Telaar erhält nun vom Team Aufgaben, deren Arbeitsaufwand auf 20 Stunden die Woche taxiert sind. Jeder Kollege buche dann in die Online-Zeiterfassung zurück, wie lange er tatsächlich gebraucht hat. "Aber nicht, damit das Management sieht, ob er 'genug' gearbeitet hat", betont Telaar, "sondern damit das Team sieht, ob es die Aufgabe richtig eingeschätzt hat."  

Damit alle nötigen Informationen online verfügbar sind, arbeitet Shopmacher nicht mit einem internen Fileserver, sondern mit den Google Tools, die per Browser verfügbar sind. Telaar. "Wir haben eine eigene interne Facebook-Instanz und ein eigenes Wiki, in dem wir unsere Projekte dokumentieren. Auch die geleistete Projektarbeit wird in ein Online-Tool gebucht".

Unterwegs und trotzdem arbeiten.

Mehr Selbstständigkeit für alle Teams

Für Firmenchef André Roitzsch ist dezentrales Arbeiten eine Errungenschaft für seine gesamte Mitarbeiterriege. Jeder Angestellte könne nach einer Einarbeitungs- und Teambuildingphase von drei bis fünf Monaten einen mobilen Arbeitsplatz erhalten. Besondere Voraussetzungen müsse da niemand mitbringen, aber "ausreichend erfahren und selbstständig für eigenverantwortliches Arbeiten sollten die Kollegen sein. Denn es geht ja auch darum, sich selbst gut einzuschätzen und die Arbeit so einzuteilen, dass Termine gehalten werden." Auch Teilzeit-Modelle sind bei Shopmacher gang und gäbe: acht der aktuellen 68 Mitarbeiter sind nciht die regulären 40 Wochenstunden im Einsatz. 

Roitzsch selbst kontrolliert die Arbeit nicht. "Das ist Sache der Teams. Alle Mitarbeiter sind in Teams von 8-10 Kollegen integriert. Die Teams entscheiden selbst, welches Aufgabenvolumen sie sich in einem festgelegten Zeitraum zutrauen (Team-Commitment). Dieses Commitment ist dann für alle verbindlich. Jedes Mitglied ist wiederum dem Team gegenüber verantwortlich, fristgerecht seinen Beitrag zur Teamaufgabe zu leisten."

Damit das Team auch ein Team bleibt, muss man auch Anwesenheiten bei der Agentur einplanen. Udo Telaar tauscht deshalb immer wieder für mehrere Wochen am Stück die Outdoor-Piste mit dem Bürostuhl in Gescher.

Tourgänger und Web-Developer.

Ein Wettbewerbsvorteil beim Recruiting

Nomad Working hat sich für Shopmacher als ein deutlicher Vorteil im Arbeitgebermarkt erwiesen. "Im Münsterland haben wir ja einen strukturellen Nachteil, weil es hier einfach nicht so viele IT-Fachkräfte gibt", sagt Roitzsch.  "Mit unserem Modell hebeln wir räumliche Beschränkungen kurzerhand auf." Auch mit dem Teilzeit-Modell könne man Top-Leute gewinnen, die einfach keinen passenden Job finden. "Wir finden es besser, wenn viele Menschen weniger arbeiten als wenn wenige Menschen viel arbeiten. Das spricht sich natürlich rum."

Das Echo sei auch intern durchweg positiv. "Die Leute kommen motiviert hier her, weil sie nur so viel arbeiten, wie sie wirklich möchten. Es gibt viele Vorteile für beide Seiten." Dennoch bleibt Roitzsch ehrlich: "Natürlich haben wir auch Reibereien. Aber die hängen – wenn überhaupt – nur am Rande mit Arbeitsort oder -zeit einzelner Kollegen zusammen."


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W&V Redaktion
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