Serviceplan-Tochter :
Saint Elmo’s übernimmt Aimaq von Lobenstein

AvL wird zu Aimaq von Lobenstein/St. Elmo's: Es ist für beide Seiten ein Gewinn. Saint Elmo's gewinnt Marken- und Aimaq von Lobenstein Digitalwissen hinzu. Aimaq von Lobenstein hatte auch fast keine andere Wahl.

Text: Conrad Breyer

Kennen sich, ergänzen sich, vertragen sich: Florian von Hornstein, André Aimaq, Hubertus von Lobenstein, Thomas Knauer (v.l.)
Kennen sich, ergänzen sich, vertragen sich: Florian von Hornstein, André Aimaq, Hubertus von Lobenstein, Thomas Knauer (v.l.)

Die Geschichte mit der Pleite hat die beiden verändert. Sie abzuwenden hat André Aimaq und Hubertus von Lobenstein in den vergangenen zwei, drei Jahren viel Schweiß gekostet, und so manche Nacht. Ende Februar hat Aimaq von Lobenstein das Schutzschirmverfahren abgeschlossen. Jetzt haben sie ihre Agentur verkauft: Saint Elmo’s, Berlin, übernimmt.

"Wenn Sie durchmachen, was wir durchgemacht haben, werden Sie ziemlich demütig", sagt von Lobenstein. Nicht nur einmal haben sie darüber nachgedacht, wie es mit ihrer Firma weitergehen soll, wenn die überlebt. "Wir sind streng mit uns ins Gericht gegangen", so der Berater. Und stellten fest, dass es der auf Markenführung und Storymaking spezialisierten Agentur an Digitalknowhow fehlt. Freilich: Aimaq von Lobenstein hat seine Leute dafür geholt. Um aber nun möglichst schnell Kompetenz aufzubauen, brauchte es einen festen Partner. Die Aufgaben werden immer komplexer. Auf Dauer hätten die Berliner nicht alle Leistungen ständig einkaufen können.

Umzug ins Digitale: Aimaq von Lobenstein und Saint Elmo's beziehen eine Fläche

Eine Liaison sind sie nun mit Saint Elmo’s, Berlin, eingegangen. Der Agentur aus der Serviceplan-Gruppe fehlte es wiederum an Erfahrung in der Klassik. "Wir haben in Berlin einen digitalen Schwerpunkt", sagt Thomas Knauer, Sprecher in der Geschäftsführung der St. Elmo’s-Gruppe. Außerdem wolle man sich als Kreativagentur etablieren. "Das ergänzt sich nun gut." Aus Aimaq von Lobenstein wird Aimaq von Lobenstein/Saint Elmo’s. Mit Saint Elmo’s, Berlin, beziehen sie in Mitte eine Etage im Haus der Kommunikation von Serviceplan. Der britische Stararchitekt David Chipperfield hat das gestaltet. Ihre Kunden wollen die beiden Agenturen integriert betreuen, zusammen über die 55 Leute hinauswachsen, die sie jetzt noch beschäftigen.

Warum zweimal Saint Elmo's? "Weil die Namen Lobenstein und Aimaq eine relevante Zugkraft im Markt haben", sagt Florian von Hornstein, Geschäftsführer der Serviceplan-Gruppe in München. Er hat die Übernahme auf Seiten der Mutter betrieben; an Aimaq von Lobenstein waren einige interessiert. Vermutlich dürfte es trotzdem nur eine Frage der Zeit sein, bis Aimaq von Lobenstein komplett in Saint Elmo's aufgeht. Auch wenn das erstmal nicht geplant ist. Von Lobenstein und Aimaq führen weiterhin die Geschäfte ihrer Agentur wie Berater Ben Künkler und der Kreative Kevin Prösel die von Saint Elmo’s, Berlin. Auf Kunden wie Berentzen ("Echtland") haben die Agenturen bereits im Tandem gearbeitet, auch in einigen Pitches.

Die Gründer sind bodenständig geworden

André Aimaq, der 1998 die Vorgängeragentur Aimaq Rapp Stolle mitbegründet hat, nimmt die Sache gelassen. Euphorisch ist er nicht, aber auch nicht wehmütig. "Wie gesagt: Dafür sind wir inzwischen zu pragmatisch. Manchmal müssen die Dinge sich ändern, um die gleichen bleiben zu können", so der Kreative. "Wir sind jedenfalls wieder da."


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.