Jahresbilanz und Ausschau :
Jung von Matt: Zu viele Nicht-Nachrichten

Ein bestens gelaunter Vorstand, das meistgeklickte Werbevideo des Jahres auf Youtube und der Wahlkampf der Bundeskanzlerin auf der einen Seite. Auf der anderen: Ein Umsatzrückgang von gut zehn Prozent. Impressionen vom Presseabend der Hamburger Agenturgruppe Jung von Matt.

Text: Daniela Strasser

- 10 Kommentare

Der Vorstand von Jung von Matt: Thomas Strerath, Götz Ulmer, Jean-Remy von Matt, Peter Figge, Larissa Pohl und der mittlerweile zu Thjnk gewechselte Ulrich Pallas (v.l.)
Der Vorstand von Jung von Matt: Thomas Strerath, Götz Ulmer, Jean-Remy von Matt, Peter Figge, Larissa Pohl und der mittlerweile zu Thjnk gewechselte Ulrich Pallas (v.l.)

Einmal im Jahr lädt Jung von Matt zum traditionellen Presseabend. Es gibt ihn seit mehr als 15 Jahren und er läuft wie folgt ab: Die Vorstände nebst ausgesuchten Mitarbeitern unterhalten sich mit Journalisten, in der Halbzeit tauschen die Jung-von-Mattler dann die Plätze. Man erfährt mehr oder weniger Wissenswertes, etwa dass Agenturgründer Jean-Remy von Matt unter die Möbelschreiner gegangen ist und neuerdings mit Unterstützung seines Hausmeisters Lampen aus Waschmaschinentrommeln und Mistgabeln baut - den Handybildern nach zu urteilen, sehen die übrigens gar nicht mal schlecht aus.

Außerdem übt er Beethovens "Mondscheinsonate" - sollte er sie fehlerfrei spielen, dann erlaubt ihm seine Frau, einen Flügel im kürzlich bezogenen Heim in Berlin aufzustellen (wer hier Bilder sehen will, der werfe einen Blick in die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Home"). In Rente gehen will von Matt anders als sein Co-Gründer Holger Jung noch immer nicht, auch wenn er dieses Jahr 65 Jahre alt wird und erstmals Rentenansprüche geltend machen kann.

Jung von Matt und die Kanzlerin

Von Matt überlegt außerdem, ob er seinen mehrwöchigen Urlaub im Sommer verschieben soll. Dann geht der Wahlkampf der CDU in die heiße Phase. Den Etat hat die Agentur zwar nach wie vor nicht bestätigt, es gilt allerdings als offenes Geheimnis, dass sich Vorstand Thomas Strerath gemeinsam mit Jean-Remy von Matt und der jüngst gegründeten Berliner Zweitniederlassung Jung von Matt/Havel darum kümmern wird. Details zur Zusammenarbeit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel bleiben naheliegenderweise aus. 

Auch abgesehen davon bleibt der Abend überraschend neuigkeitsfrei. In seinem Kurzvortrag blickt Vorstand Peter Figge auf das Jahr 2016 zurück und positioniert seine Agenturgruppe als eine Art digitalen Content-Alleskönner, spricht von einem "Momentum für die Agentur". Seine Beispiele: Das meistgeklickte Youtube-Werbevideo des Jahres für Netto, 3-D-Projekte für BMW in Kooperation mit Google in Mountainview, die Aktivierungskampagne für die neu eröffnete Elbphilharmonie, ein Chatbot für die Sparkasse.

Umsatzrückgang von zehn Prozent

Volumenstarkes Neugeschäft konnte die Agentur mal abgesehen von der CDU nicht gewinnen. Auch die Zahlen sind wenig erfreulich: 2016 erwirtschaftete Jung von Matt einen Gesamtumsatz von 116 Millionen Euro. Das bedeutet einen Rückgang von rund zehn Prozent gegenüber 2015 (129 Millionen Euro). Der Hauptgrund ist der Verlust von Mercedes-Benz, der sich erstmals vollumfänglich in der Bilanz auswirkt. Infolgedessen musste sich die Agentur auch von Mitarbeitern verabschieden (Mitarbeiterzahl 2016: 1043 gegenüber 1117 im Vorjahr). Dass die Verschmelzung der Digitaltochter Jung von Matt/Next mit Jung von Matt/Alster ebenfalls mit dem Verlust des Mercedes-Geschäfts zusammenhängt, bestätigte die Agentur nicht, es dürfte zumindest mit ein Grund dafür gewesen sein.

Statt für Mercedes arbeitet Jung von Matt nun für mehrere Autobauer, neben BMW etwa Kia. Das fehlende Volumen ausgleichen konnten diese Aufträge allerdings nicht. Sollten sich die Branchenprognosen bewahrheiten, dürfte die zweitgrößte inhabergeführte Gruppe mit dem Minus von rund zehn Prozent deutlich schlechter abschneiden als der Branchenschnitt: Dieser soll laut dem Agenturverband GWA bei rund fünf Prozent Plus für das Gesamtjahr 2016 liegen. 

Emotionales Storytelling für Edeka und Vodafone

Jean-Remy von Matts rechte Hand, Kreativvorstand Götz Ulmer verweist da lieber mal auf aktuelle Arbeiten und zeigt den neuen Edeka-Film Eatkarus, der unter der Federführung des erfolgreichen #Heimkommen-Teams entstanden ist. Gute Filme drehen und emotionales Storytelling realisieren, das kann Jung von Matt nach wie vor. In Kürze startet zudem eine neue JvM-Vodafone-Kampagne von Regisseur Sebastian Strasser mit einem bekannten Schauspieler.

Was gab es sonst noch? Ulmers Frau Julia wird am nächsten Tag ihre erste Ausstellung in den Räumen der Agentur eröffnen, sie hat die zweite Ausgabe des Agenturbuchs "Stimmen aus dem Aquarium" gestaltet, das anlässlich des 25. Geburtstags von Jung von Matt im Vorjahr entstanden ist.

Hoffnung setzt der Vorstand außerdem in seine Neugründungen, darunter Jung von Matt/Stars, die sich unter der Federführung des Ex-Fußballnationalspielers Arne Friedrich um den Aufbau von Persönlichkeiten zur Marke kümmern soll. Außer ihm und dem Vorstand noch zugegen: Data-Könner Christian Gast/JvM Strategie, Max Lederer Jung von Matt Next/Alster, Julia Ulmer/JvM Next Alster und Dörte Spengler-Ahrens sowie ihr kürzlich von Philipp und Keuntje wiedergekehrte Beratungspartner Stephan Giest/JvM Saga. 

Das wars dann auch schon mit dem Abend und den Neuigkeiten von Jung von Matt. Bleibt zu hoffen, dass sie 2018 wieder etwas mehr zu erzählen haben. Der Vorstand immerhin war bester Laune und zur Not bliebe da dann ja auch noch das Lampengeschäft. 


Autor:

Daniela Strasser, W&V
Daniela Strasser

Redakteurin bei W&V. Interessiert sich für alles, was mit Marken, Agenturen, Kreation und deren Entwicklung zu tun hat. Außerdem schreibt sie für die Süddeutsche Zeitung. Neuerdings sorgt sie auch für Audioformate: In ihrem W&V-Podcast "Markenmenschen" spricht sie mit Marketingchefs und Media-Verantwortlichen über deren Karrieren.



10 Kommentare

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Anonymous User 22. Februar 2017

Lampen aus Mistgabeln...
Welcher seriöse GF einer großen Agentur hat denn dafür noch Zeit, wenn er zeitgleich Leute entlassen muss???

Anonymous User 20. Februar 2017

Eitle Werbe-Gockel sehen sich gerne in der Zeitung, so wie Provinz-Politiker im jeweiligen Käseblatt. Was sagt eigentlich die FDP dazu?

Anonymous User 19. Februar 2017

W&V – Zu viele Nicht-Artikel

Anonymous User 19. Februar 2017

Nicht dass ich vom Thema ablenken will, aber: Was macht eigentlich Amir Kassaei?

Anonymous User 18. Februar 2017

@uli: oftenbar kann man sich JvM nicht ohne Dich vorstellen...
Oder es wird wg. schlechter Zahlen auch am aktuellen Bild gespart ;-)

Im Ernst: weiter unten hat die WuV jetzt zumindest die Bildunterschrift aktualisiert.

Das muss ja ein wirklich ein ganz furchtbarer Abend gewesen sein, den die arme Autorin bei der Einladung da durchleiden musste. Zumindest klingt ihr Bericht so. Ich wünschte mir eher dass mehr Agenturen so viele nicht Nachrichten in ihrem Output vorzuweisen haetten.

Anonymous User 18. Februar 2017

Naja, mindestens eine echte Nachricht gab es doch!!! Nämlich dass ich lt. Bild wieder bei JvM bin.
Das wusste auch ich noch gar nicht aber dank der W&V jetzt auch ...

Anonymous User 18. Februar 2017

Wie sagt man so schnön: "Haters gonna hate.".

Anonymous User 18. Februar 2017

#nonews - da kennt sich Jung von Matt doch hervorragend aus! Im wöchentlichen Turnus erscheinen - insbesondere in diesem Medium - Nachrichtchen, bei denen man sich Woche für Woche fragt, wen das eigentlich interessiert. Meistens interne Angelegenheiten: Mitarbeiter A wechselt von B nach C. Mitarbeiterin D gründet mit E zusammen eine Agentur... Ach ne, es wurde nur eine umbenannt... Und Mitarbeiter Alpha hat endlich die neue Wohnung in Berlin fertig eingerichtet und die Umzugskartons können jetzt weg... Und so geht das weiter und weiter. Wahrscheinlich sorgt die Agentur bald dafür, dass beim Effie die neue Kategorie "No News" und die noch bahnbrechendere Kategorie "Fake News" eingeführt wird. Dann steht für 2017 ein hervorragendes Jahr mit 30% Umsatzplus bevor.

Anonymous User 17. Februar 2017

Wer in der Jahres PK erzählt dass er Lampen bastelt, bei dem gehen bald die Lichter aus.

Anonymous User 17. Februar 2017

Wenn man die spürbare Lockerheit auf dem abgebildeten Coveralbum dieses Artikels so sieht, fragt man sich: Wann hören Deep Purple eigentlich endlich auf?!

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