Digitalwerbung :
Amazon will TV weitere Werbebudgets abjagen

Der US-Konzern bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Produkte mit Hochglanz-Werbespots noch besser in Szene zu setzen. Doch das hat seinen Preis.

Text: Manuela Pauker

Der Online-Händler will mit seinem Premium-Angebot Markenhändler ansprechen.
Der Online-Händler will mit seinem Premium-Angebot Markenhändler ansprechen.

Amazon startet ein Angebot für Werbekunden, das die TV-Sender weitere Werbegelder kosten könnte. Das Konzept: In den USA gibt es seit Kurzem die Möglichkeit, so genannte Premium Product Pages zu buchen.

Die Amazon-Markenkunden können im Rahmen der Neuerung auf ihren Seiten jede Menge Hochglanz-Content einbauen, um ihre Produkte schön in Szene zu setzen: Breitbild-Videos, Interaktive Features, Multimedia – alles zusammen in der Anmutung eines aufwendigen Werbespots. Videos gab es zwar bisher auch schon, allerdings nur im Kleinformat im Umfeld von Produktabbildungen.

Das Ganze hat allerdings auch seinen Preis, wie das US-Fachmagazin AdAge schreibt: Wer die Premium-Variante wählt, bezahlt im Jahr 500.000 Dollar dafür. Zwar sollen damit alle beworbenen Marken eines Unternehmens abgedeckt werden. Trotzdem ist es eine Summe, die sich nicht jedes Unternehmen leisten kann oder will. Wer sich allerdings für den Amazon-Premium-Auftritt entschließt, wird das Budget möglicherweise von seinen klassischen TV-Werbegeldern abzweigen.

Erste Kunden sind bereits dabei

Einige Kunden haben das Angebot in den USA bereits wahrgenommen. Zu ihnen zählt der Konzern Bose, der unter anderem HiFi-Zubehör wie Lautsprecher und Kopfhörer fertigt. Offiziell haben sich bislang aber weder Bose noch Amazon zu den Product Pages geäußert. In Deutschland ist die Neuerung offenbar im Moment noch nicht erhältlich.

Bose testet als einer der ersten Kunden die Premium-Pages.

Bose testet als einer der ersten Kunden die Premium-Pages.

Das Premium-Angebot ist nur ein weiterer Schritt auf dem Weg von Amazon, zum Mega-Player in Sachen Digitaler Werbung zu werden. Im kommenden Jahr will der Konzern in New York eine neue Werbezentrale eröffnen; bis zu 2000 Mitarbeiter sollen dort künftig für den Bereich tätig sein. Die deutschen TV-Macher rechnen damit, dass auch Amazon Prime Video groß im Markt als Bewegtbild-Werbeumfeld positioniert wird. Notwendige Daten über Nutzerstrukturen hat der Onlinehändler reichlich. 


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde