Spätestens seit vor ein paar Jahren die ersten hochrangigen internationalen Manager ihren Job verloren haben aufgrund ihres offenen sexistischen Fehlverhaltens, hätte es bei dem ein oder anderen männlichen deutschen Agenturmitarbeiter ja mal dämmern können, das was mit dem eigenen Verhalten nicht stimmt. Vom Fall Weinstein mal ganz abgesehen.

Da ist die Lernkurve teilweise noch flach. Als erst neulich eine Branchenkollegin über Facebook den dummen Kommentar ihres Ex-Chefs zu ihrem Foto mit einem Film öffentlich machte, war die Kommentarspalte plötzlich voll mit Beiträgen, dass man das doch nicht machen könne. Den armen Mann so an den Pranger zu stellen. Er hätte sich doch entschuldigt. Ja, wann denn? Doch erst als sie keine Lust mehr hatte, das einfach hinzunehmen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht? Manchmal einfach nicht mehr.

Ist das Machogehabe, Machtmissbrauch und Übergriffigkeit typisch für die Agenturbranche? Es ist typisch für hierarchische Strukturen. Die werden flacher. Und viele Männer empfinden diese Gebaren genauso widerlich wie die Frauen selbst.

Außerdem: Agenturen kämpfen um gute Talente. Keiner kann es sich wirklich leisten, gute Bewerberinnen oder Mitarbeiterinnen zu verprellen, weil einer denkt, er sei Don Draper. Bei den Frauen auf der Auftraggeberseite kommt das auch nicht gut an. Und spätestens, wenn es ums Geld geht, hört der Spaß bekanntlich auf.

Was ist also zu tun? Hinschauen, Mund aufmachen, sich nichts mehr gefallen lassen. Das Thema ist definitiv in der ganzen Branche auf der Agenda. Don Draper, verpiss Dich!


Über die Autorin: Britta Poetzsch arbeitet seit Anfang 2017 als Chief Creative Officer Campaign bei Track. Nach ihrem Studium an der Hochschule der Künste startete sie ihre Laufbahn bei Agenturen wie KNSK und Springer & Jacoby. Von 2002 bis 2012 war sie bei McCann Erickson, danach bei Serviceplan Sales. Anfang 2015 wechselte sie zu Ogilvy Düsseldorf, wo sie als Global Creative Director u.a. den Allianz-Etat betreute. Poetzsch ist langjähriges Mitglied im Vorstand des ADC und wurde im Laufe ihrer Karriere vielfach ausgezeichnet.



Autor: W&V Leserautor

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