Um Konsistenz zu gewährleisten, müssen sich Unternehmen und Agenturen heute zusammen neu aufstellen. Gerade auch, um den Stellenwert von Marketing und Kommunikation für die Wertschöpfung von Unternehmen zu untermauern. Vor diesem Hintergrund ist der Schritt von Accenture erst einmal als absolut richtig zu bewerten. Entscheidend bleibt nur, was daraus entsteht.

Aber wie erreichen wir ein Ergebnis, das mehr ist als die Summe seiner Einzelteile? Konkret heißt das, dass wir Silos aufbrechen müssen. Wir kommen nicht umhin, nicht nur die Kanäle zusammenzubringen, sondern müssen auch die verschiedenen Disziplinen integrieren: Strategie, Marketing, Kommunikation und Vertrieb. Allein wegen der immer größer werdenden Datenmengen, die in diese Silos fließen. Daten, die uns teilweise kaum etwas sagen und die nicht verknüpft sind. Blinde Flecken, die im Sales Funnel entstehen. Auch langsame Prozesse und damit Kosten – schlichtweg Ineffizienz.

Interdisziplinäre Kernteams mit individueller Kultur

Auf Agentur- bzw. Dienstleisterseite müssen heute interdisziplinäre Kernteams im Zentrum stehen. Mit Kenntnissen zur Kategorie, Branche und dem Geschäftsmodell. Weitere Spezialisten werden im Bedarfsfall aus Kompetenzzentren hinzugeschaltet. Aus den Bereichen PR, Content, Social Media, Campaigning, Design, UX, Technology, Data Analytics, Media et cetera. Eine Agentur kann dies durch Kooperationen oder aber durch den gezielten Aufbau eigener Spezialisten-Teams erreichen und die Kunst ist es dann, diese Teams interdisziplinär zusammenzubringen.

Entscheidend für den Erfolg dieser Unternehmung ist die Aufrechterhaltung der individuellen Kultur. Ich bin überzeugt, dass Agenturen den Spezialistenhumus der einzelnen Teams erhalten müssen. Nur so kommen sie zur vollen Entfaltung ihrer Kreativität und ihrer Disziplin. Anschließend geht es um die richtige Synthese, die Zusammenführung der einzelnen Experten. Dafür braucht es vor allem Soft Skills. Tragfähige Beziehungen, die auf Vertrauen, Offenheit, einer gemeinsamen Sprache, einem gemeinsamen Rollenverständnis, Lernbereitschaft und geteilten Zielen beruhen. Dem richtigen „Growth Mindset”. Neben dem richtigen Mindset ist Prozesswissen über die Steuerung der interdisziplinären Teams – das richtige Handwerkszeug – entscheidend.

Keine Innovation ohne Kollaboration

Unbestritten ist, dass diese interdisziplinären Teams auch insgesamt zu besseren Ergebnissen führen. Durch die unterschiedlichen Perspektiven entstehen Reibung und damit auch bessere Ideen. Alle Mitglieder sind von Anfang an an Bord, entwickeln gemeinsam eine Lösung und feiern gemeinsam Erfolge. Das sorgt für mehr Verständnis für den Zusammenhang individueller Leistungen – also Sinnhaftigkeit, größeres Commitment, Flexibilität und schnellere Entscheidungen. Elementar ist also die richtige Integration. In der Lösung dieser Frage liegt die wahre Kraft und nicht in der Diskussion Agentur vs. Unternehmensberatung.

Innovation können wir uns heute gar nicht mehr ohne Kollaboration vorstellen. Die NASA schätzte einst, dass es 400.000 Ingenieure, Wissenschaftler und Techniker brauchte, um auf den Mond zu fliegen. Das inkludierte die Zusammenarbeit von 20.000 Unternehmen, Universitäten und Regierungsbehörden. Alle hatten dieses eine Ziel: "We choose to go to the Moon". Sie erreichten mit ihrer Zusammenarbeit eine wirkliche Zäsur. Und keine bloße Sandkastendiskussion.

Die Autorin

Franziska von Lewinski ist allein schon durch ihre ungewöhnliche Biografie Expertin für Technologie, Veränderung und persönliche Weiterentwicklung: Sie war Bauingenieurin, als sie in die Agenturbranche wechselte. Bei BBDO stieg sie zur Geschäftsführerin der Digitaltochter Interone auf. Seit 2014 ist sie Vorstandsmitglied der Agenturgruppe Fischer Appelt. Dort ist sie für Digitales und Innovationen verantwortlich.


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W&V Redaktion
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