Dabei haben sich folgende Schritte als hilfreich bewährt.

Nach innen gerichtet:

1.  Schaffe das Organigramm ab – Hierarchien waren gut geeignet, um das preußische Militär zu organisieren. Hochspezialisierte Fachkräfte brauchen Orientierung, aber nicht jemanden, der ihnen sagt, wie sie ihren Job machen sollen.

2.  Großer Zampano, gib auf – Es gibt nicht den einen, der weiß, wie es läuft, was die Kunden wollen und wie man es herstellt. Unterschiedliche Experten wissen unterschiedliche Dinge besser. Nutze das!  

3.  Vergiss Work-Life-Balance – Denn es zementiert die Schere zwischen Work und Life. Das ist nicht das Modell der Generationen Y oder Z.

4.  Finde einen gemeinsamen Sinn für die Organisation – Warum kommen wir jeden morgen zusammen? Um Geld zu verdienen? Um tolle Websites zu bauen? Oder gibt es da noch mehr? Wer mit seinem täglichen Tun einen Sinn verbindet, braucht keine externe Motivation.  

5.  Die organisatorische Trennung nach den Disziplinen Beratung, Kreation, Umsetzung hat sich erledigt – das ist Taylorismus! Gerade bei größeren Projekten: Wenn das, was die Beratung entwickelt hat, in der Umsetzung ist, ist es doch heute schon wieder veraltet. 

6.  Flexible Köpfe brauchen flexible Arbeitsmodelle – Wer nur Old-School-Arbeitsmodelle bietet, bekommt auch nur Old-School-Personal. Home Office, wenn die Telekom mal kommt, ist weit verbreitet. Aber bei dezentralen, regional unabhängigen Modellen, 28-Stunden-Woche, Vertrauens-Arbeitszeit tun sich viele Agenturen noch schwer. Was bezahlen wir? Arbeitszeit oder Ergebnisse? Was bezahlen unsere Kunden?

Nach außen gerichtet:

1.  Halte Projekte so klein wie möglich – Große Projekte scheitern zu oft. Qualitativ und kaufmännisch. Jeder weiß das. Und doch frisst die Gier oft das Hirn. 

2.  Akquiriere Bestandskunden – immer wieder jeden Tag neu. Sie gieren danach, sie müssen sich weiterentwickeln. Denn sie stehen vor derselben Herausforderung. Sie werden es dir danken. Und auch gerne dafür zahlen. 

3.  Verkaufe nicht Projekte, verkaufe Ressourcen – Entwicklungsressourcen sind ein sehr kostbares Gut. Kluge Kunden wollen sich Ressourcen sichern. Unkluge Kunden werden nicht überleben.     

4.  Arbeite rekursiv – Projekte haben ein Ende, Kunden nicht. Die Entwicklungen im Bereich IT auch nicht. Sorge dafür, dass die Wunschliste deiner Kunden immer lang ist, dann werden sie auch weiter Ressourcen von dir benötigen.

5.  Neukunden sind Wachstumsprojekte – wer bei Vollauslastung mit Bestandskunden einen Neukunden annimmt, ohne zu wachsen, kann nur scheitern. Auch wenn es schmerzt: Wenn ich keine Ressourcen bekomme, kann ich besser auf einen Job verzichten, als einen schlechten Job zu machen.

6.  Tue alles für den Erfolg deines Kunden – Denn erfolgreiche Kunden beauftragen dich weiter. Der Kunde ist nicht König, sein Erfolg ist König.  

André Roitzsch, 44, ist seit März 2016 CEO des E-Commerce-Spezialisten Shopmacher aus Gescher im Münsterland. In den vergangenen 18 Monaten hat er den ehemaligen Shop-Serienfertiger zu einem Dienstleistungsunternehmen umgebaut, dessen Schwerpunkt auf der kontinuierlichen Weiterentwicklung von E-Commerce-Plattformen liegt. Der studierte Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit der Organisation digitaler Dienstleistung. Zuletzt war er Managing Director bei der UDG United Digital Group in Düsseldorf und baute bei der Full-Service Webagentur Move:elevator in Oberhausen das Geschäftsfeld Digital Business mit auf.



Autor: W&V Gastautor

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