E-Mail-Kommunikation :
DSGVO-PR aus der Hölle: Die ehrliche Variante

Der nachfolgende Text richtet sich ausschließlich an PR-Manager, denen Datenschutz ebenso egal ist wie professionelle Medienarbeit. Also eine winzige Minderheit. Für alle anderen gibt es hier nichts zu sehen.

Text: Frank Zimmer

Frank Zimmer ist Redaktionsleiter Online bei W&V und bekommt ziemlich viele E-Mails.
Frank Zimmer ist Redaktionsleiter Online bei W&V und bekommt ziemlich viele E-Mails.

Die meisten Marketingabteilungen, Pressestellen und PR-Agenturen setzen sich ernsthaft mit der DSGVO auseinander. Sie haben Juristen konsultiert oder sich Fachliteratur besorgt, vielleicht sogar den Praxis-Check von W&V, den meine Kollegin Christiane Treckmann gemeinsam mit Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht entwickelt hat. 

Sie müssen an dieser Stelle nicht weiterlesen.

Der folgende Text richtet sich an eine Minderheit von Spam-Versendern, deren Interesse an Datenschutz genau so limitiert ist wie ihre Medienkompetenz. Eine kleine Gruppe von Agenturen und Unternehmen, die seit Jahren ohne Sinn "Newsletter" und "Pressemitteilungen" an Redaktionen verschickt, um die nie jemand gebeten hat und die oft in keinem inhaltlichen Zusammenhang mit den kontaktierten Medien stehen.

Nicht, dass diese Art von PR aus der Hölle keine harte Arbeit wäre. Seit Wochen werden zum Beispiel überall Mails an Redaktionen formuliert, um die "spannenden News aus unserem Hause" auch nach dem DSGVO-Freitag verschicken zu dürfen. Ich selbst erhalte zum Beispiel jeden Tag Nachrichten ("Lassen Sie uns uns in Kontakt bleiben!") "langjähriger Marktpartner", von denen ich noch nie gehört habe.

Eigentlich ist es schon fast zu spät. Aber allen Repräsentanten der Spezialdisziplin "Spam-PR", die noch an Formulierungen feilen, schlage ich diese ehrliche Variante vor:

"Liebes Klickvieh,

du hast unsere Newsletter nie bestellt und wahrscheinlich weißt du noch nicht mal, wer wir sind und warum wir dir seit Jahren diese verdammten E-Mails schicken. Kleiner Trost: Du bist nicht der einzige hier, der Null Interesse hat. Ehrlich gesagt, finden wir dich genau so irrelevant. Aber am Ende des Tages müssen nun mal unsere Excel-Tabellen stimmen.

Jetzt aber zum eigentlichen Problem.

Weil uns Datenschutz traditionell am Arsch vorbeigeht, haben wir uns auch nicht rechtzeitig mit der DSGVO beschäftigt. Wir wissen nicht wirklich, ob wir dir weiterhin E-Mails schicken dürfen. Wahrscheinlich nicht. Aber klick doch einfach auf "Ja", dann sind wir auf der sicheren Seite.

P.S. Cool wäre, wenn du diese Mail an deine Lieblingskollegen weiterleiten würdest. Vielleicht können wir dadurch noch ein paar Adressen sammeln. Oder schick uns einfach ihre Kontaktdaten, wir kümmern uns um den Rest.

Vielen Dank und bis zum nächsten Newsletter."

Bitte. Danke.


Autor:

Frank Zimmer

Redaktionsleiter Online mit analogem Migrationshintergrund. Seit 1996 im Internet. Buchautor ("Der Social-Media-Rausch") und Blogger ("Mittelrheingold"). Interessiert sich für Content Marketing und digitale Transformation. Hat eine Schwäche für Agenturen, weil er mal in einer gearbeitet hat.