufhörlich weiter!
Wo sehen Sie die Chancen, wo die Risiken beim Einsatz von KI in der Werbung?
Der Tenor ist weitestgehend flächendeckend, dass KI den Menschen unterstützt, aber nicht ersetzt. Insbesondere die Kreativität kann durch KI nicht ersetzt werden. Es ist aber hilfreich, die entsprechenden KI-Tools zur Unterstützung bedienen zu können. Es gibt allerdings auch Arbeitsgebiete, in denen der Mensch tatsächlich ersetzt werden kann, zum Beispiel beim Einsatz der menschlichen Stimme. Im Arbeitsfeld der Synchronsprecher wird es erhebliche Verschiebungen geben. Hier ist das Persönlichkeitsrecht und das Urheberrecht ganz klar zu definieren. Wenn meine Stimme verwendet wird, und auch das Datenmaterial, anhand dessen die KI trainiert wird, muss ich darüber entscheiden können und die Verwendung bezahlt bekommen. Wie Fragen zur rechtlichen Lage und zu Kennzeichnungen von Endprodukten, die teils oder ganz mit KI erstellt wurden, in Zukunft beantwortet werden, bleibt spannend.
Von welchen Ländern in Europa kann Deutschland etwas lernen, wenn es um Kreation, strategische Planung und die Umsetzung audiovisueller Kommunikation geht?
Bevor wir uns zu unserem Netzwerk Eyes & Ears of Europe zusammengetan haben, haben wir den TV-Designer Kreations-Blick immer auf die USA gerichtet. Seit unserer Gründung 1996 und damit der Fokussierung auf Europa, haben wir viel von Großbritannien gelernt. Aber auch der deutschsprachige Raum war und ist ein starker TV- und Streaming-Markt. Es ist der kreative internationale Austausch innerhalb der europäischen Länder, mit unseren Nachbarländern Niederlande, Belgien, Frankreich, Österreich, Schweiz, aber auch mit Italien, Spanien, Ukraine, Schweden und weiteren, der zählt, uns inspiriert und weiterbringt. Dies bemerken wir immer wieder in unserer Awards Show, aus der unsere Kreativen jedes Mal mit leuchtenden Augen und voller Inspiration herauskommen. Die 26. Internationalen Eyes & Ears Awards, zu denen gerade die Einreichungsphase läuft, finden übrigens am 21. Oktober 2024 in München statt.
Eyes & Ears of Europe ist Partner der ersten Stunde der Screenforce Academy Masterclass. Was versprechen Sie sich davon?
Screenforce und uns verbindet ja bereits eine Partnerschaft, die wir mit dem neuen Angebot noch weiter vertiefen. Wir arbeiten in einem eng aneinander angrenzenden Feld, ergänzen uns sehr gut und unterstützen uns gegenseitig. Screenforce veröffentlicht als Gattungsinitiative für TV und Total Video wegweisende Studien, die im Markt sehr anerkannt sind. Ebenso inspirierend sind die Events, wie die digitalen Academies, die Expertenforen und natürlich die Screenforce Days. Wir wiederum bringen alle, die an der Promotion, also der Eigenwerbung der Sender außerhalb der Werbeinseln, in den audiovisuellen Medien arbeiten, zusammen. In der Masterclass können die Teilnehmenden von unseren Kreativen lernen, wie ein Spot beziehungsweise eine Kampagne kreativ konzipiert und produziert werden kann. Die Screenforce Masterclass ist damit eine sehr sinnvolle Erweiterung unserer Eyes & Ears Academy, in der wir Weiterbildungen anbieten wie beispielsweise „Storytelling mit der Kamera“, oder „TV goes social media“.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Bei Eyes & Ears of Europe stehen alle Aufgabenfelder, mit denen sich Kreative, Marketing- und Designverantwortliche auseinandersetzen im Vordergrund. Einer der sechs Bausteine, die bei der Screenforce Academy Masterclass angeboten werden, läuft im Herbst unter dem Titel „Content, Kreation & Werbeformen - powered by Eyes & Ears of Europe“. Wir freuen uns schon sehr darauf, die Session gemeinsam mit der Screenforce Academy und den Referierenden aus unserer Kreativbranche durchzuführen.
Die Screenforce Masterclass, ein sechs-monatiger Online Digital Kurs mit Deep Dive- Lerninhalten (Videos) und interaktiven digitalen Live-Sessions per MS Teams zum Thema Total Video, richtet sich an Einsteiger und Junior-Mitarbeitende bei Mediaagenturen und Werbetreibeden mit 0 bis 3 Jahren Berufserfahrung.