Gastkommentar von Julian Mohr :
Macht endlich Schluss mit Influencer Bashing!

Influencer haben eine Vertraulichkeitspflicht werbungtreibenden Unternehmen gegenüber. Das ist gut so, meint der Geschäftsführer von Nqyer Media, Julian Mohr.

Text: Julian Mohr

- 3 Kommentare

Julian Mohr ist Geschäftsführer der Social-Media-Agentur Nqyer Media in Hamburg.
Julian Mohr ist Geschäftsführer der Social-Media-Agentur Nqyer Media in Hamburg.

Das jüngste Interview des "Manager Magazin" mit Influencerin Caro Daur und die damit verbundene provokante journalistische Vorgehensweise lässt mal wieder die Gemüter der Branche hochkochen. Die einen empören sich darüber, dass hier ein junger Mensch, der sich ohne Management im Rücken der Presse stellt, derart vorgeführt wird. Andere wiederum sehen Influencer in ihrer vermeintlichen Publicity-Abgestumpftheit in der per se selbstverschuldeten Rolle des Freiwilds. Gejagt, seit mittlerweile  ermüdenden zwei Jahren.

Diskussionen über Influencer Marketing führen zu nichts

Diskussionen und despektierliche Abhandlungen über den Sinn und Unsinn von Influencer Marketing fangen jedoch an, mächtig zu langweilen. Wem macht es noch Spaß, sich in der 19. Runde im Kreis zu drehen? Diese Diskussionen führen zu rein gar nichts! Sie schaden im Gegenteil einer ganzen Branche und vor allen den Influencern, Marken und Agenturen, die angefangen haben, sich ernsthaft mit den neuen Möglichkeiten und neuen Formaten zu beschäftigen.

Wer vernünftig mit Influencern arbeitet und sie nicht nur für "Schokolade in Modelpose-Halten" bucht, kann es schaffen, mit Influencern den nächsten "dm Haul" für seine Kunden zu erfinden. Niemand ist gezwungen, Influencer in seine Markenkommunikation einzubinden. Es sollte jedoch gewährleistet sein, dass Markenbotschafter wie Caro Daur für das, was sie darstellen und leisten auch respektiert und anerkannt werden. Und hier ist es nicht von Belang, ob Caro Daur erst 22 Jahre jung ist und vielleicht gar nicht die Welt retten, sondern schlicht und ergreifend ihren Job machen möchte. So wie die Redakteure diverser Lifestyle- und Gossip-Zeitschriften eben auch.

Eigentlich sind Influencer Medienunternehmer

Während andere Länder immersive Formate rund um die persönliche Performance-Kultur entwickeln, betreiben wir hierzulande in weiten Teilen munteres Influencer Bashing und stellen die große Sinnfrage.

Keiner betrachtet Influencer als das, was sie sind: Medienunternehmer.

Medienunternehmer, die mit ihren Inhalten und Reichweiten auch in unsere Markenkommunikation eingebunden werden sollten. Denn sie schaffen es, Zuschauer zu binden. Von keinem anderen Medienformat, von keiner neu eingeführten Plattform und vor allem von keinem Medienunternehmer in Person wurde in der Vergangenheit verlangt, die Bücher offenzulegen. Warum auch? Influencer haben als Medienunternehmer eine Vertraulichkeitsplicht ihren Kunden und damit den werbungtreibenden Unternehmen gegenüber. Und das ist gut so! Alles andere wäre in höchstem Maße unprofessionell und würde jede Markenkooperation im Keim ersticken.

Eines ist sicher: Die Vorgehensweise und Abwertung diverser Plattformen führt sicherlich nicht zu einer schnelleren Annäherung der Fronten. Dabei ist genau das der nächste wichtige Schritt! Also, noch einmal: take it or leave it! Influencer Marketing wird nicht sterben, es wird sich professionalisieren, wird schneller und relevanter. Deutschland muss Entertainment für die neue Generation von Konsumenten lernen. 

Mehr spannende Artikel zum Thema Influencer Marketing lesen Sie in unserem Dossier Dos und Dont's im Influencer Marketing.


Autor:

Julian Mohr ist Gründer und Geschäftsführer von Nqyer Media.
Julian Mohr

Julian Mohr ist Gründer und Geschäftsführer von Nqyer Media, einer unabhängigen auf Influencer Marketing und Branded Entertainment spezialisierte Social-Media-Agentur mit Sitz in Hamburg.



3 Kommentare

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Daniel Brückner - toptestsieger.de 7. Juli 2017

Ich bewerbe mich um den nächsten Gastkommentar. Hört endlich auf mit der Schleichwerbung!

Dyiel Monteno 6. Juli 2017

Die Diskussion als "Bashing" zu titulieren, zeigt genau das Problem: Es findet innerhalb des Influencer-Mikrokosmos gar keine tatsächliche Auseinandersetzung mit kritischen Stimmen statt. Man verkennt Kritiker als "Hater" und labt sich im Rückhalt der eigenen unreflektierten Teenie-Community, die mit suggerierter Nähe und Einflussnahme erst angefüttert und dann instrumentalisiert wird. Hey, so funktionierte eine Madonna schon vor 20 Jahren - klar. Aber eine Madonna hat sicherlich nicht ihre Karriere mit dem Ziel begonnen mal Werbung für den BMW M5 zu machen. Und in dieser Zielsetzung liegt der Unterschied - ergibt sich aus meinem kreativen Schaffen eine Reichweite, um zu kommerzialisieren oder schaffe ich sie alleine aus diesem Grund.

Andreas Schaefer 6. Juli 2017

Widerspruch.
Die großteils mangelhafte Transparenz der Kampagnen zusammen mit dem öffentlichen Verhalten von Influencern, einem kaum kaschierten Materialismus gepaart mit teilweise unverhohlener Gier erfordern ein regelmäßiges kritisches Nachfragen.
Wenn Dich das "langweilt" solltest Du vielleicht Deinen Wertekompass überprüfen, sorry.

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