Cannes 2011: Sensation – Deutschland gewinnt 25 Design-Löwen

Fünf Gold-, zwölf Silber- und acht Bronze-Löwen nehmen die Deutschen für ihre Design-Arbeiten in diesem Jahr mit nach Hause. Dieses Ergebnis ist einzigartig. Noch nie zuvor hatte Deutschland zur Wochenmitte schon so viele Löwen auf der Habenseite.

Text: Conrad Breyer

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Das hat es in Cannes noch nicht gegeben. Deutschland gewinnt in einer einzigen Kategorie 25 Löwen. Fünf Gold-, zwölf Silber- und acht Bronze-Löwen hat die internationale Jury für Design-Arbeiten deutscher Agenturen vergeben. Deutschland führt das Länderranking in der Kategorie damit an und hat mit über 70 Löwen in der ersten Halbzeit der diesjährigen Cannes-Woche mehr Löwen gewonnen als jemals zuvor.

Drei Löwen nimmt allein Jung von Matt aus Hamburg in Empfang. Die Agentur gewinnt einmal Gold (Jeudi), einmal Silver (Konzerthalle Dortmund) und einmal Bronze (Lemonaid Beverages). Gold geht außerdem an Gobasil (German Bible Society) Hamburg, BBDO Düsseldorf (Interactive Coalgate), Serviceplan (BMW: „Light Wall Reflection“) und Kempertrautmann (Edding: „Wall of Fame“).

Silber-Löwen gewinnen außerdem Serviceplan München (Reporter ohne Grenzen), Gürtlerbachmann Hamburg (Görtz: „Book of Birds“ und „Bird Packaging“), Scholz & Friends Berlin (zweimal für Loewe Opta) Grimm Gallun Holtappels aus Hamburg für Hi-Cone, Ogilvy & Mather Frankfurt für SAP, Mutabor Design Hamburg (zweimal Audi A1), Kolle Rebbe Hamburg für TDG („Cheese Pencils“) und Ruddigkeit aus Berlin, die für Kulturprojekte Berlin eine Arbeit eingereicht hatten.

Die Gold- und Silbergewinner finden Sie in der Bildergalerie.

Die acht Bronze-Löwen bekommen für ihr herausragendes Design Einreichungen von JWT, Neue Digitale/Razorfish, KMS Team, KNSK, Kempertrautmann, BBDO und Kolle Rebbe.

„Meine Jury-Kollegen hatten schon vor Cannes einen Heidenrespekt vor deutschem Design“, sagt Kirsten Dietz, Managing Partner von Strichpunkt, die in diesem Jahr Deutschland in der Design-Jury repräsentiert. Seit Einführung der Kategorie im Jahr 2008 hat das Land immer die meisten Design-Löwen gewonnen. 2010 waren es zehn, im Jahr davor zwölf Design-Lions. In diesem Jahr haben die Deutschen mit 235 Arbeiten exorbitant viel eingereicht (Vorjahr: 155).

Deutschland hat mit Qualität überzeugt. „Idee und Ausführung – beides stimmt einfach“, sagt Jurorin Dietz. „Die Deutschen gehen an eine Sache immer ganz besonders gründlich heran“, sagt sie, „aber im positiven Sinne.“ Besonders im Bereich „Packaging Design“ kommen die besten Arbeiten aus Deutschland. Der Erfolg ist auch historisch bedingt; gutes Design kommt schon seit jeher aus Deutschland.

Der Trend 2011? "Die Disziplinen rücken immer enger zusammen", sagt Kirsten Dietz. Das beste Beispiel dafür ist der Grand Prix, der in diesem Jahr an Digital Kitchen aus Chicago geht (siehe Bildergalerie). Die Agentur hat zusammen mit anderen Kreativen in Las Vegas das neue Cosmopolitan Hotel mit über 500 Bildschirmen ausgestattet, die – an den Wänden angebracht – die Innenarchitektur ständig verändern. "Hier vereinen sich Atmosphäre, Grafikdesign, Digital und Architektur, einfach alles", so Jury-Präsident Luciano Deos von GAD Design. „Das ist Kunst und so untypisch für Las Vegas." Der Hotelgast bewegt sich darin, die Marke Cosmopolitan wird erlebbar – auch das ein Involvement, wie es so viele ausgezeichnete Arbeiten in Cannes 2011 vorleben.

Kirsten Dietz war anfangs skeptisch, was die Juryarbeit in Cannes angeht. Auf Kreative, die sich selbst zu wichtig nehmen, hatte sie keine Lust, auch nicht auf Werbeagenturen, die in der Kategorie einreichen, allein um ihr Punkteranking aufzubessern. Doch alle Vorbehalte hat die deutsche Designerin aufgegeben. "Das war eine ganz tolle Erfahrung hier, mit tollen, inspirierenden Arbeiten und einem sehr fairen Jury-Prozess." Design hat seinen Platz in Cannes gefunden.

Gemeinsam mit den Design-Löwen wurden am Mittwochabend auch die Trophäen in der Kategorie Press und Cyber vergeben.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.



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