Kreation des Tages :
Mit Pink gegen Homophobie

73 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur setzt das Männermagazin Vangardist das rosa Dreieck wieder ein. Es war das Kennzeichen für homosexuelle Häftlinge.

Text: Susanne Herrmann

Ein Zeichen gegen die Verletzung der Rechte von Homo-, Bi-, Trans-und Intersexuellen setzen Serviceplan und Vangardist in Mauthausen.
Ein Zeichen gegen die Verletzung der Rechte von Homo-, Bi-, Trans-und Intersexuellen setzen Serviceplan und Vangardist in Mauthausen.

In den Konzentrationslagern der Nazis war ein dreieckiger rosafarbener Stoffaufnäher, auch Winkel genannt, das Äquivalent zum Judenstern: Es kennzeichnete homosexuelle Häftlinge. Damit die Aufseher den Grund für die Inhaftierung auf einen Blick sehen konnten. Winkel gab es auch für "Asoziale", religiöse Gruppen wie Zeugen Jehovas, für Roma, Berufsverbrecher, Emigranten und politische Gefangene. Mit Gelb kombiniert, wiesen sie jüdische Häftlinge mit weiteren "Vergehen" aus.

Den rosa Winkel, dieses so grausame wie simple Erkennungszeichen,  werden wir nun, 73 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur, wiedersehen. Das österreichische Männermagazin Vangardist deutet für seine Ausgabe "The Pink Triangle Issue" das rosa Dreieck um: zum Symbol für die Rechte von Homo-, Bi-, Trans-und Intersexuellen.

Denn noch heute werden in einigen Ländern Homosexuelle verfolgt, bedroht, ermordet. In Brasilien beispielsweise, in Tschetschenien, Uganda. "Als hätte sich kaum etwas verändert seit der Zeit des Nationalsozialismus -als Homosexuelle verfolgt und gezwungen wurden, einen rosa Winkel zu tragen", sagen die Verantwortlichen.

Der Vangardist, die KZ-Gedenkstätte Mauthausen und die Serviceplan Group drehten ein eindringliches Video gegen Homophobie (Produktion: PPM, Wien; Regie: Christoph Kuschnik) und gegen die weltweiten Verletzungen der Rechte von LGBTQI+ (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender, Queer und mehr). Sie unterstützen damit die Arbeit der kanadischen Nichtregierungsorganisation Rainbow Railroad. 

Den Film gibt es Online sowie in einer 15-Sekunden-Fassung fürs Fernsehen. Er ist auch auf Englisch verfügbar.

Am 7. April reisten 80 Menschen aus zehn Ländern zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen nach Österreich. 
An der Spitze des Dreiecks steht die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen Barbara Glück mit dem Chefredakteur Julian Wiehl von Vangardist sowie einem LGBTQI+, der der Folter in Jamaika mithilfe von Rainbow Railroad entkommen ist (Fotograf für das Pink Triangle Issue: Olaf Blecker, Behind-the-Scenes-Aufnahmen: David Meran).

Mit der Aktion wird zeitgleich eine Petition gestartet, um den UN-Generalsekretär António Guterres dazu zu bewegen, sich bei den Vereinten Nationen für eine Abschaffung homophober Gesetze stark zu machen und Rechte für Menschen aus der LGBTQI+-Community in Artikel 2 der Universellen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen aufzunehmen.

Zudem wird am 16. Mai, dem Tag vor dem Internationalen Tag gegen Homophobie, auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Mauthausen eine Ausstellung eröffnet, die die Geschichte des KZs dokumentiert und Fotos vom Aktions-Shooting zeigt.

Die nationalsozialistischen Konzentrationslager sind Geschichte. Die Homophobie leider nicht. Schlimm, dass man das 73 Jahre nach der Diktatur der Nationalsozialisten immer noch sagen muss. Und gut, dass es jemand tut.

Hinter der Aktion und der Kampagne stehen bei Serviceplan der Kreativchef Alexander Schill, Executive Director Jason Romeyko Managing, Partner Christoph Everke, Managing Director Alexander Nagel, ECD Michael Reill, CD Bernd Nagenrauft, Account Director Anne Jordan, Senior Account Manager Julia Meinetsberger und Account Manager Marlene Ulmer.

Unterstützer können per Facebook-Connect ihr Profilbild in einen "Rosa Winkel" integrieren lassen, dies auf Facebook  teilen und so Teil der virtuellen Petition werden.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.