Neuer Kurs :
Bei Jung von Matt läuft der Vertrag mit Obi aus

Nie mehr Marke? Obi setzt in Zukunft auf Performance und Microcampaigning. Der Vertrag mit der Hamburger Kreativagentur Jung von Matt läuft deshalb aus.

Text: Conrad Breyer

Obi-Werbung - eine Szene aus der jüngsten Frühjahrskampagne.
Obi-Werbung - eine Szene aus der jüngsten Frühjahrskampagne.

In den vergangenen Wochen hat Obi ein paar Agenturen angeschrieben. Request for Information heißt das Prozedere. Tatsächlich sucht die Baumarktkette aus Wermelskirchen W&V-Informationen zufolge für projektbezogenen Paid Content und Microcampaigning eine Agentur. Etathalter Jung von Matt macht da sicher nicht mit, klar. Zu klein. Beide Seiten schweigen. Hinter der Anfrage steht aber noch viel mehr.

Seit Juli leitet Christian von Hegel das Marketing von Obi als Head of Brand & Strategy. Er ist seit 2013 im Konzern. Der Übergang kam still und leise. Sein Vorgänger, Marketingdirektor Marc Kreisel, hatte den Franchise-Konzern erst im Januar nach nur einem halben Jahr verlassen. Er löste Richard Erbler ab, der ebenfalls nur sechs Monate durchhielt.

Von Hegel ist jung, ein Datenmensch und er wird das Unternehmen, so wie es aussieht, nachhaltig verändern - jedenfalls die Kommunikation. In Zukunft nämlich, heißt es, will Obi keine großen kreativen Formate mehr machen. Performance statt Marke. Offiziell sagt das Unternehmen nichts dazu. Also keine Imagewerbung mehr wie noch im April? Sehen Sie hier:

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Der TV-Anteil von Obi war zuletzt recht ordentlich. 75 Prozent oder brutto 13,5 Millionen Euro flossen laut Ebiquity von Januar bis Ende August 2017 in Richtung Sender. Die vielen Wechsel an der Marketingspitze haben sich seit Anfang 2016 kaum auf den Etat ausgewirkt. Jung von Matt aber scheint die Neuausrichtung zum Anlass zu nehmen, den Vertrag mit Obi auslaufen zu lassen. Das immerhin bestätigt die Agentur um Vorstand Peter Figge. Am 31. Januar 2018 ist es soweit. Was kommt dann?

Ende einer Ära

Jung von Matt wirbt seit 2007 für Obi und hat jede Saison etwas geliefert, das ungewöhnlich war - nicht Hornbach freilich, aber doch. Zuletzt hatte Jung von Matt/Saga im April den interaktiven Gartenplaner beworben (siehe oben) und die heimlichen Phantasien der Gartenfreunde enthüllt. Nun geht eine Ära zu Ende.

cob/lp


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.