Neugründung :
Claudia Graf und Sebastian Sotzek machen sich mit Cause We Are selbstständig

Die Berliner Agentur will immer auch die Konsumenten in ihre Kreation einbeziehen und setzt dafür auf die Lehren der Marketing Automatisation. Sofern die Daten der Kunden das zulassen.

Text: Conrad Breyer

Eingespielt: Claudia Graf und Sebastian Sotzek haben zuvor lange bei KKLD als Team zusammengearbeitet.
Eingespielt: Claudia Graf und Sebastian Sotzek haben zuvor lange bei KKLD als Team zusammengearbeitet.

Sie wollen den Verbraucher ernst nehmen, in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen - jetzt mal ganz im Ernst. Klingt albern, denn welche Agentur will das nicht?!

Claudia Graf und Sebastian Sotzek aber glauben, dass sie das ein bisschen besser können als andere. Einfach, weil sie eine andere Haltung dazu einnehmen - und über die Tools verfügen. In Berlin haben die beiden vor einem Monat die Agentur Cause We Are gegründet, wie sie jetzt verkünden.

Die beiden haben lange bei KKLD (Wunderman) als Team zusammengearbeitet. Sie kennen und schätzen sich, wissen um ihre Qualitäten als Strategin/Beraterin auf der einen und Kreativer auf der anderen Seite. "Wir ticken gleich, wenn es um den Anspruch an die Qualität unserer Arbeit geht. Und wir ergänzen uns beim Tun", sagt Sotzek. Vor KKLD haben sie Erfahrung bei Agenturen wie DDB und BBDO gesammelt (Sotzek), Graf war bei der Strategieberatung Diffferent (Syzygy) tätig sowie auf Kundenseite (Glossybox, Bild).

Was Cause We Are anders machen will

Cause We Are will Kreation kundengerechter machen, indem sie für ihre Kunden - die Namen der Startkunden sind noch geheim - immer mehrere Varianten einer Idee präsentieren. Der Konsument selbst soll dann darüber entscheiden, welche Option weiterentwickelt wird.

Dafür will Cause We Are die Datensätze ihrer Kunden nutzen, sofern das Datenschutz-konform ist und mit der Politik des Hauses vereinbar. "Ich habe nie verstanden, wie Marketing und Agentur eine Kampagne absegnen können, ohne vorher die Verbraucher mittels ihrer Reaktion einzubeziehen", sagt Sotzek. Auch das ganze Awardgewese sei ihnen fremd. "Wir produzieren keine Werbung für Werber."

Cause We Are will alles anders machen. "Consumer Perspective Communication" heißt das Modell, mit dem sie sich künftig vermarkten.

Kleine Agentur mit großen Ambitionen

Die beiden Gründer haben bereits bei KKLD Kunden mit diesem Ansatz betreut, so die Deutsche Bahn. Details dazu wollen sie aber mit Rücksicht auf das Unternehmen nicht verrraten.

Cause We Are arbeitet mit einem Netz von Freien aus den verschiedensten Bereichen, häufig auch mit branchenfremden Talenten. Man verspreche sich davon befruchtende Begegnungen, erklärt Sotzek.

Cause We Are beschäftigt derzeit dreieinhalb Leute, die Firma gehört jeweils zur Hälfte Gründerin und Gründer. Schon jetzt sei sie profitabel, die beiden Jungunternehmer möchten aber schnell wachsen. Graf sagt: "Wir wollten unser eigenes Ding machen, ohne uns 'von oben' zu ausbremsen zu lassen."

Klingt konsequent: Das ging nur mit einer eigenen Agentur und dem richtigen Partner. Jetzt müssen sie sich beweisen.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.