Kreation des Tages :
Wie Warsteiner aus mieser Werbung gute macht

Die deutsche Brauerei hat absichtlich einen miesen Spot in Argentinien verbreitet. Um ins Gespräch zu kommen. Ein mutiger Coup.

Text: Susanne Herrmann

Warsteiner in Argentinien muss mit kleinem Budget für Aufmerksamkeit sorgen.
Warsteiner in Argentinien muss mit kleinem Budget für Aufmerksamkeit sorgen.

Ein dunkler Wald, ein Reiter, ein mysteriöses Frauengesicht. Ein Zapfhahn im Wald, der Bier aus dem Glas zieht. Ein Warsteiner-Logo. Und zuletzt der Spruch: "Wenn du das magst, gut." Handwerklich ist der Film, der lange 45 Sekunden dauert, nicht mal schlecht. Davon abgesehen vermittelt er nicht eben das, was sich die Zuschauer von Bierwerbung wünschen.

Der Film ist auch nicht auf so groteske Weise anders, dass er positiv heraussticht aus dem Bierwerbeeinheitsbrei aus Party, Fußball, Flirten, Fußball, Männerfreundschaft, Fußball. Insofern ist es durchaus gewagt, dass die Warsteiner-Agentur Leo Burnett Argentina das Machwerk dann auch noch auf Facebook den Trollen zum Fraß vorwirft.

Die zerrupfen den Bier-Clip, erwartbar. Sie werden das vielleicht auch gleich tun, zumindest innerlich.

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Und genau darauf haben die Kreativen von Leo Burnett spekuliert.

Der Plan dahinter: Warsteiner hat, berichtet Adweek, in Argentinien nur ein sehr kleines Marketingbudget. Also braucht es neue Wege, um bemerkt zu werden. Wie das Bier sei auch die Werbung dafür eben nicht für jeden.

Aus dem gewollt schlechten Spot plus den (erwartbaren) Reaktionen darauf ("Wer diese Bierwerbung gemacht hat, zockt euch ab.") bastelte die Agentur einen zweiten Spot. Diese Antwort landete ebenfalls auf Facebook, um dort die wahren Fans anzusprechen. "Wer zur Hölle hat euch dafür bezahlt"? ("Warsteiner.") "Kann mir den Unfug einer erklären?" ("Da gibt es nichts zu erklären.") "Bier zapft man doch andersrum." ("Mhm.")

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Zumindest als "erfrischend" geht Warsteiner damit sicherlich in ein paar Biertrinkerköpfen in Argentinien durch. 

Uns gefällt, dass eine deutsche Biermarke in Südamerika einfach mal was ausprobiert und die Mechanismen des Social Web dazu nutzt, damit zu spielen.

Wie es aussieht, wird es dabei aber bleiben. Wie Warsteiner auf Anfrage von W&V mitteilte: "Dieser Spot war ein innovativer und extravaganter Test, den unser Lizenzpartner in Argentinien allein verantwortet hat. Der Spot wurde nur lokal und mit einer begrenzten Verbreitung (nur soziale Medien) genutzt. Wir werden ihn nicht noch einmal wiederholen oder anderweitig verwenden. Er war zwar sehr kreativ, aber zu schwer im Kontext von schnellen Medien wie Social Media zu verstehen."

Bei Leo Burnett in Buenos Aires sind für Warsteiner die ECDs Matias Eusebi und Ammiel Fazzari zuständig. Die FIlme produzierte Agosto mit dem Regisseur Diego Irigoyen. Beim Kunden Sabmiller, Tochterfirma von Anheuser-Busch Inbev, verantworten die Kampagne Felipe Molina und Cecilia Garcia Fernandez.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.