Marcel :
Künstliche Intelligenz organisiert Publicis-Agenturen

Publicis will die Zusammenarbeit seiner weltweit fast 80.000 Mitarbeiter künftig mit Hilfe eines selbstlernenden Algorithmus organisieren - einer Art Social Network auf KI-Basis.

Text: Verena Gründel

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In einem Jahr soll die von Sapient entwickelte Kollaborationslösung live gehen.
In einem Jahr soll die von Sapient entwickelte Kollaborationslösung live gehen.

Wie schafft man es, 80.000 Mitarbeiter in 130 Ländern zur standort- und abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit zu bewegen? Die Antwort der Agenturgruppe Publicis darauf lautet: mit Marcel

Marcel ist digitaler Agent und Kollaborationsplattform in einem. "Er sei ein weiterer Meilenstein auf dem Weg dahin, eine Plattform im Dienste unserer Kunden zu werden", feiert Publicis-CEO Arthur Sadoun die Software. Zudem ist er der erste professionelle Assistent, der Künstliche-Intelligenz- und Machine-Learning-Technologien nutzt.

Der selbstlernende Algorithmus hilft Projektverantwortlichen, die besten Teams aus dem Pool der Mitarbeiter weltweit zusammenzustellen. Abhängig von den Anforderungen des Projekts sucht er nach Experten, Arbeitsgruppen und anderen Projekten, die hilfreich sein können.

Marcel wertet Daten, Trends und Themen aus

Umgekehrt unterstützt er Mitarbeiter dabei, auf Basis ihrer Interessen, ihres Know-hows und ihrer Erfahrung zum einen passende Aufgaben und Projekte zu finden und daran auch aus der Ferne mitzuarbeiten. Dafür analysiert er Daten, Trends, Themen und Anfragen von allen Publicis-Standorten und wertet sie aus.

Marcels wichtigster Job ist es, Mitarbeiter von unterschiedlichen Standorten, verschiedenen Teams und mit diversen Kompetenzen und Funktionen zu vernetzen und sämtliche Grenzen aufzubrechen. Auch bei der deutschen Tochter MSL Germany ist man gespannt auf das neue Tool: „Wir haben gesehen, dass unsere Mitarbeiter große Lust haben, standortübergreifend mit den anderen Kollegen zusammenzuarbeiten", sagt CEO Wigan Salazar gegenüber W&V. "Das wird uns die Plattform nun einfacher machen."

Die Ende 2014 übernommene Digitalagenturgruppe Sapient entwickelt die Software hauptverantwortlich und holt sich nach Bedarf weitere Experten ins Boot. Sie ist der nächste Schritt in der Strategie 'The Power of One', welche die Agenturgruppe 2015 angekündigt hat und die die verschiedenen Töchter und Abteilungen langfristig zu einer großen Einheit machen soll. 

Publicis verzichtet ein Jahr auf Awards und Branchen-Events

Den Namen verdankt Marcel dem 1996 verstorbenen Publicis-Gründer Marcel Bleustein Blanchet. Im Juni 2018 will die Publicis Groupe mit Marcel bei der eigenen Veranstaltung "Viva Technology" in Paris live gehen. Bis dahin will die Agentur weder an Awardverleihungen noch an Branchen-Events teilnehmen - um das gesparte Geld komplett in die neue Plattform zu investieren. Wie viel das genau sein wird, gab die Agentur nicht bekannt. 

Marcel ist nicht nur für Publicis interessant

Der Ansatz, Agenturprojekte gruppenübergreifend zu bearbeiten und über Künstliche Intelligenz und Machine Learning die jeweils am besten geeigneten Köpfe dafür auszuwählen, ist richtungsweisend. Unternehmen weltweit suchen zurzeit nach Lösungen, wie sie die Zusammenarbeit der Mitarbeiter effizient und gewinnbringend organisieren, Mauern einreißen und die Ressourcen und Kompetenzen bestmöglich ausschöpfen. Ein Social Network auf KI-Basis könnte nicht nur für Publicis oder den Agenturmarkt eine Lösung sein, sondern internationale Unternehmen aller Art werden sich um dieses Thema Gedanken machen.


Autor:

Verena Gründel

ist seit April 2017 für das Marketingressort der W&V tätig. Davor schrieb sie für iBusiness über Digitalthemen. Nach Feierabend kocht und textet sie für ihren Foodblog – und gleicht das viele Essen mit ebenso viel Sport aus. Wenn sie länger frei hat, reist sie am liebsten mit dem Auto durch Lateinamerika, von Mexiko bis an die Südspitze Argentiniens.



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