Die KI-Muse :
Kreativ-Nachhilfe von der künstlichen Intelligenz

Künstliche Intelligenz kann Kreative zu Höchstleistungen anspornen. Ein Berliner Künstler beweist das. Nun soll die KI-Muse auch Agenturen und Marketer inspirieren.

Text: Verena Gründel

In der W&V-Ausgabe 24 startet unsere neue Serie  „Was uns kreativ macht“.
In der W&V-Ausgabe 24 startet unsere neue Serie „Was uns kreativ macht“.

Der Berliner Künstler Roman Lipski lässt sich von einer Muse inspirieren, die weder schön noch charismatisch ist. Denn sie ist eine künstliche Intelligenz. Das Unternehmen Birds on Mars, hinter dem die beiden Data-Spezialisten Florian Dohmann und Klaas Bollhoefer stecken, hat sie für ihn programmiert.

Ausgangsobjekt des Projekts war das Foto einer Straße in Los Angeles. Lipski malte neun Variationen dieses Motivs. Er nannte die Serie Unfinished 1. Diese neun Bilder speisten die Data-Spezialisten als Basis und wichtigste Quelle der künstlichen Intelligenz in das System ein. So lernte der Algorithmus den Stil von Lipskis Kunst. Anschließend begann die Software, selbst Bilder auf Basis des ursprünglichen Motivs zu entwickeln und auszugeben.

Roman Lipski

Der Künstler Roman Lipski malt Variationen seiner KI-inspirierten Serie "Unfinished".

Der Künstler betrachtete die von der KI generierten Bilder, entdeckte neue Farben, Formen, Linien und Techniken und ließ sich dadurch für weitere zwölf Gemälde – Unfinished 2 – inspirieren. Dabei entwickelte er neue Stile, an die er sich vorher nicht herangewagt hatte, wie er selbst sagt.

Die kreativen Krisen sind verschwunden

„Seitdem ich mit der Muse arbeite, sind meine kreativen Krisen verschwunden“, erzählt er. Es gab viele Momente, in denen er sich bei seiner Malerei quälte. „Jetzt arbeite ich wieder frei.“ Inzwischen malt Roman Lipski die Serie Unfinished 7. Die Muse hat zurzeit Pause. Denn er hat so viel Input und Inspiration bekommen, dass er all das erst einmal verarbeiten muss und ihm die Ideen gerade nicht ausgehen. 70 Bilder hat er bereits gemalt. 

Dohmann und Bollhoefer sind sicher, dass sich die KI-Muse auch auf andere kreative Felder anwenden lässt. Daran arbeiten sie nun mit ihrem Anfang 2018 gegründeten Unternehmen Birds on Mars. Dieses Vorhaben nennen sie Enterprise Muse. „Für viele aus der Kreativbranche ist es naheliegend, Algorithmen als Inspirationsquelle einzusetzen“, hat Dohmann beobachtet. Die ersten Unternehmen aus der Kreativindustrie oder der Automobilbranche seien schon an Bord.

Wie Kreativität durch KI auch für Agenturen und Marketer funktioniert und mehr Einzelheiten zum Kunstprojekt Unfinished lesen Sie in der Ausgabe 24/2018 der W&V. Das dreiteilige Bundle zur Serie „Was uns kreativ macht“ gibt es hier.

Um das Thema "Artificial Intelligence vs. Human Emotion" geht es auch bei der W&V Marketing Convention 2018 am 5. Juli in München. Weitere Informationen dazu gibt es hier. 


Autor:

Verena Gründel

ist seit April 2017 für das Marketingressort der W&V tätig. Davor schrieb sie für iBusiness über Digitalthemen. Nach Feierabend kocht und textet sie für ihren Foodblog – und gleicht das viele Essen mit ebenso viel Sport aus. Wenn sie länger frei hat, reist sie am liebsten mit dem Auto durch Lateinamerika, von Mexiko bis an die Südspitze Argentiniens.


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