WPP :
Kündigungen und Umbau bei Ogilvy Deutschland

Noch bevor der Umbau bei Ogilvy Deutschland so richtig begonnen hat, sorgen Personalabbau und der Verlust von Führungskräften für Unruhe und reichlich Fragezeichen.

Text: Peter Hammer

Stand viele Jahre lang für Kontinuität: Ogilvy Deutschland.
Stand viele Jahre lang für Kontinuität: Ogilvy Deutschland.

Es ist erst gut sieben Wochen her, dass Ogilvy-Chef Ulrich Klenke das Handtuch warf und kündigte. Einer der Gründe war die Neustrukturierung des weltweiten Networks, vorangetrieben vom US-Headquarter unter der Führung von CEO John Seifert. Seitdem verantworten Monika Schürholz (Strategie, Sprecherin der Geschäftsführung), Stephan Vogel (Kreation), Chai Sinthuarei (CEO), Helmut Hechler (CFO) und Michael Kutschinski (Kreation) die deutsche Führung.

Die WPP-Agentur steht vor einem Radikalumbau, den offenbar nicht alle Mitarbeiter mitgehen wollen oder dürfen. So gab es in der Gruppe eine Reihe Kündigungen von Führungskräften. Gleichzeitig wurde am Standort in den vergangenen Wochen Personal abgebaut. Letzteres vor allem wegen des Kunden Allianz.

Ogilvy ist in die Defensive geraten

Vor drei Jahren hatte Ogilvy den deutschen wie den internationalen Etat des Versicherers gewonnen. Übrig geblieben sind der deutsche Etat sowie internationale Steuerungsaufgaben. Das Allianz-Team schrumpfte auf nur mehr 15 Mitarbeiter. So hat man sich auch von ECD Jorge Teixeira getrennt, der erst im Frühsommer 2016 geholt worden war. Als wäre das nicht genug, schreibt die Allianz ihren Werbeetat neu aus. Ogilvy verteidigt, wenn auch unter veränderten Bedingungen. Denn mit CEO UIi Klenke und der Ex-Client Service Director Marei Wilke sind die bisherigen Ansprechpartner nicht mehr in der Agentur. Gefordert ist jetzt vor allem Carsten Kinast, Geschäftsführer Beratung in Düsseldorf.

Abgänge sind auch an den anderen Standorten zu vermelden. So verlassen zwei seniorige Strategen Frankfurt: Sebastian Krowarz, Senior Creative Planner und Fabio Sanfilippo, Creative Planner. Einen Eins-zu-eins-Ersatz wird es nicht geben. Das Thema Planning werde überdacht, heißt es aus dem Ogilvy-Management. Daher soll auch Ralf Hartmann, jahrelang Head of Research, nicht mehr ersetzt werden. Seine Aufgaben sollen zum Teil durch eine engere Zusammenarbeit mit Kantar aufgefangen werden. Kantar ist die internationale Marktforschungssparte im WPP-Imperium. Nicht geklärt ist bislang, ob für Rochus Landgraf Ersatz kommt, der das Thema Social Media standortübergreifend betreute.

Submarken sollen verschwinden

Beobachter sprechen bereits von einem Aderlass bei Ogilvy und reden von einer drastischen Schwächung bei der Strategie, einem der Herzstücke der Agentur. Das ist sicherlich überspitzt formuliert. Allerdings dürfte es nicht bei den bisher bekannten Abgängen bleiben. Gerüchten zufolge hat auch ein Geschäftsführer seinen Abschied eingereicht. Denn der Umbau bei Ogilvy geht weit. Alle Submarken sollen zugunsten der Dachmarke Ogilvy verschwinden. Ressourcen sollen derart optimiert werden, dass möglichst nicht an zwei Standorten vergleichbare Leistungen angeboten werden.

Daher dürfte beispielsweise der Content Cube, einst als Exklusivangebot für L`Oreal angedacht, in dem Berliner Ogilvy-Büro aufgehen, das seinerseits Content für Coca-Cola produziert. Mehr als bislang soll oder will Ogilvy Deutschland Spezialisten wie Kantar aus der Gesamtgruppe einbinden und nicht mehr im bisherigen Umfang selbst vorhalten. Und: Künftig wird es auch eine gemeinsame P&L geben, die einerseits die Zusammenarbeit der Büros beflügeln, gleichzeitig aber auch die unternehmerische Verantwortung der Standortchefs schwächen kann.

Ob alle Veränderungen, soweit bekannt, rein strategischer Natur sind und international in Kooperation mit dem deutschen Management entwickelt wurden, darf bezweifelt werden. Sicherlich spielen Kostengründe ebenfalls eine Rolle. Wie aus Kreisen der WPP-Schwesteragenturen zu hören ist, hat Ogilvy im Vorjahr die Vorgaben die Ziele nicht erreicht und wird dies 2017 nur schwer schaffen. Offizielle Zahlen gibt es allerdings nicht. Dass aber der Standort Düsseldorf, an dem auch für Kunden wie Aldi Süd oder auch KFC gearbeitet wird, defizitär sein soll, weist Monika Schürholz zurück.

Mehr zum Umbau und den Löscharbeiten bei Ogilvy lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Kontakter vom 7. September 2017. Noch kein Abo?