Angela Merkel ist nicht die einzige Spitzenpolitikerin, deren Botschaft nicht mehr richtig durchdringt. Warum haben die alten Volksparteien so große Probleme, Menschen zu erreichen und zu begeistern?

Die sozialen Milieus haben sich aufgelöst und damit ist Kommunikation in bestimmte Zielgruppen, die vorher für Volksparteien gesetzt waren, nicht mehr so einfach möglich wie früher. Durch Social Media haben sich zudem völlig andere Möglichkeiten ergeben. Davon profitieren momentan eher die populistischen Kräfte, weil sie für Lautstärke und Auseinandersetzung sorgen. Damit tun sich die Volksparteien schwer. Außerdem sind in unserer globalisierten Welt die Herausforderungen größer und auch erklärungsbedürftiger geworden. Die ideologischen Grenzen haben sich verschoben oder aufgelöst und damit hadern viele Parteien. Und die Halbwertszeit von Begeisterung ist typisch, siehe Macron in Frankreich. Menschen wollen schnelle Ergebnisse und einfache Antworten auf komplizierte Fragen. Das ist eine kommunikative Herausforderung, über die derzeit viel kluge Leute nachdenken.

Welchen klugen Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten würden Sie der CDU empfehlen?

Bisher gibt es ja zwei Kandidaten, die sich erklärt haben: Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn. Ich kenne beide gut und halte sie auch beide für sehr gute Kandidaten. Für eine bürgerliche Partei auch erstaunlich divers, finde ich.

Und dann wäre da noch Friedrich Merz.

Von dem habe ich bis jetzt noch nichts gehört.

Er wäre auf jeden Fall gut, um das Profil der SPD zu schärfen.

Das kann die CDU nicht auch noch übernehmen.

Für die SPD sind ja auch andere Strategen zuständig. Hätten Sie trotzdem einen Rat für die Partei?

Da sind, wie Sie richtig sagen, andere Strategen zuständig.

Zur Person: Axel Wallrabenstein ist Mitgründer und Chairman der Publicis-Tochter MSL Germany. Vor seinem Wechsel in die Agenturbranche arbeitete er in den 90er-Jahren u.a. für die CDU, den Senat von Berlin und als Sprecher des sächsischen Innenministeriums. Als Gastgeber des Berliner "Politischen Salons" bringt er Politiker, Manager und Künstler zusammen. Auf Twitter ist er als @walli5 aktiv.


Autor:

Frank Zimmer

Redaktionsleiter Online mit analogem Migrationshintergrund. Seit 1996 im Internet. Buchautor ("Der Social-Media-Rausch") und Blogger ("Mittelrheingold"). Interessiert sich für Content Marketing und digitale Transformation. Hat eine Schwäche für Agenturen, weil er mal in einer gearbeitet hat.