Autovermieter :
Thjnk New York gewinnt US-Etat von Sixt

Torben Otten und Georg Baur sichern der neuen US-Niederlassung von Thjnk den Prestigekunden Sixt USA. Jung von Matt hat angeblich mitgepitcht, zog aber den Kürzeren. Hier geht's zur neuen Kampagne.

Text: Lena Herrmann

Die "Rent Is Too Damn High Party" gibt's wirklich: Bislang ging's der aber nur um die Wohnungsmieten.
Die "Rent Is Too Damn High Party" gibt's wirklich: Bislang ging's der aber nur um die Wohnungsmieten.

Gerade erst verkündete Thjnk New York die deutsche Luxusuhrenmarke Wempe als Neukunden, schon gibt es weiteres Neugeschäft zu verkünden. Nach einem Pitch gewinnen die beiden Managing Creative Partner Georg Baur und Torben Otten, die das US-Büro leiten, die Autovermietung Sixt. Jung von Matt, die seit vielen Jahren den Etat hierzulande hält, hat dem Vernehmen nach mitgepitcht.

Die Zusammenarbeit ist langfristig angelegt. Allerdings ist Sixt in den USA bei weitem nicht so stark vertreten wie in Deutschland. Bislang hatte der Autovermieter keine eigene Leadagentur für den US-Markt.

Eine erste Kampagne ist bereits gestartet. Mit "The Rent Is Too Damn High" bringt Sixt seine Botschaft mit freundlicher Unterstützung des "Rent Is Too Damn High“-Parteigründers unters Volk. Dieser ist dafür bekannt, den Politikbetrieb in den USA aufzumischen, nicht zuletzt dank der konsequenten Fokussierung auf genau eine einzige Botschaft.

Während diese Botschaft bisher auf die horrenden Wohnungsmieten in US-Großstädten bezogen war, konnte Sixt den Gründer der Partei, Jimmy McMillan, dafür gewinnen, sich in Zukunft nun auch gegen zu hohe Automieten auszusprechen. In einer Pressekonferenz erklärt Jimmy McMillan sich – und liefert damit nicht nur eine Preisansage an die etablierten US-Autovermieter, sondern auch eine Satire auf den aktuellen Wahlkampf.

Neben McMillan sind in der neuen Sixt-Kampagne auch der Journalist Cenk Uygur und der Comedian Josh Ostrovsky zu sehen. Cenk Uygur ist in den USA vor allem für seine Show "The Young Turks" bekannt. Die Sendung gilt als die erfolgreichste Internet-Newsshow der Welt. Zusätzlich unterstützt Instagram-Star Josh Ostrovsky (u.a. "Zoolander No. 2") die "The Rent Is Too Damn High"-Bewegung auf seine ganz eigene Art und Weise.

Die Kampagne, die aus einem Online-Film, dem Film-Song (als Download) und diversen Social-Media-Maßnahmen besteht, ist pünktlich eine Woche vor den US-Wahlen angelaufen.

Johannes Boeinghoff, Geschäftsführer, Sixt USA: "Sixt ist in den USA mit mittlerweile über 70 Stationen nach wie vor der New Kid on the Block. Mit spitzer und ungewöhnlicher Kommunikation möchten wir genauso wie in Deutschland oder anderen europäischen Ländern die Aufmerksamkeit auf Sixt ziehen und potentielle Kunden dafür begeistern, die Premiumflotte von Sixt zu testen."

Der Sixt-Etat ist bei Agenturen sehr beliebt, weil der Autovermieter aktuelle und provokante Motive und so Platz für die kreative Etnfaltung der Werber lässt. Auch wenn es immer wieder vereinzelt Agenturen gab, die bei Sixt einen Punkt landen konnten, so gilt das Verhältnis der beiden Chefs Jean-Remy von Matt und Erich Sixt als so stabil, dass es bisher keine Agentur geschafft hat, Jung von Matt den Etat abzuluchsen. Spätestens seit Anfang 2004 BBDO offenbar versucht hat, den Kunden mit kostenloser Arbeit an sich zu binden und der Streit zwischen der damaligen BBDO-Spitze uind Jung von Matt eskalierte, galt das Verhältnis zwischen Agentur und Kunde als sehr innig.

Die Thjnk-Vorstände Armin Jochum und Karen Heumann waren bereits Ende 2011 selbst Gegenstand einer kleiner Sixt-Kampagne. "Wer schneller weg will, mietet bei Sixt" hatte Jung von Matt getextet und die beiden ehemaligen Jung-von-Matt-Manager gezeigt, die gemeinsam am Steuer eines Mietwagen saßen. Die Kampagne war eine Reaktion auf die Kündigung der beiden und deren Wechsel zum Rivalen Kempertrautmann (heute Thjnk). Auch Otten und Baur sind mit Jochum und Heumann von Jung von Matt zu Thjnk gewechselt. Seit Frühjahr 2015 leiten sie das damals neu eröffnete New-York-Büro.

Thjnk New York soll unter der Leitung der beiden Top-Kreativen Baur und Otten eine Anlaufstelle für deutsche Marken werden, die ein speziell auf die USA zugeschnittenes Kommunikationskonzept wünschen. Neben Wempe und Sixt arbeiten die sechs Leute in New York, die bis auf eine Ausnahme alle aus Deutschland stammen, für Audi Canada und die American Pistachio Growers.


Autor:

Lena Herrmann
Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.