Haben Sie ein Patentrezept für die Bildung einer starke Arbeitgebermarke gefunden?

Ein wirkliches Patentrezept, dem jeder einfach folgen kann, gibt es hier aus meiner Sicht nicht nd unser oberstes Ziel ist es auch nicht, eine starke Arbeitgebermarke aufzubauen. Das Wichtigste für uns ist die Zufriedenheit unserer Kollegen. Und dies zahlt sozusagen auf die Arbeitgebermarke ein. Zufriedene Mitarbeiter erzählen in ihren Freundes- und Bekanntenkreisen von ihrer Arbeit bei uns und bessere Werbung, als vom Mitarbeiter direkt, kann es für einen Arbeitgeber kaum geben, da diese ungefiltert und ehrlich ist.

Gerade in der Agenturbranche, in der viele Personalwechsel zwischen den Agenturen Usus sind, ist ein gutes Image als Arbeitgeber sehr wichtig, um sich für potentielle Mitarbeiter überhaupt interessant zu machen. Und hier kommt es auf eine mitarbeiterfreundliche Arbeitsgestaltung an. Aber dies geschieht nicht vor dem Hintergrund, eine starke Arbeitgebermarke zu sein oder zu werden. Die starke Marke ist vielleicht ein nettes Nebenprodukt, lässt sich aber nicht mit Hilfe einer allgemeingültigen Formel herleiten.

Elbdudler residiert in einer ehemaligen Kirche.

 Was tun Sie konkret zur Mitarbeiterbindung? Gibt es bei Ihnen die Möglichkeiten zu ...

a)   ... Home-Office?

Unsere Fluktuationsrate ist im Branchenvergleich ziemlich gering und wir freuen uns, wenn Kollegen nach einigen Jahren in anderen Agenturen wieder zu uns zurückkehren. Gründe dafür gibt es viele. Einer davon ist möglicherweise unsere Home-Office-Regelung. Bei uns ist es möglich, recht kurzfristig zu entscheiden, von wo aus man arbeiten möchte.

So gibt es viele Kollegen, die sich morgens spontan dazu entschließen, den Tag im Home-Office zu beginnen, um dann entweder am Mittag ins Büro zu kommen oder gar den ganzen Tag von zu Hause oder im Café zu arbeiten. Der Ort ist uns dabei völlig egal, solange der Job für alle Seiten zufriedenstellend erledigt wird.

b)    ... Sabbaticals?

Wir sind immer versucht, jeden Wunsch unserer Mitarbeiter zu erfüllen, wenn es irgendwie möglich ist. Wenn sich also einer unserer Kollegen eine Auszeit für mehrere Monate nehmen möchte, setzen wir uns zusammen und checken gemeinsam, wie wir das am besten angehen. Gerade erst sind zwei Kolleginnen jeweils aus einer mehrmonatigen Reise zurückgekehrt und wir freuen uns riesig, dass sie wieder hier sind und von ihren Erfahrungen berichten.

c, ...flexiblen Urlaubszeiten pro Jahr? 

Bei der Urlaubsgestaltung gehen wir auch einen etwas anderen Weg und geben den Mitarbeitern kein festes Kontingent, welches sie im Jahr aufbrauchen sollen. Jeder kann so viel Urlaub nehmen, wie er/sie möchte. Angenommen, man macht in einem Jahr die längere Reise, die man schon immer mal machen wollte, und kann dadurch die Weihnachtszeit nicht mehr bei Familie und Freunden in der Heimat verbringen, weil einem 2 Tage Urlaub dafür fehlen, dann finden wir das sinnlos. Genau so in die andere Richtung.

Beispiel: Ich habe im letzten Jahr meinen Urlaub nicht ganz aufgebraucht, fühle mich dennoch erholt und gut. Warum sollte ich dann meinen Resturlaub einfach abbummeln? Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass hier jeder 60 Tage Urlaub im Jahr nimmt. Wir liegen im Durchschnitt etwa bei 30 Tagen. Das liegt auch daran, dass sich jeder fair den anderen gegenüber verhält, denn in der Zeit der Abwesenheit muss ein anderer Kollege schließlich die Vertretung übernehmen.

d, ...flexible Arbeitszeiten?

Die Arbeitszeiten wollen wir ebenso möglichst flexibel gestalten. Wir haben keine Stempeluhr und auch keine Kernarbeitszeit. Jeder kann sich seine Arbeit so einteilen, wie es ihm am besten passt. Wer Frühaufsteher ist, kommt eben früher und bleibt nicht bis in den späten Abend. Und wer eher ein Langschläfer ist, kann seine Arbeitszeit in die späteren Stunden legen. Alles eine Frage der Absprache.

Die anderen Kollegen sollten natürlich wissen, wann man erreichbar ist und Deadlines sollten auch nicht gerissen werden. Dann ist alles bestens. Kollegen mit direktem Kundenkontakt sind selbsterklärend nicht ganz so frei in der Wahl ihrer Arbeitszeiten, aber hier unterstützt wieder unsere Home-Office-Regelung.

e)  ...Job-Tausch mit anderen Niederlassungen, bzw. Partner-Unternehmen

Uns liegt sehr viel daran, unsere Kollegen zu halten und weiterzuentwickeln. Wünscht sich ein Mitarbeiter eine berufliche Weiterentwicklung oder möchte sich neu orientieren, schauen wir gerne gemeinsam, ob dies innerhalb von Elbdudler möglich ist. So ist ein Wechsel zwischen den Gewerken nicht unüblich. Bestes Beispiel hierfür ist vielleicht einer unserer Geschäftsführer, der als Community Manager bei uns begann und über mehrere Zwischenstationen zu seiner jetzigen Position gelangt ist.

Wir haben auch Mitarbeiter, die für einige Monate ins Ausland gehen und von dort aus für uns arbeiten. Das funktioniert bisher auch spitze.

f, Möglichkeiten für eigene Herzensprojekte außerhalb des bezahlten Kundengeschäfts?

In der gleichen Position bleiben und sich dennoch weiterentwickeln ist bei uns selbstverständlich auch möglich. Wir bieten zum einen die Möglichkeit, sich in unserer Academy für Workshops und Vorträge einzutragen, die spannend sind. Getreu unserem zweiten Gebot: "Unser Wissen ist dazu da, geteilt zu werden”, bieten Kollegen mit Expertise in einem bestimmten Themenfeld hier Workshops für alle anderen an. Dabei kann wirklich jeder daran teilnehmen, egal, aus welchem Gewerk.

Gibt es Themen, die wir nicht intern abdecken können, laden wir auch gerne externe Speaker, Coaches, Experten zu uns ein oder ermöglichen den Besuch von Messen oder externen Workshops. Auch hier gibt es kein festes Budget pro Mitarbeiter. In Absprache mit dem Teamlead entscheidet er/sie selbst, ob der Besuch kosten- und zeittechnisch sinnvoll ist. Bei Bedarf werden auch individuelle Coachings innerhalb der Agentur angeboten. Dafür bauen wir uns derzeit ein kleines Netzwerk an passenden Coaches auf.

g, ... bezahlten Überstunden?

Wir wollen es eigentlich gar nicht erst zu Überstunden kommen lassen, was als Agentur leider nicht gänzlich möglich ist. Vor allem, wenn man geile Arbeit abliefern möchte. Und das ist auch unser Anspruch. Deshalb werden Überstunden oder Wochenendarbeit, die bei uns nicht die Regel sind, über einen Freizeitausgleich abgegolten. Dabei hilft uns unser flexibles Anwesenheitsmodell: Komm am folgenden Tag einfach etwas später zur Arbeit oder nimm dir den Tag frei. Sollte dies nicht direkt möglich sein, da weitere Termine anstehen, kann man sich auch später diese Zeit in Form von Urlaub wieder zurückholen. Auch hier alles eine Frage der Absprache.

Wir sind auch sehr flexibel, was die Anzahl der Wochenarbeitsstunden anbelangt. Äußert einer der Kollegen den Wunsch, seine Stunden zu reduzieren oder aufzustocken, setzen wir alles daran, dies zu ermöglichen. So haben wir mittlerweile die unterschiedlichsten Teilzeit-Systeme bei uns. Egal ob 20, 25, 30, 32 oder 36 Stunden verteilt auf 3, 4 oder 5 Tage - hier findet man so gut wie alles.

So sieht's im Innern der Kirche aus.

Kletterwand, Baumhaus, Sterne-Kantine – was gibt es bei Ihnen an unüblichen Incentives für Mitarbeiter?

Jeden Montagabend kommt eine Trainerin vorbei und wir haben die Möglichkeit zwischen Yoga, Fit & Functional, Deep Work und weiteren Sportprogrammen zu wählen. Zweimal die Woche kommt eine ordentliche Lieferung an Obst und Gemüse für alle und Getränke gibt es auch für lau. Wir haben eine voll ausgestattete große Küche, in der sich jeder sein Essen zubereiten und kochen kann. Das Beste hier ist vermutlich unsere Küchenfee Angela, die immer für Ordnung und gute Laune sorgt.

Immerhin konnten wie dadurch auch die lästigen Putzdienste abschaffen. Wer mal nicht selber kochen will, findet in der Nähe viele nette Restaurants mit tollen Mittagstischangeboten. Da sich einige davon als heimliche Elbdudler-Kantinen entpuppt haben, gibt es dort auch satte Rabatte für uns.

Wer sein Englisch weiter aufpolieren möchte, kann sich jederzeit einen Termin mit unserer festangestellen Englischlehrerin einstellen. Egal ob Gruppencoachings, 1on1 oder Übersetzungen. Das beste Training ist vermutlich aber der Smalltalk, wenn sie einen an der Kaffeemaschine überrascht und man aus dem Nichts ins Englische wechseln darf. Anfangs hatten wir den Kollegen nicht erzählt, dass sie auch Deutsch kann. Da haben sie sich noch mehr bemüht und konnten nicht einfach ins Deutsche ausweichen. Aber irgendjemand hat's verraten. So viel zur Transparenz.

Außerdem feiern wir sehr gerne! Egal ob Teamabend, Weihnachtsfeier oder unser jährliches Dänemark-Wochenende: Wir finden immer einen Grund! Und sei es die "Einweihung" eines neuen Büros.

Wie erfassen Sie die Mitarbeiterzufriedenheit? Welche Ihrer Errungenschaften sind den Mitarbeitern besonders wichtig?

Wir sind nah dran an allen und allem, auch die Geschäftsführung. Wir reden am liebsten viel und direkt miteinander, sodass wir vieles unmittelbar und schnell mitbekommen.

Alle Entscheidungen bei uns werden basisdemokratisch getroffen. Gutes Beispiel ist die Ernennung unserer 3 weiteren Geschäftsführer, die unserem Gründer Julian Vester durch eine Wahl an die Seite gestellt worden sind. Auch bei der Wahl unserer Kunden gibt es ein Mitspracherecht für alle. Jeder kann also seine Bedenken bei jeglichen Themen äußern und diese Meinungen haben Gewicht.

So fordern wir auch ein, dass Probleme offen und möglichst direkt angesprochen werden. Eine Möglichkeit dafür ist unser wöchentlich stattfindendes Fazitmeeting, in dem negative, neutrale und positive Dinge zur Aussprache kommen. Zudem kann jeder ein sogenanntes Instant Feedback abgeben. Also ein zeitnahes Äußern von Kritik oder auch Lob.

Transparenz gehört zum Agentur-Alltag dazu.

Hand aufs Herz: Wie hoch ist bei Ihnen die Frauenquote?

Der Anteil an Frauen beträgt bei uns 65 Prozent.

Wie hoch die Quote der Mitarbeiter über 45? Und unter 25?

Mitarbeiter über 45 Jahre machen bei uns bisher lediglich 2,6 Prozent aus. 5,3 Prozent unserer Kollegen sind noch unter 25 Jahren. Unser Durchschnittsalter liegt derzeit bei 30,4 Jahren.

Wie lang bleibt ein Mitarbeiter im Schnitt? 

Viele unserer Kollegen sind länger als der übliche Schnitt von etwa 1,5 bis 2 Jahren bei uns. In letzter Zeit haben wir einige Jubiläen gefeiert, die über die 4-Jahres-Grenze hinausgehen. Dafür, dass wir keine 10 Jahre alt sind, ist das gar nicht mal so übel.

Clean-Desk-Policy oder ganz persönliche Schreibtische? Wie steht Ihre Agentur zu dem Thema?

Wir haben vor etwas über einem Jahr ein Desk-Sharing-System bei uns eingeführt vor dem Hintergrund, dass es durch das schnelle Wachstum so langsam etwas gemütlich bei uns in der Kirche wurde und wir es uns platztechnisch nicht erlauben können, dass viele besetzte Schreibtische in der Urlaubszeit ungenutzt bleiben.

Daher ist jeder Arbeitsplatz identisch ausgestattet mit Monitor, Tastatur, Maus etc., so dass man sich einfach in den wöchentlich neu aufgesetzten Sitzplan eintragen kann und sich anschließend auf den neuen Platz setzt. Dann kann auch sofort losgelegt werden.

Wie stehen Sie zur internen Offenlegung aller Gehälter im Unternehmen?

Bei uns kann jeder Kollege vom ersten Tag an sehen, was die Anderen verdienen. Dies ist aus unserer Historie gewachsen und stellt einen wesentlichen Punkt unserer Organisation dar: Transparenz. Natürlich bringt die Offenlegung nicht nur Positives mit sich, doch wir sind der Meinung, dass die Vorteile hierbei deutlich überwiegen.

Wir versuchen damit Ungerechtigkeiten zu vermeiden. Ein Gender-Pay-Gap beispielsweise gibt es bei uns nicht. Das Gehalt bemisst sich an der Berufserfahrung. So entgehen wir auch möglichen Tuscheleien darüber, was wohl Kollege X oder Kollegin Y vermeintlich verdient.

Dann wollen wir natürlich wissen: Was verdient ein Junior bei Ihnen im ersten Jahr?

Ein Junior im ersten Jahr verdient bei uns gewerksübergreifend 30.000 EUR ausgehend von einer 40-Stunden-Woche. Alle Gehälter steigern sich jährlich automatisch um 3,5 Prozent, ohne, dass dafür verhandelt werden muss.

Mehr Agenturporträts, u.a. von Jung von Matt, Scholz & Friends und Serviceplan finden Sie in unserem Dossier Arbeitswelt Agenturen.

Mehr zum Thema Gehalt in Agenturen in unserem Dossier Gehalts-Check

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Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.