Faire Pitches :
Der GWA steigt beim Pitchblog ein

Der GWA gibt seinen Widerstand auf und macht künftig mit beim Pitchblog. Das von GPRA und Famab getragene Forum lobt faire und kritisiert zweifelhafte Pitches. Nicht alle finden das gut.

Text: Conrad Breyer

Ulrich Klenke hat den GWA überzeugt: Der Werberverband diskutiert künftig mit bei Etatvergaben - im Guten wie im Schlechten.
Ulrich Klenke hat den GWA überzeugt: Der Werberverband diskutiert künftig mit bei Etatvergaben - im Guten wie im Schlechten.

Schluss mit der Hinterzimmerdiplomatie. Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA tritt dem Pitchblog bei und ruft seine Mitglieder auf, ihre Erfahrungen mit Ausschreibungen und Pitches künftig in aller Offenheit zu teilen, positive wie negative. Das ist die Wende. Bislang nämlich hatte sich der Werberverband geweigert, zweifelhafte Pitchpraktiken und Ausschreibungen öffentlich zu kritisieren. Unter vier Augen sollten Differenzen mit den Kunden beigelegt werden, aber keinesfalls nach außen dringen. Gebracht hat das nichts.

Warum das alles? Ulrich Klenke hat den Vorstoß gewagt. Der Chef von Ogilvy & Mather in Frankfurt, der sich im GWA-Vorstand bevorzugt um die Beziehungen zwischen Agenturen und Kunden kümmert, hat seinen Verband überzeugt. Er glaubt, dass nur Öffentlichkeit die Verhältnisse verbessert. Und die sind in den vergangenen Jahren immer taffer geworden für die Agenturen: Ideenklau, Margendruck, Vorbehalte. Kunden und Agenturen begegnen sich mit Misstrauen. Und schließlich habe man im GWA mit dem Code of Conduct inzwischen eine moralisch-ethische Grundlage dafür geschaffen, die die Agentur-Kunden-Beziehungen regelt. Den Pitchblog sieht Klenke als gute Ergänzung. Außerdem sei der ja kein Pranger. Ein Rechtsantwlt prüfe alle Eingaben, die Agenturen anonym machen, und geben jedem Beklagten die Chance, rechtzeitig zu reagieren.

Die Macher des Pitchblogs freuen sich. Die Gesellschaft Public Relations Agenturen GPRA hatte noch unter ihrem Ex-Präsidenten Uwe Kohrs den Blog vor vier Jahren zusammen mit dem Verband der Event- und Agenturen für Kommunikation im Raum, Famab, ins Leben gerufen und seitdem immer wieder um den GWA geworben. Denn viel getan hatte sich auf dem Forum in den vergangen Jahren im Prinzip nicht. Bestimmt haben die Diskussionen auf pitchblog.de verfehlte Ausschreibungen - oft weil es die Behörden nicht besser wussten. Ausschreibungsverfahren sind juristisch komplex. Woran es aber mangelte, waren die Geschichten zu den großen Unternehmen. Und es ist kaum anzunehmen, dass deren Pitchprozesse immer so korrekt abliefen, dass sie keinerlei Diskussion bedurften. Im Gegenteil: Agenturen haben einfach Angst, auf irgendeiner Black List zu landen. Deshalb ist auch in Zukunft fraglich, wie einflussreich der Pitchblog wird und ob er das Gebahren der Kunden wirklich nachhaltig veränden kann.

W&V hat dazu Stimmen gesammelt. Die Agenturen sind eher für den Pitchblog, die Kunden dagegen:

Florian Haller, Hauptgeschäftsführer der Serviceplan-Gruppe, München:

"Wir begrüßen die Idee, eine neutrale Instanz für die Themen Ausschreibungen und Pitches zu schaffen. Sowohl Kunden als auch Agenturen haben ein Interesse an fairen Spielregeln – und daher ist es auch schlau vom GWA, dort einzusteigen. Und wir alle können davon lernen und profitieren – von den negativen und von den positiven Beispielen!"

Bent Rosinski, Geschäftsführer von Lukas Lindemann Rosinski, Hamburg:

"Die Vielzahl der traurigen Stilblüten bei Pitchanfragen verdeutlichen, dass Aufklärung und Widerstand Not tut. Im Einzelgespräch zwischen Agentur und Kunde ist das eine Sisyphusarbeit - denn der nächste willige Dienstleister steht vor der Tür. Insofern begrüße ich die Veröffentlichung dieser Stilblüten. Möglichst nicht nur auf einem einzelnen Blog, sondern unterstützt durch namhafte Branchenverbände. Und am liebsten auch durch die Branchenblätter."

Uwe Storch, Head of Media Ferrero Deutschland, Frankfurt, und Vize der Organisation Werbungtreibende im Markenverband OWM:

"Wenn auf der Seite, wie Sie schreiben, seit Jahren sporadisch Werbungtreibende 'geoutet' werden, die von anonymen Quellen 'bezichtigt' werden, ist das m.A. wenig zielführend, weder fair, noch im Sinne einer partnerschaftlichen, wertschätzenden Zusammenarbeit. Wenn seitens der Marktpartner berechtigte Kritik geäußert wird an einer als unprofessionell bis unverschämt empfundenen Behandlung, sollte dies offen und konstruktiv geäußert werden. Nur dann könnten sich in einem Kommunikationsprozess Themen  verbessern oder für die gesamte Branche positiv entwickeln."

Robert Köhler, Leiter Marketingkommunikation, Bauhaus, Mannheim:

"Gute Ausschreibungsunterlagen zusammenstellen, ist genauso schwierig wie die beauftragte Kreation gemäß Briefing. Hier gibt es sicherlich auf beiden Seiten Licht und Schatten."


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.