Serviceplan-Gruppe :
Serviceplan erweitert sein internationales Board

Die umsatzstärkste deutsche inhabergeführte Agentur will den internationalen Networks Konkurrenz machen. Dafür schafft Serviceplan nun die Strukturen.

Text: Conrad Breyer

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v.l. Jason Romeyko (Worldwide Executive Creative Director Serviceplan International), Stefan Krötz (Chief Digital Media Officer International), Markus Noder (Geschäftsführer Serviceplan International), Christoph Kunzendorf (Chief Financial Officer International) und Marcus Schnarr (Chief Marketing Officer International)
v.l. Jason Romeyko (Worldwide Executive Creative Director Serviceplan International), Stefan Krötz (Chief Digital Media Officer International), Markus Noder (Geschäftsführer Serviceplan International), Christoph Kunzendorf (Chief Financial Officer International) und Marcus Schnarr (Chief Marketing Officer International)

Fünf Leute waren sie zuletzt. Und vier Leute kommen jetzt dazu. Neben Markus Noder, CEO International der Serviceplan-Gruppe, beschäftigen sich in Zukunft acht Männer damit, die internationale Expansion voranzutreiben, zehn sogar, zählt man Andrea Malgara (Mediaplus Group) und Thilo Krämer (International Planning) Media mit. Die Vision: Aus Deutschland heraus eine internationale Agenturgruppe etablieren, die es mit den Networks dieser Welt aufnehmen kann. Irgendwann.

Serviceplan will also wachsen. Mittelfristig soll das Ausland ebenso viel zum Umsatz der Gesamtgruppe beitragen wie Deutschland, im Moment liegt der Anteil bei einem Viertel. 1500 Kollegen machen 83 Mio. Euro Umsatz und damit 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr (2015/2016). Jüngst hat die Agentur in der Ukraine und in Polen investiert und ist nun mit 14 Standorten außerhalb Deutschlands auf 35 Märkten vertreten. An jedem Ort etabliert Serviceplan über kurz oder lang ein Haus der Kommunikation mit den Marken Serviceplan (Klassik), Plan.Net (Digital) und Mediaplus (Media). Als nächstes kommen die USA dran, dann weitere Standorte in Osteuropa und Asien.

Einkaufen oder Neugründen

Die Strategie, die Markus Noder und sein Team verfolgen, hängt von den Marktgegebenheiten ab: Entweder man beteiligt sich vor Ort oder gründet neu – so geschehen in China. Noder ist zuversichtlich, dass seine Vision Wirklichkeit wird: "Wir können es schaffen, weil die Internationalisierung von Anfang an strategisches Ziel der Gruppe war." Hauptgeschäftsführer Florian Haller fing 2006 damit an, Noder ist seit 2011 dabei. Die Erweiterung des internationalen Teams sei ein klares Zeichen an den Markt. Wobei sich so mancher Kritiker fragt, warum dort nicht prominentere Vertreter Platz genommen haben, wenn Serviceplan es denn schon so ernst meine mit den Expansionsplänen. Noder sagt: "Wir meinen es ernst."

Aus Deutschland heraus haben sich in der Vergangenheit einige inhabergeführte Agenturen an der Internationalisierung versucht. Im großen Maßstab ist das keiner gelungen, die sich nicht am Ende einem Network angeschlossen hätte wie Scholz & Friends (WPP), Heimat (TBWA), jüngst Thjnk (WPP). Der finanzielle und organisatorische Aufwand ist hoch. So nebenbei lässt sich kein internationales Angebot aufbauen. Dabei wäre die Nachfrage durchaus da. Kunden schätzen Chefbetreuung, das Unternehmerische, eine unabhängige Beratung und integrierte Kommunikation mit der Möglichkeit, Etats global zu führen.

Neun Männer führen das International-Team

Dafür hat das Management um Haller jetzt das Team ­Serviceplan International erweitert und zum Teil neu ­zusammengestellt. Neben Markus Noder kam neu dazu Jason Romeyko, Worldwide ECD, zuletzt Teil des Creative Board. Er soll sich um das kreative Produkt im Ausland kümmern. Das Digitale obliegt ganz neu Stefan Kroetz ­als Chief Digital Media Officer – er kommt von Ad-­Audience und soll ein standortübergreifendes Programmatic- und Performance-Angebot schaffen. Tim Schnabel sitzt bereits im Team als Chief Digital Officer. Das ­Marketing verantworten CMO Marcus Schnarr – er ­wurde befördert – und Nicolas Roemer, Chief Business Development Officer für die USA. Um Finanzen und Operatives machen sich neuerdings CFO Chris Kunzendorf, Heinz-Jörg Eberbach (Asien) und – schon länger dabei – Tobias Gärtner als COO Gedanken.

Serviceplan hat das internationale Team neu aufgestellt

Serviceplan hat das internationale Team neu aufgestellt

Bei allem Ehrgeiz achtet Serviceplan sehr darauf, nicht zu schnell zu wachsen. "Organisch anorganisch", nennt Haller das. Neues muss sich in die Kultur fügen. Vor Ort soll lokales Management den Ton angeben, mit 80 Prozent lokalem Geschäft. Das sichert die Expansion wirtschaftlich ab. Allzu schnell geht das so zwar nicht, aber Serviceplan denkt ja nicht wie viele Networks von Quartal zu Quartal. Hier geht es um eine Vision. Für die Zukunft.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.



2 Kommentare

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Nicole Schelter 4. August 2017

Ich danke W&V herzlich für den an anderer Stelle veröffentlichten Beitrag zu der (auch an anderer Stelle) geäußerten Kritik: "Liebe Beate, Ihr habt natürlich alle recht. Wir haben uns das zu Herzen genommen und Winnie Bergmann, unser Personalchef, hat dazu ein Statement verfasst:

Die kritischen Anmerkungen zu unserer Veröffentlichung des internationalen Boards haben uns getroffen. Die Kritik ist berechtigt. Wir können und wollen nicht schön reden, was Fakt ist und auch im Pressebild schwarz auf weiß zu sehen ist. In diesem Management Board und auch an anderen Stellen in der Serviceplan Gruppe gibt es einen hohen oder höheren Anteil an Männern – und es fehlen uns weibliche Führungskräfte. Das ist Realität.

Fakt ist aber auch: Die Serviceplan Gruppe ist damit leider nicht alleine. Frauen haben in der Agenturbranche an vielen Stellen weiter das Nachsehen und sind laut einer Studie des Stuttgarter Digitalunternehmens Filestage 2017 in Werbeagenturen nur mit 21 Prozent auf Führungspositionen vertreten.

Die noch aktuelle Studie des GWA von 2014 besagt ebenso, dass Frauen zwar klar in der Überzahl in Agenturen sind, aber deutlich weniger im obersten Management zu finden sind. Nur 12,1 Prozent der Frauen aber 27,4 Prozent der Männer arbeiten laut GWA in der Agenturbranche in Führungspositionen. Der GWA wird in Kürze eine neue Human Resources Studie veröffentlichen – sind wir gespannt, ob es eine positive Entwicklung gibt.

Das darf und kann selbstverständlich keine Entschuldigung sein, es macht aber deutlich, dass der Frauenanteil in den obersten Managementpositionen in der Agenturbranche – wie auch in anderen Branchen – generell zu gering ist. Und wir stellen uns der Diskussion.

Was sind die Fakten in der Serviceplan Gruppe und was tun wir dafür, dass der Anteil an weiblichen Führungskräften steigen kann?

Insgesamt gibt es in der Serviceplan Gruppe 34 Prozent weibliche Führungskräfte. Damit liegen wir weit über dem Agenturdurchschnitt. Der Titel Führungskraft beginnt in der Serviceplan Gruppe ab Management Supervisor.

Und gerade auf internationale Ebene haben wir in vielen Ländern Frauen an der Spitze – Julie Kang, CEO SP Korea, Kathi Guethoff, CCO China, Vera Yu, GM SP Beijing, Anna Antonova, MP SP Russia, Viktoria Shakova, MD Louder Russia, Jaya Prayad, MD, SP India, Carmen Piquer, MP PublipsServiceplan Spain, Nancy Delhalle, CMO HoC PlanNet Benelux, Carole Giroud, MP SP Lyon, Sandra Griffoni, MP Inmediato Italy, Alexandra Kaube, MD PlanNet AT und Pam Hügli, MD SP Suisse, Diana Degraa, MD PlanNet Hamburg – um nur einige zu nennen.

Und mit Christiane Wolff als Chief Corporate Communications Officer eine weitere Führungskraft, die auch international tätig ist.

Was gibt es in der Serviceplan Gruppe an Leistungen, die wir anbieten, um es Müttern und Vätern einfacher zu machen, weiter im Job zu bleiben:

Wir bieten unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern flexible Arbeitszeit-Modelle an – von der 3- bis zur 5-Tage-Woche bis zu Mobile Office Modellen und wir bemühen uns, passend zum Lebensmodell unserer Kolleginnen und Kollegen individuelle Lösungen zu erarbeiten. Darüber hinaus gibt es an allen Standorten Krippenplätze, die wir in exklusiver Partnerschaft mit einem deutschlandweiten Partner anbieten.

Diese Diskussion, die wir mit der Veröffentlichung entfacht haben, ist Ansporn für uns, uns noch intensiver mit dem Thema weibliche Führungskräfte auseinanderzusetzen. Und wir hoffen, dass dies nicht nur in unserer Agenturgruppe der Fall ist, sondern die Kreativ- und Werbewirtschaft insgesamt Lösungsmodelle und neue Ansätze diskutiert, wie mehr Diversity und Gleichberechtigung auf Managementebene Einzug halten kann.

Wir waren nun mit unserer Veröffentlichung der Auslöser und seid euch sicher, wir möchten dieses Thema gerne konstruktiv vorantreiben, denn wir nehmen es genau wie ihr als alltägliches Problem wahr und sind offen für Vorschläge und Lösungsansätze."

Nicole Schelter 1. August 2017

Ich freue mich, dass Sie die Werbung Ihres Workshops „Klartext reden“ in diesem Artikel mit eingestreut haben, was ich gleich mal üben möchte:
Glauben Sie eigentlich, dass Sie mit einer demonstrativen Präsentation von Nur-Männern im Bild die guten Frauen –immerhin mindestens 50% der Zielgruppe- motivieren können, mitzumachen?
Glauben Sie wirklich, dass in Zeiten von Frauenquote eine derart männlich dominierte Zurschaustellung von „Kompetenz“ die gesamte(!) Zielgruppe mitziehen läßt?
Sind Sie tatsächlich überzeugt davon, dass die Aussage (Nur)„Neun Männer führen das International-Team“ ihre Kompetenz unterstreicht?
Glauben Sie wirklich dass Sie in die gleichen Fußstapfen treten sollten wie die Unternehmen, die sich eine freiwillige Zielgröße von 0/Null (!) Prozent für den Frauenanteil gesetzt haben und Sie damit Pluspunkte sammeln?
Wollen Sie sich ernsthaft als innovativ bezeichnen, ohne Frauen angemessen zu berücksichtigen?
Haben Sie bislang noch nichts von den Studien gehört, die aufzeigen, dass Unternehmen signifikant erfolgreicher sind, wenn mindestens 2 Frauen im Vorstand sind? Ich habe es nicht überprüft, aber die die bislang erfolglos waren: vermutlich hatten die ebenfalls keine Frauen dabei.
Damit habe ich offenbar den Beweis angetreten, dass ich ihren Workshop „Klartext reden“ nicht nötig habe.

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