Dennoch: Wer ein iPhone 15 Pro Max und iPhone 16 Pro Max nebeneinander legt, und das mag die große Enttäuschung sein, wird den Unterschied nicht wirklich bemerken. Kein Quantensprung! Selbst der Autor dieser Zeilen, der seit dem ersten iPhone jedes Jahr  ein neues Modell gekauft hat, ist weiterhin mit dem iPhone 15 Pro Max unterwegs. Das 16 Pro/Max – in diesem Jahr eine Art S-Modell, ein Zwischenschritt.

Erst 2025 soll mit dem "dünnsten" iPhone aller Zeiten, Leakname "iPhone Air", alles neu werden. Dann auch weltweit mit fortschrittlichen KI-Funktionen…

W&V-Urteil – Kategorie iPhone: 6 von 10 Punkten

iPad: Das Zeugnis 2024

Ja, Apple hat 2024 das verbesserte iPad Pro mit M3-Chip an den Start gebracht. Ein schickes Gerät und der erneute Versuch, kreative Profis dazu zu bringen, auf das MacBook zu verzichten und stattdessen aufs Tablet zu setzen. Verbesserte Multitasking-Optionen, griffigere Pencil-Optionen, alles gut und schön. Schließlich muss es für Apple eine lebenslange Verpflichtung sein, Profis zu bedienen.

Aber der heimliche Star unter den neuen iPads 2024 war ausgerechnet das überarbeitete Modell, das nur punktuell verbessert wurde, das iPad mini. 

Drei Jahre mussten wir auf ein Upgrade warten. Was dann kam, war auf den ersten Blick enttäuschend: Gleicher dicker Bildschirmrand statt mehr Displayfläche, gleicher Formfaktor ohne Face ID, stattdessen weiterhin das "olle" Touch ID zur Authentifizierung. 

Aber: Apple hat den A17 Pro Chip spendiert. Das Beste daran: Das iPad mini 2024 ist im Vergleich zum Vorgänger ein Tempo-Biest. Und vor allem meistert der A17 Pro alle Funktionen von Apple Intelligence. Damit wurde das immer stiefmütterlich behandelte iPad mini mit einem Mal bei uns zum "All Day Begleiter", handlich, passt in jede Jackentasche, pfeilschnell und KI-optimiert.

Man hört, das iPad mini habe sich zum (unerwarteten!) Verkaufsschlager entwickelt. Kein Wunder, 8,3 Zoll sind unterwegs perfekt, zum Mailen, für Videokonferenzen, zum Surfen, zum Filmeschauen auf dem Weg zur nächsten Konferenz – ach ja, 2026 soll das iPad mini dann auch ein nahezu vollflächiges OLED-Display erhalten. Bisher hat es nur Liquid Retina. 

Und doch: Das iPad mini ist DIE Überraschung 2024 im gesamten Apple-Lineup. 

W&V-Urteil – Kategorie iPad: 8 von 10 Punkten

Mac: Das Zeugnis 2024

Mit dem M4-Chips stieß Apple 2024 bei seinen Macs in neue Dimensionen vor. Der M4 bietet deutliche Benchmark-Verbesserungen im Vergleich zum M3 Max, vor allem bei hochleistungsintensiven Aufgaben wie der Videoverarbeitung und KI-Aufgaben.

Besonders in Erinnnerung bleibt Apples Werbespot mit dem Titel „Mühelos“ (Orig. No Sweat), der die Leistungsfähigkeit der M4-Prozessoren auf amüsante Weise hervorhebt. In dem von der Agentur Megaforce inszenierten Clip wird ein Gewichtheber gezeigt, der mühelos enorme Gewichte handhabt. Dies symbolisiert die Fähigkeit der M4-Chips – also die (bisher) drei Prozessor M4, M4 Pro und M4 Max –, anspruchsvolle Aufgaben mit Leichtigkeit zu bewältigen, eben mühelos

Der weltweit beachtete Spot konzentriert sich auf das neue MacBook Pro, das mit diesen Chips ausgestattet ist und dank der leistungsstarken Neural Engine selbst komplexe KI-Aufgaben problemlos meistert.

Von der Entwicklung des M4 Extreme hat sich Apple dem Vernehmen verabschiedet. Im Frühjahr 2025 kommt das MacBook Air auch mit M4, bisher läuft es mit M3. Dann wird Apples meistverkauftes Laptop aller Zeiten für millionenfache Käufe sorgen. 

W&V-Urteil – Kategorie Mac: 9 von 10 Punkten, Apples M4-Chips sind schneller als du es je zum Arbeiten benötigen würdest…

Vision Pro: Das Zeugnis 2024

Apple Vision Pro war 2024 Apples next big thing. Der Spatial Computer kombiniert AR und VR. 

Das Device hat das große Potenzial, die nächste Generation von Computing zu prägen und die Art und Weise, wie wir digitale Inhalte erleben, zu revolutionieren – nicht nur auf dem Wohnzimmersofa, sondern auch im Marketingbereich. 

Ich habe selbst eine Vision-Pro-Demo gemacht. Ein beeindruckendes Visual und für all jene zu empfehlen, die vorschnell über den angeblichen "Fail Vision Pro" urteilen, ohne sie jemals auf der Nase gehabt zu haben. Einer meiner Wow-Momente 2024. PS: Jeder kann im Apple Store eine kostenlose Session buchen. Wer’s macht, wird staunen! Nicht umsonst hat das renommierte US-Magazin Popular Science Vision Pro für 2024 zum "Gadget des Jahres" gekürt.

Aber: Vision Pro ist noch zu bulky, deutlich zu teuer und mit 2-Stunden-Kabel-Akku zu schwach. Apples Aufgabe ist es, Vision Pro für die breite Masse zugänglich zu machen, mit einem leichteren und preisgünstigeren Device, sonst bleibt Vision Pro noch lange ein exklusives und hochpreisiges Nischenprodukt.

W&V-Urteil – Kategorie Vision Pro: 9 von 10 Punkten, wenn da der hohe Preis nicht wäre…

Marketing und Werbung: Das Zeugnis 2024

Apple hat 2024 weiterhin sein Marketing um Erlebnisse und Emotionen zentriert, statt nur technische Merkmale zu betonen. Das Unternehmen hat seine Werbekampagnen so gestaltet, dass sie eine tiefe emotionale Verbindung zu den Nutzern herstellen. 

Die Vision-Pro-Kampagne war besonders darauf ausgelegt, die Nutzer in die "Welt von morgen" zu entführen, in der der Übergang zwischen realer und digitaler Welt nahezu verschwimmen kann. Diese emotionale Ansprache half, dass Vision Pro nicht nur als High-Tech-Produkt, sondern als Tür zu einer neuen Art der Interaktion mit der Welt zu positionieren.

Apple hat 2024 noch gezielter auf personalisierte Werbung gesetzt. Der Ausbau der Apple-Ads-Plattform ermöglichte es, noch präziser mit relevanten Zielgruppen in Kontakt zu treten, insbesondere durch die App-Store-Werbung und Apple Search Ads.

Die Präzision bei der Zielgruppenansprache ermöglichte es, Werbung nicht nur basierend auf Nutzerinteressen, sondern auch auf realen Verhaltensmustern zu gestalten. Diese personalisierten Werbeformate wurden in einer Art und Weise integriert, die für die Nutzer kaum aufdringlich wirkte, was Apples Ruf als Unternehmen, das auf Datenschutz setzt, stärkte.

Apple setzte weiterhin auf starke Partnerschaften und Influencer-Marketing, u.a. mit Kim Kardashian bei der Apple-Tochter Beats. Die Verbindung von Musik und Markenimage stärkte nicht nur das Apple-Music-Angebot, sondern förderte auch den Verkauf von Geräten wie den iPhones und den AirPods, die oft als Teil des Musik- und Lifestyle-Erlebnisses präsentiert wurden.

Apple blieb 2024 auch seinem bewährten Modell treu, Events als Marketinginstrument einzusetzen. Die Apple Keynote 2024, in der neue Produkte wie das iPhone 16 und Vision Pro vorgestellt wurden, sind nicht nur Produktvorstellungen, sondern werden als kulturelle Ereignisse inszeniert, die mediale Aufmerksamkeit und eine breite Öffentlichkeit anziehen. 

Ein weiterer Marketing-Trend, den Apple 2024 stark verfolgte, war die Betonung von Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung in seinen Marketingbotschaften. Besonders bei der Promotion der iPhones und MacBooks wurde auf die umweltfreundlichen Produktionsprozesse und die Bemühungen um Recycling und Ressourcenschonung Wert gelegt. Diese Strategie spricht nicht nur umweltbewusste Konsumenten an.

Apples Image hat sich gefestigt: Das Unternehmen will Verantwortung übernehmen und langfristig auf Nachhaltigkeit setzen. Das kommt bei Kunden an.

W&V-Urteil – Kategorie Werbung/Marketing: 9 von 10 Punkten 

KI: Das Zeugnis 2024

Der KI-Hype hat 2024 auch Apple erreicht. Die Gelehrten streiten sich nach wie vor: War Apple das letzte Unternehmen, das auf den KI-Zug aufgesprungen ist (und daher nun Partnerschaften mit OpenAI und Google Gemini schließen muss) – oder stimmt das, was Apple behauptet: Man habe sich schon "vor sieben Jahren" initial mit Künstlicher Intelligenz befasst und 2024 nun die Ernte aus der langjährigen Vorarbeit eingefahren. Nachprüfen lässt sich das nicht, aber plausibel klingt es schon, auch wenn Apple in mindestens sechs der sieben Jahre kein einziges Wort über KI verloren hat …

Fakt ist: Apple macht vieles im Bereich KI besser als die Konkurrenz. Der Ansatz von Apple Intelligence ist darauf ausgelegt, das Nutzererlebnis durch smarte und datenschutzfreundliche KI- und ML-Integration zu verbessern. Apple setzt auf lokale Verarbeitung, Personalisierung und eine starke Verknüpfung der Geräte im Apple-Ökosystem.

Das zeigt sich vorbildlich im Bereich Gesundheit (Apple Watch): So entwickelt der Konzern KI-unterstützte Gesundheitsfunktionen, die die Apple Watch und andere Geräte von Apple nutzen. Die Apple-KI analysiert Gesundheitsdaten und soll frühzeitig Hinweise auf gesundheitliche Risiken geben. Der Health-Trend – bei Apple wird er gelebt und weitergedacht.

Zudem ist Apple Intelligence dafür optimiert, die Performance von KI-gestützten Anwendungen in Form von Bildverarbeitung, Sprachverarbeitung und Nutzerverhalten-Analyse zu maximieren und gleichzeitig die Energieeffizienz zu gewährleisten. Der Unterbau ist stimmig und durchdacht: Apple Intelligence erstreckt sich über alle Apple-Geräte und -Dienste hinweg.

Das bedeutet, dass viele der KI-Funktionen auf Geräten wie dem iPhone, iPad, Mac oder der Apple Watch direkt auf dem Gerät verarbeitet werden, ohne dass Benutzerdaten an Apple-Server gesendet werden müssen. Dies fördert nicht nur die Privatsphäre der Nutzer, sondern ermöglicht auch schnellere und effizientere Berechnungen. Die Schlagworte Differential Privacy und On-Device-Processing sind das große KI-Plus von Apple.

Apple Intelligence ist ab April 2025 auch in Deutschland verfügbar. Zuvor muss sich Apple noch mit der EU über die entsprechenden Regularien einigen. Hier ist der Konzern, wie man hört, auf einem guten Weg.

W&V-Urteil – Kategorie KI: 9 von 10 Punkten

Fazit

Die Geschäfte laufen bestens für Apple. Potenzielle Gefahrenquellen wie die Produktion in China, die zu erwartende rigidere Politik eines Donald Trump gegenüber Tech-Riesen nicht außer Acht gelassen, muss man sich auch nach 2024 um Apple keine Sorgen machen.

Gerade beim Thema KI startete Apple 2024 in eine neue Ära. Dass Tim Cook, siehe Interview oben, zuletzt das Gefühl hatte, es sei noch nicht die Zeit, dass er aufhöre, ist insofern verständlich. Das KI-Zeitalter hat gerade erst begonnen, die Big Steps in die Zukunft will Tim Cook in einer spannenden Ära selbst dirigieren.

Davon wird er Zeugnis ablegen, 2025 könnte das wichtigste Jahr der Firmengeschichte werden, 2024 hat den Grundstein gelegt. Kein Unternehmen weltweit hat derzeit mehr Substanz und Potenzial als Apple.

Haltung, Mut und die Fähigkeit, auch unter Druck seinem Kurs treu zu bleiben: Das zeichnet die W&V Top 100 aus. >>> Hier findest Du alle W&V Top 100/2026: Menschen, die vorangehen.


Michael Gronau
Autor: Michael Gronau

ist Autor bei W&V. Der studierte Germanist interessiert sich besonders für die großen Tech-Firmen Apple, Google, Amazon, Samsung und Facebook. Er reist oft in die USA, nimmt regelmäßig an Keynotes und Events teil, beobachtet aber auch täglich die Berliner Start-up-Szene und ist unser Gadget- und App-Spezialist. Zur Entspannung hört er Musik von Steely Dan und schaut Fußballspiele seines Heimatvereins Wuppertaler SV.


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