Agenturkultur :
So arbeitet es sich bei ... Mayd

Vernissagen, eigene Installationen oder Töpferkurse - bei Mayd ist Kreativität nicht etwas, was sich nur in Arbeit entladen darf. Das Porträt einer Agentur, die eigentlich keine sein will.

Text: Anja Janotta

Mayd-Chef Bahador Pakravesh managt das HR selbst.
Mayd-Chef Bahador Pakravesh managt das HR selbst.

Arbeit als Kunstprojekt: Mayd gibt den Mitarbeitern die Chance, sich in allen Bereichen kreativ auszutoben. Auch mit ihren eigenen Kunstideen. Deshalb sitzt die Agentur in einer Galerie und die Mitarbeiter stellen dort aus. Gründer Bahador Pakravesh erzählt von der besonderen Philosophie von der Agentur, die sich eigentlich gar nicht als Agentur sieht. Nummer 35 der Agenturporträts.

Gibt es in Ihrer Agenturgruppe Berufsfelder und Jobs, die lange unbesetzt bleiben und für die Sie händeringend nach Personal suchen? Wenn ja, wie lange sind die Stellen unbesetzt? Und was machen Sie, um genau dort Leute zu finden?

Wir haben zum Glück keine Probleme, was das Besetzen von Positionen angeht. Es ist eher umgekehrt der Fall. Mit Glück hat dieser Umstand aber auch nichts zu tun. Mayd ist seit Gründung vor vier Jahren als nicht noch irgendeine Werbeagentur angetreten.

Wir haben Mayd aus einer eigenen Notwendigkeit gegründet, um Kreativen einen echten Zufluchtsort zu bieten, in einem Umfeld, das die höchstmögliche Motivation für außergewöhnliche Ideen schafft.

Im Zentrum von Mayd steht deshalb das "Studio of creative arts", in dem Mitarbeiter ihr Leben und ihre Kunst zusammen mit der Tatsache, dass jeder irgendwelche Rechnungen zu zahlen hat, vereinbaren kann.

Haben Sie ein Patentrezept für die Bildung einer starken Arbeitgebermarke gefunden?

Für uns ja. Wenn man der ehrlichen Frage nachgeht in welchem Umfeld man den größten Teil seines Lebens verbringen will, ergibt sich eigentlich alles von selbst. Freiheit, Verantwortung, Vertrauen, Selbstverwirklichung, Spaß aber vor allem die Tatsache, nicht irgendeine Rolle spielen zu müssen, macht Mayd zu Mayd.

Kunst gehört dazu.

Was tun Sie konkret zur Mitarbeiterbindung? Gibt es bei Ihnen die Möglichkeiten zu
a, Home-Office

Home Office geht uns noch nicht weit genug. Bei Mayd gibt es generell keine Schubladen. Jeder Mayd bekommt sein Briefing und damit auch die volle Verantwortung dafür. Ob das dann zu Hause oder sonst wo gelöst wird, spielt bei uns keine Rolle. Es gibt feste Abstimmungsmeetings und Deadlines, mehr braucht es aus unserer Sicht nicht. Die Verantwortung und der eigene Anspruch etwas Außergewöhnliches zu schaffen, ist schon Druck genug.

b, Sabbaticals

Völlig überflüssig und für uns auch nur ein Beweis dafür, dass irgendetwas schief gelaufen ist. Wer tut was er liebt, der braucht davon keine Auszeit oder ein sogenanntes "Sabbatical".

c, flexiblen Urlaubszeiten pro Jahr

Selbstverständlich.

d, flexible Arbeitszeiten

Dieses Thema war uns von Anfang an wichtig. Für uns hat jeder Mensch einen ganz eigenen Lebensrhythmus. Wieso sollte man da jemanden der morgens ganz einfach noch nicht fit ist, zur Arbeit zitieren? Umgekehrt gibt es Menschen, die nachts nicht funktionieren. Jeder Mitarbeiter kann sich bei Mayd die Arbeitszeit komplett frei einteilen.

Und wenn jemand für eine Aufgabe nur wenige Stunden braucht und dann fertig ist, kann er/sie machen, was immer sie will. ABMs gibt’s bei uns nicht und sollte es generell nirgends geben.

e, Job-Tausch mit anderen Niederlassungen, bzw. Partner-Unternehmen

Haben wir als lüttes Kreativstudio nicht.

f, Möglichkeiten für eigene Herzensprojekte außerhalb des bezahlten Kundengeschäfts?

Eigene Projekte werden bei uns nicht nur ermöglicht und finanziell gefördert, sondern auch gefordert. Deshalb ist dies auch bei uns fest im Business-Model verankert.

g, bezahlten Überstunden?

Wir haben keine "Überstunden" bei Mayd. Sonst müssten wir in der Konsequenz auch "Unterstunden" einführen, wenn ein Mitarbeiter dann doch früher fertig ist. Auch würde das den Begriff "Arbeit" bei uns zu sehr begrenzen. Die nicht bezahlten Jobs sind genauso wichtig wie die bezahlten und nicht minder anstrengend.

Schaukeln statt Besprechungsstühlen.

Kletterwand, Baumhaus, Sterne-Kantine – was gibt es bei Ihnen an unüblichen Incentives für
Mitarbeiter?

Wir sitzen nicht irgendwo, sondern ganz bewusst in einer Galerie. Dieser Open Space kann von unserer Mitarbeitern für alles genutzt werden. Hier werden von Beginn an Vernissagen veranstaltet, manche geben Töpferkurse, manche schmeißen ihre Geburtstagsparty und andere bauen irgendwelche Installationen.

Wir haben zudem zwei Terrassen zum Chillen und Grillen, unten im EG und auf dem Dach. Und weil wir auch an Power Napping glauben, kann sich jeder, der einmal durchhängt, in unsere Affen-Black-Box zurück ziehen und schlafen, Playstation zocken oder Netflixen.

Die Affen-Black-Box von Mayd.

Wie erfassen Sie die Mitarbeiterzufriedenheit? Welche Ihrer Errungenschaften sind den Mitarbeitern besonders wichtig?

Wir sind eigentlich immer im direkten Austausch mit unseren Mitarbeitern. Alles wird offen angesprochen. Stolz sind wir dann aber schon, wenn unsere Mitarbeiter ihre Projekte auf die Straße bringen und sie dann ausstellen oder releasen oder oder oder.

Wie hoch ist bei Ihnen die Frauenquote?

Jetzt in diesem Moment 70 Prozent. Wir steuern dies aber nicht. Völlig egal ob Frau oder Mann, Alt oder Jung, der Beste für einen Job sollte den Job bekommen. Deshalb sind wir auch große Befürworter der anonymen Bewerbung.

Wie hoch ist die Quote der Mitarbeiter über 45? Und unter 25?

0 Prozent und 0 Prozent.

Wie lang bleibt ein Mitarbeiter im Schnitt?

Bis auf ein missglücktes Experimente in Sachen Beratung gibt es bei uns kaum Fluktuation.

Clean-Desk-Policy oder ganz persönliche Schreibtische? Wie steht Ihre Agentur zu dem Thema?

Die Galerie, die ja ein Open Space ist, kann nur eine Clean-Desk Policy haben, damit jeder sie nutzen kann. An den Schreibtischen kann jeder machen, was er möchte.

Wie stehen Sie zur internen Offenlegung aller Gehälter im Unternehmen?

Würden wir sofort machen, nur sind die Gehälter bei uns so flexibel wie unser Arbeitsmodell. Wir reden mit jedem Mitarbeiter individuell über Gehalt und Aufgabenbereiche und passen dies an.

Dann wollen wir natürlich wissen: Was verdient ein Junior bei Ihnen im ersten Jahr?

Gar nichts. Wir haben keine Junioren :-D


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.