Aber sich nur mit kleinteiliger Werbung zu befassen, führt zu keiner Öffentlichkeit und damit zu nichts. Foodwatch macht dies gerade wieder einmal beispielhaft vor. Deswegen müssen Organisationen wie Pinkstinks auch größer denken und handeln. Um Sichtbarkeit und Lautstärke zu gewinnen, kann man sich nicht den Autohändler um die Ecke vorknöpfen. Da muss man sich schon mit größeren Unternehmen anlegen. Von denen gibt es aber kaum welche, die sexistisch werben (von dieser aktuellen Ausnahme mal abgesehen). Und wenn, dann meist so, dass sie sich damit ohnehin keinen Gefallen tun.

Doch was ist bitte daran sexistisch, wenn der Po einer Frau von hinten gezeigt wird, die mit einem Bikini bekleidet ist? Mit diesem Motiv bewirbt ein bekannter Anbieter von Urlaubsreisen seine Sommerangebote. Heißt dies, weiter gedacht, dass alle Frauen, die am Strand einen Bikini tragen, Sexisten sind?

Nun mag es durchaus Motive geben, die Frauen in einem "geschlechtsbezogenen Unterordnungsverhältnis" darstellen, etwa wie in dieser Skyy-Vodka-Anzeige. Doch wenn man solche Kampagnen zensieren, pardon, verbieten würde - ändert sich dann etwas am Verhältnis der Geschlechter? Wohl kaum. Werbung ist hier vielmehr nur der Ausdruck real existierender Gegebenheiten. Und die existieren völlig unabhängig davon, ob man diese Werbung nun veröffentlichen darf oder nicht. Aber es ist natürlich einfacher, sich mit den Symptomen zu befassen und diese anzugreifen, als die wirklichen Ursachen anzugehen.

Machen wir uns nichts vor: Die Zensur der Werbung ist nur ein Schritt. Andere Bereiche werden folgen, wo man auch Sexismus zu finden glaubt. Am Ende des Tages mag es zwar keine Diskriminierung mehr geben, aber wir leben dann in einer eingeebneten Welt.

Wer will das?

Über den Autor:

Heiko Burrack (geb. 1967) schloss 1995 sein BWL-Studium mit dem Schwerpunkt Marketing an der Uni Göttingen ab. Danach arbeitete der Diplomkaufmann in der Kundenberatung unterschiedlicher Agenturen (Dorfer Dialog, McCann Erickson). Im Jahr 2003 gründete er die Agenturberatung Burrack NB-Advice. Burrack ist auch Autor diverser Fachbücher zu Agenturthemen.


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