Ausbildung :
Den Texterschulen gehen die Bewerber aus

Texter-Nachwuchs - dringend gesucht: Der Kampf um Talente wird sich in Zukunft weiter verschärfen. Die Texterschulen fordern mehr Engagement von Agenturseite.

Text: Peter Hammer

Daniela Poppema ist Schulleiterin des Kreativkader in Düsseldorf.
Daniela Poppema ist Schulleiterin des Kreativkader in Düsseldorf.

Vor zwei Wochen klagte Palmer-Hargreaves-Chefin Iris Heilmann auf W&V Online, wie schwierig es sei, gute Texter zu finden.

Stimmt. Der Markt ist leer gefegt. Doch könnte sich die Situation künftig sogar noch verschärfen. Denn: Auch die auf den Texternachwuchs spezialisierten Ausbildungseinrichtungen müssen kämpfen, um genügend talentierte Bewerber zu finden.

Zum Beispiel der Kreativkader in Stuttgart. Um die 30 Kandidaten sind es normalerweise, die pro Jahr den Copytest machen. Zwischen zehn und zwölf von ihnen bekommen einen Platz in dem dualen Ausbildungsbetrieb. Fast alle, sagt Kreativkader-Chefin Susanne Feddersen, finden hinterher eine Festanstellung. Doch in diesem Jahr bleiben die Bewerber aus. Kurzzeitig sah es sogar so aus, als würde ein Jahrgang ausfallen. Jetzt wird wohl der Start verschoben. Nur gut, dass es bei den Kreativkader-Kollegen in Düsseldorf etwas besser läuft.

Selbst bei der Texterschmiede in Hamburg sieht es wenig rosig aus. "Existenzängste haben wir nicht", sagt Matthias Berg, Chef der Schmiede, "aber Sorgen." Denn die Renommier­adresse für die Ausbildung zum Texterberuf muss einen immer größeren Aufwand betreiben, um die 45 Plätze mit echten Talenten besetzen zu können.

Was sind die Gründe?

Woran es liegt? Klar, der Copytest ist alles andere als einfach und schreckt vielleicht manchen potenziellen Bewerber ab. Doch auf diese Qualitätssicherung will keine der Schulen verzichten. Und ja, es gibt den demografischen Wandel. Doch gravierender sind andere Faktoren. Werbung ist nicht mehr attraktiv. Oder wie es Berg ausdrückt: "Schöne Menschen gibt es auch in anderen Branchen." Die jungen Menschen, die man vor 15 Jahren noch in den Agenturen fand, arbeiten heute in Start-ups und anderen angesagten Adressen.

Nicht unterschätzen darf man allerdings eine weitere Komponente: Geld. In Stuttgart beispielsweise kostet der Schulmonat 440 Euro. Am Ende fallen zudem Prüfungsgebühren an. Die Agentur, die während der einjährigen Aus­bildung parallel besucht wird, braucht ihrem Schüler hingegen nur 650 Euro zu löhnen.

Das heißt Eltern und Co. müssen kräftig unterstützen, um überhaupt die Fixkosten abzufedern. Oder die Agentur legt was drauf und übernimmt das Schulgeld. Dennoch: So richtig attraktiv ist das nicht. Auch nicht wenn man bedenkt, dass ein Drittel der Kandidaten Abiturienten sind, die sonst vielleicht in ein Studium investieren müssen.

Das Engagement der Agenturen hält sich in Grenzen

Ohne die aktive Unterstützung der Agenturen geht es nicht. Klar, über einen Mangel an Dozenten beschwert sich keine der Schulen. Auch die Akteure in den Förder- und Freundeskreisen bringen sich in der Regel ein. Doch generell könnte das Engagement der Agenturen größer sein, sagt Feddersen. Kollege Berg spricht gar von einem massiven Missverhältnis. Will heißen: Die Agenturen bedienen sich sehr gerne der Absolventen. Aber wenn es beispielsweise darum geht, Praktikanten mit Potenzial zu vermitteln oder anderweitig die Werbetrommel für die Texterschmiede zu rühren, hält sich das Engagement in Grenzen. Und: Die Schatulle wird ungern weiter geöffnet. "Es gibt ein irres Gefälle", sagt Berg. So verdienten die Auszubildenden in Hamburg um die 500 bis 600 Euro, in Berlin aber nur um die 200 bis 300 Euro. Nicht ohne Grund hatte die Texterschmiede vor wenigen Wochen eine Diskussionsrunde zum Thema Mindestlohn initiiert.

Texter sind auch Konzeptioner

Gefordert sind aber auch die Schulen selbst. Bessere Vernetzung mit den Agenturen, mehr PR und mehr Social-Media-Präsenz sind die Stichworte. Es fehlt massiv an Aufklärung. Denn nur wenige Menschen wissen überhaupt, was Texter in Agenturen leisten und wie vielfältig ihr Tätigkeitsfeld ist. Sie sind dort die treibende Kraft, "kreative Allrounder", wie Daniela Poppema sagt, die auch konzeptionell fit sein müssen. Es gehe eben nicht darum, nur Texte zu schrubben. Genau darin liegt ein weiteres Problem. Die Horrorgeschichten über Schreiberlinge, die zu Hungerlöhnen Zeilen schinden - wofür auch immer - sind ja nicht erfunden. Doch das sind eben keine ausgebildeten Texter. Deren Verdienstmöglichkeiten sind so katastrophal nicht. Um die 2100 Euro monatlich erhalten Anfänger in Festanstellung. Nach einem Jahr Ausbildung. Besser sieht es bei den Freelancern aus. Der Tagessatz liegt bei 600 Euro, sagt Markus Lemke vom Texterverband mit Blick auf die eigenen Mitglieder. Spezialisten bekommen mehr.