Nachwuchsprobleme :
Jean-Remy von Matt findet Work-Life-Balance Käse

In einem Interview gibt sich Jean-Remy von Matt gewohnt unbescheiden: Wer als Bewerber Freizeit statt Nachtschicht will und Geld statt Gold, der braucht gar nicht erst zu Jung von Matt zu gehen.

Text: Anja Janotta

Jean-Remy von Matt hält nicht viel von Work-Life-Balance.
Jean-Remy von Matt hält nicht viel von Work-Life-Balance.

"Freizeitorientierte Schonhaltung" sei es, wenn ihn ein Bewerber nach der Work-Life-Balance bei Jung von Matt frage. Und da möge der Bewerber doch besser gleich woanders anklopfen. Derart rigide beurteilt Werberlegende Jean-Remy von Matt die Forderungen junger Nachwuchstalente nach ausgeglichener Arbeitszeit. Wenn er nach Work-Life-Balance gefragt werde, antworte er, dass man in seiner Agentur Work bekäme und Life dazu - durch viele gemeinsame Aktivitäten mit Kollegen. Im Interview mit "Zeit Campus" sagte der Firmengründer zudem, er sei zwar nicht oft dabei, wenn über Nacht Präsentationen erstellt würden: "Aber so eine Nachtschicht kann ja auch erfüllende Aspekte haben. Wenn alles perfekt war, habe ich mich wie ein Held gefühlt."

Offenbar ist der Heldenstatus immer noch treibendes Motiv für den altgedienten Werber, denn immer noch keilt er spitzzüngig und unbescheiden gegen die Konkurrenz und sieht Jung von Matt als eine Agentur, die zu den Besten zählen will. Da empfehle er den Jungen auch lieber nach Gold als nach Geld zu schielen, wenn sie in seine Agentur wollten. Lange in Lohn und Brot - trotz etwaiger Gold-Erfolge - kann man in der Branche dann wohl doch nicht bleiben. Bei allen anderen Agenturen sei er selbst aufgrund seines Alters längst entsorgt worden. Von älteren Kollegen werde er jedenfalls oft nach Geld und einem Job gefragt, sagt von Matt im Interview mit dem Studenten-Blatt. Und "bei allem Ehrgeiz auf Ballhöhe zu bleiben: "Man merkt mir schon an, dass ich medial in einem anderen Jahrhundert sozialisiert wurde."

Jean-Remy von Matt scheint auch im Alter von 65 Jahren eher die Ausnahmeerscheinung in der eigenen Agentur zu sein, denn Mitarbeiter über 45 Jahre beschäftigt Jung von Matt gerade Mal 11,7 Prozent. Wir haben im Rahmen der W&V-Serie "So arbeitet es sich bei ..." nämlich direkt vor Ort gefragt. Erst jüngst hatte Jung von Matt die Geduld der Bewerber auf die Probe gestellt und sie sechs Minuten lang in einer enervierenden Warteschleife am Telefon hängen lassen, bevor sie mit ihrem Bewerbungswunsch zu entscheidenden Informationen durchdrangen.