Perspektive :
Wenn die Groko scheitert: Diese Agenturen machen Wahlkampf

Sollte es zu Neuwahlen des Bundestags kommen, stehen die Wahlkampfagenturen des Vorjahres wieder bereit.

Text: Peter Hammer

Wer betreut die CDU, sollte es zu Neuwahlen kommen? Der Vertrag mit Jung von Matt endete am 24. September 2017.
Wer betreut die CDU, sollte es zu Neuwahlen kommen? Der Vertrag mit Jung von Matt endete am 24. September 2017.

Auch wenn es viele Zeitgenossen für unwahrscheinlich halten: Ausgeschlossen ist es nicht, dass Deutschland 2018 nochmals an die Urne muss. Dann stünde den Bundesbürgern ein Wahlkampf bevor, wie sie ihn noch nie zuvor erlebt haben. Und den Parteien blieben nur sechs Wochen Zeit, mit ihren Agenturen auf Stimmenfang zu gehen.

Doch welche Agenturen werden es sein? Die aus dem vergangenen Jahr? Arbeiten sie bereits an Konzepten? Liegen gar bereits fertige Kampagnen in den Schubläden?

Bei der SPD ist die Sachlage vergleichsweise einfach

Auf Bundesebene arbeiten die Sozialdemokraten weiter mit der Hamburger KNSK zusammen. Auch wenn es durchaus kritische Stimmen zur Bundestagswahlkampagne 2017 gab, die KNSK gemeinsam mit dem damaligen Generalsekretär Hubertus Heil entwickelt hat.

Der Vertrag ist langfristig angelegt. Zwar hat die Agentur keine fertigen Lösungen parat, doch kann sie sofort loslegen. Auch personell ist dafür gesorgt, um von heute auf morgen die erforderlichen PS auf die Straße zu bringen. 

Das sieht bei der CDU schon mal anders aus

Die mit großer medialer Aufmerksamkeit begleitete Zusammenarbeit der Kanzlerpartei mit der renommierten Kreativadresse Jung von Matt lief am 24. September 2017 aus. Und wurde seitdem nicht erneuert.

Zufrieden war man mit der Kampagne am Ende nicht. Zumindest auf Agenturseite. Der scheidende Vorstand Thomas Strerath sprach öffentlich von einem Scheitern. Auch bei der Union dürfte sich die Begeisterung rückblicklend angesichts des Wahlergebnises in Grenzen halten. Weiter dazu äußern will man sich im Konrad-Adenauer-Haus aber nicht. Auch nicht zur Zukunft.

Auskunftsbereiter ist die Agentur. Man werde sich einer erneuten Zusammenarbeit nicht verwehren, sagt Thomas Strerath im Gespräch mit W&V. Eine vorsichtige Anfrage der CDU hätte es bereits gegeben.

Da haben es die FDP-Werber von Heimat in Berlin leichter

Die Zusammenarbeit mit der Lindner-Partei läuft weiter. Details werden allerdings nicht verraten. Wenn es um den Bund geht. Auf Länderseite gibt es andere Konstellationen.

So holte gerade David + Martin aus München das Mandat für den Landtagswahlkampf der FDP in Bayern. Nach wie vor kümmert sich bei Heimat Geschäftsführer Matthias Storath um den Kunden. Aber fertige Konzepte gäbe es nicht, sagt der Kreative.

Vergleichbar ist die Situation bei der CSU

Sie hatte 2017 als maßgebliche Agentur die Serviceplan-Tochter Saint Elmo's verpflichtet. Der Vertrag läuft weiter. Aber etwaige Neuwahlen seien bislang kein Thema gewesen, sagt Saint-Elmo's-Geschäftsführer Thomas Knauer.

Bleiben Bündnis 90/Die Grünen

Die Partei hatte im vergangenen Jahr Ziemlich Beste Anworten (ZBA) verpflichtet, eine eigens für diese Aufgabe formierte Einheit. Offiziell ist die Zusammenarbeit beendet. "Die tägliche Kreativ- und Beratungsarbeit und die Anwesenheit in der Geschäftsstelle war ab dem Wahltag Geschichte. Die kommunikationsstrategische Beratung ging allerdings noch darüberhinaus bis in die Sondierungsgesprächszeit", sagt Matthias Riegel, einer der Köpfe der Wahlkampfagentur.

Und wenn es Neuwahlen gibt? "Sagen wir es mal so: Die Grünen suchen auch in 2018 nach ziemlich besten Antworten. Der Rest wird sich zeigen", so Riegel.

Ob die gebraucht werden? Der Sonderparteitag der SPD in Bonn diesen Sonntag könnte erste Indizien liefern. Sollte das mit der Union ausgehandelte Sondierungspapier mehrhaltlich durchfallen, wäre der Weg zu einer Groko wohl verbaut.

Hält die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Ablehnung einer Minderheitsregierung fest, könnten Neuwahlen die Konsequenz sein. Für den Bund ein teures Vergnügen. Laut diversen Berichten lagen die geschätzten Kosten für die Bundestagswahl 2017 schon bei rund 92 Millionen Euro. Weitere Millionen würden dann folgen.