Autonomes Fahren :
Apple und Google konkretisieren ihre Auto-Pläne

Kooperation statt Kollision: Apple will mit Autoherstellern zusammenarbeiten, anstatt eigene Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. Google äußerte sich jetzt ähnlich.

Text: W&V Redaktion

Der Chrysler Pacifica Hybrid-Minivan mit Waymo-Technologie.
Der Chrysler Pacifica Hybrid-Minivan mit Waymo-Technologie.

Apple-Chef Tim Cook hat erstmals bestätigt, dass der iPhone-Konzern sein Interesse auf die Entwicklung von Roboterwagen-Technologie gelenkt hat. "Wir fokussieren uns auf autonome Systeme", sagte Cook dem TV-Kanal des Finanzdienstes Bloomberg. "Es ist eine Kerntechnologie, die wir als sehr wichtig betrachten." Zugleich sei es eine der größten Herausforderungen für künstliche Intelligenz.

Apple hatte dem Vernehmen nach zunächst seit 2014 an der Entwicklung eines kompletten eigenen Elektroautos gearbeitet. Der Schwerpunkt wurde jedoch laut Medienberichten bereits im vergangenen Jahr auf die Entwicklung von Software für autonome Fahrzeuge umgelenkt. Mehrere hundert Mitarbeiter sollen das Projekt danach verlassen haben.

In diesem Frühjahr bekam Apple die Erlaubnis zum Test selbstfahrender Autos in Kalifornien, und wenig später wurde auch ein umgebauter Lexus-SUV des Konzerns auf der Straße fotografiert. In dem Bundesstaat dürfen insgesamt 33 Hersteller, Zulieferer und Tech-Firmen autonome Autos testen.

Cook betonte, dass er das Autogeschäft vor einem drastischen Umbruch durch autonomes Fahren, Elektroantriebe und Fahrdienste sehe. "Der Wandel läuft gleichzeitig aus drei Richtungen." Apple hatte sich im vergangenen Jahr in einer für den Konzern ungewöhnlichen Investition mit einer Milliarde Dollar am chinesischen Fahrdienst-Vermittler Didi Chuxing beteiligt.

Google verabschiedet sich von autonomen Mini-Autos

Auch Google ließ nun verlauten, wie sich der Internet-Konzern an der mobilen Zukunft beteiligen will. Die kleinen elektrischen Zweisitzer, die seit drei Jahren im Testbetrieb laufen, werden ausgemustert. Sie seien von Anfang an zum Experimentieren und nicht für die Massenproduktion gedacht gewesen, betonten Manager der Google-Schwesterfirma Waymo bei der Ankündigung des Schritts. Waymo konzentriere sich künftig darauf, ihre Roboterwagen-Technologie in Fahrzeuge anderer Hersteller zu integrieren. Aktuell werden über 500 Pacifica-Minivans von Fiat Chrysler damit ausgerüstet. Familien in Arizona sollen sie testweise im Alltag nutzen.

Die Vorstellung der eigenen Google-Wagen hatte 2014 die Autoindustrie aufhorchen lassen. Der Internet-Konzern hatte zwar schon damals betont, man wolle nicht selbst zum Autohersteller werden. Aber die kugeligen Fahrzeuge mit ihrer freundlichen Smiley-Frontpartie konnten als Prototyp für ein Robotertaxi-Netzwerk in Städten gesehen werden. Branchenbeobachter spekulierten, Google könne mit den Fahrzeugen eine Blaupause für künftige Mobilität in den Städten liefern und Chefs großer Hersteller betonten, sie würden nicht zu Auftragsfertigern von Autos nach Plänen des Internet-Konzerns.

Google hatte ganz eindeutig weitreichendere Pläne für die Elektromobile - so verkündete der Konzern die Absicht, in den Wagen mit der Zeit ganz ohne klassische Steuerelemente wie Lenkrad oder Pedale auszukommen und die Kontrolle ganz dem Computer zu überlassen. Dazu kam es im regulären Testbetrieb nicht: Die US-Behörden betonten, dass sie derzeit noch Lenkräder und Pedale für unverzichtbar halten. Aber zum Beispiel in einer Testfahrt im Jahr 2015 in Austin in Texas war einer der Google-Roboterwagen komplett autonom unterwegs, ohne dass ein Mensch hätte eingreifen können.

In der Spitze waren rund 70 Prototypen mit dem Namen "Firefly" auf der Straße in der Google-Heimatstadt Mountain View sowie in Austin in Texas unterwegs. Sie boten allerdings nur eingeschränkten Komfort und hatten eine Höchstgeschwindigkeit von rund 40 Kilometern pro Stunde, was oft andere Fahrer irritierte. Nachdem Ende 2016 das Roboterwagen-Projekt unter der Führung der erfahrenen Automanagers John Krafcik in die Google-Schwesterfirma Waymo ausgelagert wurde, zeichnete sich bereits ab, dass der Fokus künftig auf dem Einbau der Technik in Fahrzeuge anderer Hersteller liegen wird.

Google hatte bereits 2009 umgebaute Toyotas mit seiner Technologie auf die Straße gebracht um mit der öffentlichen Vorstellung des Projekt ein Jahr später die Autobauer aufgeschreckt. Inzwischen arbeiten auch viele Hersteller und Zulieferer sowie zahlreiche Startups und auch andere Tech-Firmen wie Apple, Uber und Intel an Technologie für selbstfahrende Autos. 

Der Waymo-Mutterkonzern Alphabet macht sich nach wie vor Hoffnungen, seine Technik im Fahrzeugen weiter Hersteller unterzubringen. Als ein Kandidat war eine Zeit lang Ford gehandelt worden - aber die Gespräche scheiterten laut Medienberichten Ende 2015 an unterschiedlichen Vorstellungen der Unternehmen. Ford setzte daraufhin auf die Entwicklung eigener Roboterwagen und machte jüngst den dafür zuständigen Manager Jim Hackett zum Konzernchef.

(am/mit dpa)


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