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Publicis enthüllt seine KI-Software "Marcel"

Der Werbekonzern Publicis ruft die KI-Revolution aus und präsentiert seine mit Spannung erwartete Wundersoftware "Marcel".

Text: Thomas Nötting

Über eine Smartphone-App können Publicis-Mitarbeiter Marcel nutzen
Über eine Smartphone-App können Publicis-Mitarbeiter Marcel nutzen

Der Werbekonzern Publicis hat auf der Pariser Technikmesse Vivatech seine mit Spannung erwartete hauseigene Künstliche-Intelligenz-Plattform "Marcel" präsentiert. Die Software soll die 80.000 Mitarbeiter der weltweiten Agenturgruppe vernetzen und interdisplinäre Kooperationen befördern.

Für Publicis ist das Projekt nichts weniger als eine Revolution. Laut Konzern-Chef Arthur Sadoun werde die Software einen fundamentalen Wandel in den Arbeitsprozessen der Publicis-Agenturen anstoßen. Die heutigen Herausforderungen §"zeigen, dass schrittweise Veränderung keine Lösung ist", erklärt Sadoun zum Start des Projekts. "Die Notwendigkeit, Dinge neu zu erfinden ist größer denn je."

Marcel, benannt nach dem Firmengründer Marcel Bleustein-Blanchet, soll dabei helfen, "Silos aufzubrechen" und die "Trennung zwischen Daten, Kreativität und Technologie" zu überwinden. "Marcel ist eine Reise, um die Publicis-Gruppe von einer Holdinggesellschaft in eine Plattform zu verändern und Kreativen die Freiheit zu geben, in dieser sich ständig wandelnden Branche aufzublühen", so Sadoun.

Kooperation mit dem Cannes-Archiv

Die Wundersoftware basiert auf Microsofts KI-Technologien AI und Knowledge Graph. Die hauseigene Digitalagentur Publicis-Sapient hat dazu eine passende Benutzeroberfläche entwickelt.

Marcel ist letztlich eine Art intelligente Datenbank, die weltweit allen Publicis-Mitarbeitern das Wissen der gesamten Agenturgruppe erschließen und auf dem kürzesten und einfachsten Weg zur Verfügung stellen soll. Technisch werden hierfür sämtliche strukturierte und unstrukturierte Daten des Konzerns angezapft.

Über eine App auf dem Smartphone oder dem Tablet erhalten Mitarbeiter künftig direkten Zugang zu allen Resourcen der Agentur-Gruppe. Das Tool soll helfen, länder- und Agentur-übergreifende Zusammenarbeit anzustoßen oder einfach nur Inspirationen für die eigene Arbeit zu erhalten. Per Sprachsteuerung oder Texteingabe kann etwa ein Experte für ein bestimmtes Thema oder einen bestimmten Kunden gesucht werden.

Über Marcel erhalten die Publicis-Mitarbeiter zudem Zugriff auf mehr als 200.000 preisgekrönte Kampagnen und Kreationen aus dem Archiv des internationalen Werbefestivals Cannes Lions.

Einführung bis 2020

Die Software soll aber nicht nur Anfragen beantworten, sondern Mitarbeitern auch proaktiv und individualisiert Anregungen geben. Täglich sollen Nutzer sechs Stichworte auf dem Display finden, die auf ihre Interessen zugeschnitten sind.

In einem Video demonstriert Publicis, wie Marcel funktionieren soll.

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Zunächst will Publicis die Software mit 100 Alpha-Nutzern testen. Im Juni soll der Nutzerkreis auf 1000 ausgewählte Mitarbeiter ausgeweitet werden. Im Januar 2019 soll Marcel dann auf breiter Front im Unternehmen eingeführt werden.

Bis 2020 sollen 90 Prozent aller Publicis-Mitarbeiter die KI-Software verwenden.


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.