Können Sie sich jetzt vorstellen, längerfristig in der Branche zu bleiben? Wenn ja, warum?

Midré: Ich muss diese Branche erst einmal besser kennenlernen, um dazu eine Aussage treffen zu können.

Celan: Definitiv. Werbung interessiert mich einfach zu sehr, als dass ich nur kurz in der Branche bleiben wollen würde. Es ist zwar ein sehr kompetitives Feld, aber genau das macht es ja so dynamisch, wenn nicht gar abenteuerlich. Gleichzeitig habe ich bei dem Wort „längerfristig“ natürlich auch so meine Bedenken, vor allem in puncto Work-Life-Balance. Da bekommt „abenteuerlich“ dann nochmal eine ganz andere Konnotation. Meine derzeitige Maxime lautet: Als junger Mensch kann man sich dem noch beugen, als erfahrener Werber hat man dann hoffentlich genug Einfluss und Mut, um gewisse Aspekte innerhalb der Branche mit zu gestalten bzw. zu verbessern.

Wie beurteilen Sie solche Recruiting-Maßnahmen wie das Strategy Weekend: Geben diese einen realistischen Einblick in das Arbeitsleben von Agenturen? Wünschen Sie sich mehr davon? Was müssen diese Maßnahmen bestenfalls bieten?

Midré: Generell finde ich das Konzept des Strategy Weekends sehr gut, denn es handelt sich für alle Parteien um eine Win-win-Situation. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit Agentur-Luft zu schnuppern, Scholz & Friends fördert motivierte Rekruten und der Kunde erhält pro bono eine Ansammlung der frischsten Ideen für sein Produkt. Ich würde mir wünschen, dass es solche Maßnahmen häufiger gäbe, sodass man vielleicht eine Art Seminarreihe daraus gestalten könnte.

Celan: Recruiting-Maßnahmen wie das Strategy Weekend, Assessment-Center und Co. helfen doch letztlich beiden Seiten bei der Wahl. Da sich das Strategy Weekend mehr wie ein Mini-Praktikum als ein Assessment-Center angefühlt hat, ist diese Maßnahme echt gut gelungen. Mir persönlich hat es bei der beruflichen Orientierung (und auch hinsichtlich meiner weiteren Studienwahl) geholfen und ich kann inzwischen sagen, dass es eine ziemlich akkurate, wenn doch intensivierte, Abbildung des realen Agentur-Arbeitslebens war. Außerdem finde ich es bei solchen Recruitings gut, dass man die Möglichkeit bekommt mit anderen Bewerbern in Austausch zu gelangen. Das bringt interessante Gespräche hervor, da man ja aus den unterschiedlichsten Bereichen kommt und doch dasselbe ausprobieren möchte.

Weiter gefragt: Was muss aus Ihrer Sicht ein Arbeitgeber heute vordringlich bieten?
Midré: Ich schätze Flexibilität und ein angenehmes Arbeitsumfeld, indem man sich auch mal zurückziehen kann. Gerade in kreativen Berufen finde ich das sehr wichtig. Der Arbeitgeber sollte sich bemühen, seine Mitarbeiter individuell aber auch das Miteinander zu fördern.

Celan: Neben gewissen Hygienefaktoren wie Fairness, Transparenz und Wertschätzung, muss in der Werbebranche vor allem auch eine starke Unternehmensvision geboten werden, die in der Unternehmenskultur auch erlebbar gemacht wird. Generell sollten Vorgesetzte stets als Vorreiter dieser Vision fungieren und zu inspirieren und motivieren wissen. Ansonsten kommt schnell Frust auf, wenn der Stresspegel dann mal wieder höher liegt.

Welches Image haben Agenturen bei Ihnen und Ihren Zeitgenossen? Wie attraktiv ist die Branche im Allgemeinen?
Midré: In meinem Umfeld haben viele bei dem Wort „Werbeagentur“ automatisch das Bild der TV-Serie ‚Mad Men‘ im Kopf: Die Branche wird einerseits als reizvoll und aufregend angesehen, andererseits zähle hier immer nur Gewinn und Leistung. Viele meiner Kommilitonen befürchten außerdem, dass sie irgendwann für ein Produkt werben müssten, dass sie ethisch nicht vertreten können.

Charitea und Vierpfoten sind ja sicherlich ein spannende Kunden mit einer überzeugenden Kernbotschaft. Wie wichtig ist es für Sie, mit Ihrer Arbeit auch etwas Sinnstiftendes zu schaffen?
Midré: Unglaublich wichtig. Für einen Kunden mit einer sozialen Mission wie Charitea zu arbeiten, motiviert mich besonders. Natürlich kann man nicht immer den Anspruch haben, dass jedes Produkt, für das man wirbt, einen voll und ganz begeistert. Aber es ist erstaunlich, wie man auch aus einem im ersten Augenblick eher banalen Produkt eine innovative Idee entwickeln kann.

Celan: Tatsächlich sehr wichtig, vor allem auf langfristige Sicht. Glücklicherweise sehen das auch immer mehr Unternehmen und ganze Branchen so. Wobei man hier nochmal differenzieren muss zwischen Stiftungen und Organisationen, deren Mission es ist eine bessere Welt für alle Beteiligten zu schaffen, und Unternehmen, die sich im Rahmen der CSR an Themen wie Nachhaltigkeit, Wohltätigkeit, Gleichberechtigung und Diversität beteiligen. Es ist natürlich umso schöner, wenn man merkt, dass sich ein Unternehmen an derartigen Themen aus authentischen Gründen beteiligt.

Welches Feedback gab’s eigentlich vom Kunden?
Midré: Das Feedback von Charitea war sehr gut. Aus unseren Pitches konnten sie sicherlich viele Ideen zur  Weiterentwicklung mitnehmen. Ich bin auch schon gespannt, ob ich irgendwann etwas von diesen Ideen in einer Kampagne wiederfinden werde. Das würde mich ziemlich stolz machen.

Celan: Die Kundin war ziemlich zufrieden mit den Ergebnissen, die wir in verschiedenen Teams erarbeitet hatten. Die Anwesenheit der Kundin war noch ein weiterer Pluspunkt des Strategy Weekend. Aber es gab ja nicht nur Feedback von der Kundin, sondern auch von den Strategen und Vorgesetzten aus der Agentur. Das hat alles sehr geholfen und man konnte dadurch nochmal viel mitnehmen zum Schluss.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.